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Flitzer in Wimbledon : Scharapowa „wollte nicht alle Details sehen“

  • Aktualisiert am

Siegerin: Maria Scharapowa Bild: dpa

Henin-Hardenne gegen Clijsters und Scharapowa gegen Mauresmo lauten die Halbfinal-Duelle von Wimbledon. „Ich bin bereit“, meinte Scharapowa, die bei ihrem Viertelfinal-Sieg gegen Dementjewa von einem Flitzer gestört wurde.

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          Maria Scharapowa schaute weg, Jelena Dementjewa lächelte amüsiert - ein Flitzer sorgte in einem einseitigen Viertelfinalspiel zwischen den beiden Russinnen auf dem Centre Court von Wimbledon für die meiste Abwechslung. „Die Leute wollen Unterhaltung während eines Frauenspiels“, sagte Scharapowa: „bitte sehr“. Als der junge Mann beim Stand von 3:0 für die 19-Jährige im zweiten Satz auf den „Heiligen Rasen“ rannte und wenige Meter neben ihr alle Hüllen fallen ließ, drehte sie ihm allerdings pikiert den Rücken zu. „Ich wollte nicht alle Details sehen“, sagte sie kichernd.

          Im Spiel brauchte sie nur 43 Minuten, um Dementjewa mit 6:1, 6:4 auszuschalten und damit zum dritten Mal in Folge das Halbfinale der All England Championships zu erreichen. Dort sind vier Grand-Slam-Siegerinnen unter sich. Wie selbstverständlich überstanden auch French-Open-Siegerin Justine Henin-Hardenne und US-Open-Champion Kim Clijsters ihre Viertelfinals und buchten das erste belgische Halbfinale auf dem „Heiligen Rasen“. Scharapowa, die das bedeutende Tennisturnier vor zwei Jahren gewonnen hat, und Australian-Open-Siegerin Amelie Mauresmo aus Frankreich kämpfen am Donnerstag um den zweiten Platz im Endspiel. Dort geht es am Samstag um die Nachfolge der Amerikanerin Venus Williams, die schon in der dritten Runde gescheitert war.

          Zum 22. Mal Henin-Hardenne gegen Clijsters

          Scharapowa ist die einzige Spielerin der großen Vier, die schon einmal beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt erfolgreich war. „Ich bin froh, wieder im Halbfinale zu sein“, sagte die Russin: „Es wird ein schweres Match, aber ich bin bereit.“ Die Weltranglisten-Erste Amelie Mauresmo, die zuvor pro Match nur durchschnittlich 56 Minuten auf dem Platz stand, mußte bei ihrem 6:1, 3:6, 6:3-Erfolg über Scharapowas Landsfrau Anastasia Myskina erstmals über drei Sätze gehen.

          Auf Shopping-Tour in London? Nein, Maria Scharapowa trägt ihr Equipment auf den Center Court von Wimbledon
          Auf Shopping-Tour in London? Nein, Maria Scharapowa trägt ihr Equipment auf den Center Court von Wimbledon : Bild: REUTERS

          Henin-Hardenne gewann locker mit 6:4, 6:4 gegen die französische Qualifikantin Severine Bremond. Wesentlich mehr Mühe hatten Kim Clijsters bei ihrem 6:4, 7:5-Erfolg über die chinesische Viertelfinaldebütantin Li Na. Clijsters muß nun bereits zum 22. Mal gegen Henin-Hardenne spielen, beide treffen aber zum ersten Mal an der Church Road aufeinander. „Es sind natürlich immer ganz spezielle Spiele gegen sie“, meinte die 23-Jährige, „ich habe nichts zu verlieren.“

          Immerhin geht es für sie um Platz eins in der Weltrangliste, mit einem Erfolg in Wimbledon würde sie Mauresmo an der Spitze wieder ablösen. Für Henin-Hardenne geht es um das Schließen einer Erfolgslücke; den Wimbledon-Titel, den sie als einzigen der vier Grand Slams noch nicht gewonnen hat. „Es ist eines meiner großen Ziele, hier zu gewinnen“, erklärte die 24jährige, die vor fünf Jahren zum bislang einzigen Mal an der Church Road im Finale stand: „Aber es ist noch ein weiter Weg bis dahin.“

          „Ich kann mich ziemlich gut konzentrieren“

          3:0 führte Scharapowa im zweiten Satz, als plötzlich ein Mann von der Tribüne auf den Centre Court lief und sich unmittelbar neben ihr seiner Kleidung entledigte. Die 19jährige drehte ihm pikiert den Rücken zu. Er zeigte eine turnerische Einlage und wurde nach etwa zehn Sekunden von Ordnern eingefangen, die seine Blöße mit einer roten Decke verhüllten. „Ich habe mir den Typ nicht so genau in allen Einzelheiten angeschaut“, sagte Scharapowa: „Aber die Sicherheitsleute haben gelacht, und ich hatte nicht den Eindruck, daß ich Angst haben müßte.“

          Sie drehte sich allerdings erst wieder um, als der Nackedei von zwei Polizisten vom Platz geführt worden war, und setzte das Spiel mit bitter-böser Miene fort. Verwirren ließ sie sich von dem Zwischenfall aber nicht, obwohl die grinsende Dementjewa anschließend besser ins Match kam. „Ich kann mich ziemlich gut konzentrieren, das hat mich nicht gestört“, sagte Scharapowa.

          Scharapowas spezielle Erinnerungen an diesen Platz

          Ihr Wimbledon-Sieg vor zwei Jahren war der große Durchbruch in der Karriere der blonden Russin, die bei Nick Bollettieri ausgebildet wurde. Anschließend wurde sie mit Werbemillionen überhäuft und als blondes Sportidol vermarktet, zu einem zweiten Grand-Slam-Titel aber reichte es bis dato nicht mehr. „Ich werde immer spezielle Erinnerungen an diesen Platz haben“, erklärte Scharapowa - und die beziehen sich sicher nicht auf den Auftritt eines Nackedeis am Dienstag.

          Es war der erste männliche Flitzer in Wimbledon. Die erste Flitzerin hatte vor zehn Jahren den Niederländer Richard Krajicek und Malivai Washington aus den USA vor dem Finale 1996 heimgesucht. Nur mit einer knappen Spitzenschürze bekleidet, war die Sekretärin damals an den Spielern vorbei über den halben Platz gelaufen, ehe sie vom Wachpersonal eingefangen wurde.

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