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Flandern-Rundfahrt : Glanz, Schmutz – und pure Faszination

Wer gewinnt, hat das auch verdient!

Die Glorreichen, die Geschundenen: Wer gewinnt, hat das auch verdient, das ist die Devise. So ist das in Belgien auch bei Johan Museeuw gewesen. Ein unerbittlicher Kämpfer, ganz nach dem Geschmack der Flamen, jeweils dreimal Sieger bei der Flandern-Rundfahrt und bei Paris–Roubaix. Museeuw erhielt dadurch den Ehrentitel „Löwe von Flandern“. Nach seiner Karriere gab er zu, gedopt zu haben. In der Radsport-Kampagne der Paterskerk ist Museeuw dennoch eine zentrale Figur. Wegen der Versöhnung zwischen ihm und den Flamen nach seiner Offenbarung, wegen seiner Triumphe, aber auch wegen einer schweren Verletzung, die als Symbol für die Fährnisse des Radsports dient. Museeuw hatte 1998 bei Paris–Roubaix im Wald von Arenberg bei einem Sturz einen Kniescheibenbruch erlitten – und kehrte doch wieder in den Sattel zurück.

Geschichten, die Flandern, das sich als das Herz des Radsports fühlt, bewegen und berühren, die tief in seinem Inneren verankert sind. Wo jeder seinen Platz bekommen kann, selbst weithin unbekannte Rennfahrer wie der Ire Matt Brammeier, der bei der Ronde 2015 in dem Dorf Sint-Eloois-Winkel – nach 34 Kilometern – plötzlich einen Sprint hinlegte, als ginge es bereits um alles oder nichts. Später stellte sich heraus, dass sich Brammeier einen besonderen Preis sichern wollte: sein Körpergewicht, mehr als 70 Kilogramm angeblich, in Gerstensaft. Nico Mattan, ein ehemaliger belgischer Profi, hatte ihn für den Schnellsten in Sint-Eloois-Winkel ausgesetzt.

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Tom Boonen dürfte so etwas am 2. April nicht interessieren. Ein belgischer Heros auf Abschiedstournee: Boonen erlebt seinen letzten Frühling auf dem Rad. Ein einziges Mal noch die Flandern-Rundfahrt, die wieder die berüchtigte Muur von Geraardsbergen beinhaltet, ein letztes Mal die Tortur Paris–Roubaix, dann soll Schluss sein, möglichst noch einmal hoch dekoriert. Auch einer, der nicht immer eine gerade Linie verfolgte. Boonen kam durch mehrere Kokainaffären ins Gerede, seiner Reputation in der Heimat schadete das aber kaum.

Der flämische Sportminister Philippe Muyters würdigte den schillernden Profi kürzlich mit den Worten: „Er ist zweifellos mit jedem Zentimeter ein Anführer. Wie er Verantwortung übernimmt und seine Meinung sagt, macht ihn zu einem inspirierenden Mann.“ Auf dem Bus seiner Equipe Quick-Step Floors ist ein geteilter Boonen abgebildet. Auf einer Seite in Rennfahrermontur und dreckverschmiert, die andere Hälfte zeigt einen Boonen im Anzug, fein herausgeputzt. Schmutz und Glanz, dicht beieinander. Das ist das Leben, das ist der Radsport, Vergnügen und Verwerfung – eine elektrisierende Mischung, das wird nie anders sein in Flandern. Auch wenn die Paterskerk von Roeselare eines Tages wieder leergeräumt ist von den Zeichen des Kreuzzugs auf Rädern.

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