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Handball-Trainer Machulla : „Wir sind Opfer unseres eigenen Erfolgs“

  • -Aktualisiert am

Maik Machulla: „Du wirst nicht Meister, wenn Du als Trainer nicht funktionierst.“ Bild: dpa

Trainer Maik Machulla von der SG Flensburg-Handewitt spricht vor dem Bundesliga-Topspiel gegen die Rhein-Neckar-Löwen über den Umbruch und das Wachsen seines Handball-Teams – und das Dauerthema Belastung.

          5 Min.

          Maik Machulla, Trainer von Handball-Spitzenreiter SG Flensburg-Handewitt, im Gespräch über den Umbruch und das Wachsen.

          Vor dem Spitzenspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen an diesem Montag (18.30 Uhr / live im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-Bundesliga) ist die SG Flensburg Tabellenführer der Handball-Bundesliga, obwohl sechs Neue einzubauen sind. Hätten Sie damit gerechnet?

          Nein. Ich sehe es so wie Stefan Kretzschmar. Wir sind Opfer unseres eigenen Erfolgs. Die Erwartungshaltung des Umfelds, der Mannschaft und meine ist viel höher als noch zu Beginn der Saison. Keiner hatte uns auf dem Zettel, obwohl wir der Titelverteidiger sind. Dadurch hatten wir die Ruhe, die Mannschaft einfach spielen zu lassen. Dann gewinnen wir gegen Kiel, in Berlin, in Nantes. Und auf einmal sagen alle: Flensburg ist wieder da. Der Umbruch ist vollzogen. Denen sage ich: Es werden Nackenschläge kommen. Momentan stehen wir mit 24:0 Punkten da und genießen es natürlich. Aber wir werden die Mannschaft nicht überladen und glauben, dass wir schon weiter sind.

          Konnten Sie die erste Flensburger Meisterschaft seit 2004 im Juni des Jahres genießen? Wirkt das noch nach?

          Es war gleich nach dem Spiel pure Erleichterung. Kein Genuss. Die Freude kam erst im Urlaub, als ich alles einsortieren konnte. Dann kam auch erst die Phase, dass ich stolz sein konnte und dachte, das ist eigentlich unglaublich, was wir da erreicht haben. Dass ich das in meinem ersten Jahr als Cheftrainer geschafft habe. Dass ich dem Druck standgehalten habe, nach Ljubomir Vranjes hier zu übernehmen. Dass ich der Erwartungshaltung gerecht wurde. Ich habe eine tolle Mannschaft. Das habe ich vor allem gedacht.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Wie sehr hat das Ihr Ansehen verändert?

          Viele waren vor der Saison 2017/18 kritisch und haben gesagt: Was macht Flensburg da? Mit Machulla? Das wusste ich doch.

          Was wäre passiert, wenn Sie die Saison als Vierter beendet hätten?

          Durch die Meisterschaft wird in der Arbeit jetzt nicht gleich alles direkt hinterfragt. Wir haben uns mit dem größten Titel belohnt. Der Druck auf mich und die Mannschaft wäre sonst viel größer geworden. Du bekommst gar nicht die Zeit, etwas in Ruhe zu entwickeln, weil alle sagen: Jetzt müssen wir aber. Stattdessen bekomme ich jetzt viel eher die Zeit, die Mannschaft wirklich zu entwickeln. Das ist auch für mich als junger Trainer ganz wichtig.

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          Dauerthema Dauerbelastung: „Es kann nicht sein, dass wir am Donnerstagabend in Bietigheim spielen und am Samstag in Paris“ : Bild: dpa

          Wie groß ist Ihr Anteil?

          Du wirst nicht Meister, wenn du als Trainer nicht funktionierst. Wenn du die Mannschaft nicht im Griff hast, wenn du sie taktisch nicht voranbringst, wenn du nicht die Energie hast, sie die ganze Saison zu führen. Meine Zweifel und vor allem die Zweifel an mir selbst sind weg.

          Wundern Sie sich auch manchmal, was an einem abgelegenen Standort wie Flensburg im Handball alles möglich ist?

          Mir ist das bewusst. Auch die Geschäftsstelle und die Sponsoren wissen, dass es großartig ist, wie wir es jedes Jahr wieder schaffen, uns da oben festzusetzen. Die Champions League ist alles andere als selbstverständlich. Demut ist mir sehr wichtig. Wir sind stolz auf das Erreichte. Aber die anderen Standorte werden dominanter. Wir haben jetzt sechs, sieben Klubs, die sich für die Champions League qualifizieren können. Und da haben wir vom Final Four in Köln noch gar nicht geredet. Da konkurrieren wir mit Vereinen wie Paris, die ganz andere finanzielle Möglichkeiten haben. Trotzdem schaffen wir das Achtel- oder sogar Viertelfinale. Weiter zu gehen ist dann sehr schwer. Weil es eng ist, weil wir eine unfassbar hohe Belastung durch die Bundesliga haben. Dazu kommt die Reisebelastung als nördlichster Klub. Da brauchen wir in jedem Spiel mental und körperlich 100 Prozent. Anderswo in Europa ist die Liga Nebengeschäft. Hier ist der große Fokus die Bundesliga, der kleine Fokus die Champions League. Den DHB-Pokal mit der tollen Endrunde in Hamburg nicht zu vergessen.

          Das heißt, der Verein will alles.

          Genau. Wir wollen hier alles haben. Wir hatten Jahre, da waren wir im April, Mai überall dabei. Am Ende hatten wir nichts.

          Doch auch in Flensburg ist einiges gewachsen.

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