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Handball-Pokal für Flensburg : Hampus Wanne macht den Unterschied

  • -Aktualisiert am

Sieg nach Siebenmeterwerfen: Flensburg gewinnt den Handball-Pokal Bild: dpa

Während Flensburg den DHB-Pokal gegen Magdeburg gewinnt, lecken die Rhein-Neckar-Löwen mal wieder ihre Wunden. In einem turbulenten Finale ist ein Youngster der große Held – im Siebenmeterwerfen.

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          Kühl bis ans Herz stand er da vor der roten Flensburger Fanwand und warf den Ball ins Tor. So einfach kann Handball sein, wenn man Hampus Wanne heißt. Der 21 Jahre alte Schwede spielt als zweiter Linksaußen eine untergeordnete Rolle bei der SG Flensburg-Handewitt. Doch immer, wenn es heiß wird, kommt der coole Schwede. Am Ende eines großartigen Finales um den DHB-Pokal setzte Wanne den Schlusspunkt, als er das Siebenmeterwerfen für die SG entschied. Im Schatten des Flensburger Jubels liefen die Tränen beim SC Magdeburg. Ein paar Mal hatte der SCM schon wie der Sieger ausgesehen.

          Doch Flensburg schlug nervenstark zurück und gewann am Ende 32:31 nach Siebenmeterwerfen. 24:24 hatte es nach Ende der ersten 60 Minuten gestanden, 27:27 nach der Verlängerung. In einem jederzeit fairen Endspiel schenkte Wanne dann Flensburg den vierten Pokalsieg nach 2003, 2004 und 2005. Zum ersten Mal bei fünf Finalteilnahmen nacheinander durften die Norddeutschen den Pokal am Sonntagabend hochstemmen. Magdeburg hatte am Samstag im Halbfinale die Füchse Berlin bezwungen und am Ende einfach Pech. Wanne hingegen machte es wie Ende Mai 2014 im Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona und verwandelte den entscheidenden Siebenmeter.

          Vor diesem hochklassigen Endspiel waren die Geschichten andere gewesen. Das Pokalwochenende ist immer die Gerüchtebörse des Handballs, und auf dieser gab es am Wochenende vor allem ein Thema - den möglichen Einstieg der Fluglinie „Turkish Airlines“ beim THW Kiel. Weil der jahrzehntelange Brustsponsor, die Versicherungsgruppe „Provinzial“, ihr Engagement erheblich einschränken will, ist THW-Geschäftsführer Thorsten Storm auf der Suche nach Ersatz. Dass sich die Kieler am Freitag auf eine dreitägige Reise nach Istanbul gemacht und ein Spiel beim dortigen Meister Besiktas bestritten hatten, erschien vielen als Beleg für die Stichhaltigkeit der Vermutung.

          Womöglich frisches Geld beim Champion, das befeuert Wechselphantasien allenthalben. So wurde in Hamburg viel über den THW gesprochen, obwohl er nach seinem Ausscheiden im Viertelfinale bei den Rhein-Neckar Löwen doch zum zweiten Mal nacheinander fehlte. Denn die Kieler pokern um den besten und bekanntesten deutschen Handballer mit – Uwe Gensheimer. Zu gern hätten sie den Kapitän der Nationalmannschaft in ihren Reihen. Der Vertrag des 28 Jahre alten Linksaußen endet bei den Löwen 2016. Gerade wieder hatte Gensheimer behauptet, es sei keine Entscheidung gefallen und es geben auch keinen Zeitrahmen für eine solche.

          „In der Flensburger Mannschaft steckt viel Siegermentalität“

          Aber Ereignisse wie am Samstag dürften ihn ins Grübeln bringen, ob es nicht vielleicht doch an der Zeit für einen Wechsel wäre – und zwar dorthin, wo er relativ verlässlich Titel sammeln könnte. Seine Rhein-Neckar Löwen zementierten durch die Niederlage gegen Flensburg am Samstagnachmittag nämlich wieder das Image des ewig ungekrönten Herausforderers. In buchstäblich letzter Sekunde hatte Löwen-Torwart Niklas Landin einen haltbaren Wurf des Flensburgers Jim Gottfridsson passieren lassen – 23:24 unterlagen die Badener und verpassten den Titel damit bei der achten Teilnahme seit 2006 abermals.

          Trainer Nikolaj Jacobsen brachte von sich aus einen anderen Erklärungsversuch ins Spiel: „In der Flensburger Mannschaft steckt viel Siegermentalität. Am Ende gibt die Mentalität den Ausschlag, und die haben wir nicht.“ Es ist ungewöhnlich, dass ein Trainer den Stab derart über seine Mannschaft bricht. Jacobsen selbst war das Scheitern früher als Spieler des THW Kiel weitgehend fremd. Nun ist seine größte Aufgabe als junger Trainer, einer talentierten und erfahrenen Mannschaft beizubringen, zuzupacken, wenn sich die Gelegenheit bietet. Doch sowohl in der Champions League als auch in der Meisterschaft sind die Löwen gegen vermeintlich Kleine gestolpert – international im Achtelfinale gegen Szeged, in der Liga Mitte April beim 27:31 in Wetzlar.

          „Ich weiß nicht, ob es an den Nerven lag oder am Pech“

          Hamburg sollte nun der Wendepunkt sein und endlich den ersten nationalen Titel der Vereinsgeschichte bringen. Doch nach 60 packenden Minuten stand allen Mannheimern die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Allen voran Geschäftsführer Lars Lamadé. „Es ist schlimm. Wir sind jedes Mal so nah dran. Ich weiß nicht, ob es an den Nerven lag oder am Pech. Wir tun uns offensichtlich schwer, zu gewinnen, wenn es wirklich wichtig wird.“

          Die Zeit läuft gegen diese Mannschaft. Die Stammkräfte Andy Schmid, Bjarte Myrhol und Alexander Petersson sind jenseits der 30 Jahre, Torwart Niklas Landin verlässt die Löwen Richtung Kiel. Für den Handball bleibt zu hoffen, dass die deutlich sparsameren Mannheimer dem Krösus aus Kiel eine ernsthafte Konkurrenz bleiben. Lamadé wollte am Samstag nichts versprechen. Er war mit einem ernüchternden Saisonfazit beschäftigt: „Es war eine gute Spielzeit. Mit einem Titel wäre es eine hervorragende gewesen. Wobei es schwerfällt, von einer guten Saison zu sprechen, wenn man hier ausgeschieden ist.“

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