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Finale der Diamond League : Showtime der Multitalente

Stabhochspringerin Sandi Morris: Die Traumgrenze von fünf Metern hat sie schon überwunden Bild: AFP

Stabhochspringerin Sandi Morris und Sprinter Noah Lyles wollen beim Finale der Diamond League im Zürcher Letzigrund nicht nur sportlich, sondern auch musikalisch glänzen.

          3 Min.

          „Ich bin nur ein kleines Mädchen aus einer kleinen Stadt“, trällert Sandi Morris sanft und mit heller Stimme. Doch gleich darauf trumpft die singende Sportlerin auf, beschreibt schon ihre ersten Gehversuche auf dem Sportplatz als großartige Erfahrung: „Ich fühlte mich wie ein Champion.“ Und egal, wie ihre weitere Karriere noch verlaufen sollte, die Erinnerung daran werde bleiben: „I keep it like a souvenir.“

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Sandi Morris, 27 Jahre alte Stabhochspringerin mit einem gewissen Showtalent, stammt aus Downers Grove, einem 50.000-Einwohner-Städtchen nahe Chicago im Staate Illinois. Ihre Leidenschaft ist die Musik, ihre Profession die Leichtathletik. Beim Diamond-League-Finale in Zürich in dieser Woche verbindet die Multibegabte ihre beiden Talente miteinander vor großem Publikum. Dort wird sie gemeinsam mit der populären Schweizer Band „Baba Shrimps“ und ihrem amerikanischen Leichtathletik-Kollegen Noah Lyles auftreten – mit dem gemeinsamen Song „Souvenir“. Der sechs- bis siebenminütige Auftritt von Baba Shrimps featuring Sandi Morris & Noah Lyles soll Abschluss und Höhepunkt der Schlussfeier sein, aber möglicherweise auch eine Generalprobe. Denn noch überlegen die drei Musiker der Zürcher Band um Leadsänger Adrian Kübler und die beiden Sportler, ob sie ihr gemeinsames Werk nicht auch bei der Weltmeisterschaft in Doha Anfang Oktober präsentieren sollten.

          Lampenfieber scheint Sandi Morris jedenfalls nicht zu kennen. Als Stabhochspringerin ist die charismatische Amerikanerin, die stets ein grellbuntes Band als Markenzeichen im blonden Haar trägt, längst zu einem Champion avanciert. Die 27-Jährige wurde im vergangenen Jahr Hallenweltmeisterin, sie gewann zuvor Silber bei Olympia 2016 und der Freiluft-WM 2017, und sie ist vor allem die einzige Frau neben der Russin Jelena Isinbajewa, die im Freien die magische Grenze von fünf Metern übersprungen hat. Gelungen war ihr das beim Diamond-League-Finale in Brüssel 2016. „Ich bin das glücklichste Mädchen der Welt“, jubilierte sie danach. Und überraschte die Öffentlichkeit, als sie auf der Pressekonferenz nicht einfach nur Fragen beantwortete, sondern auch ein Liedchen anstimmte, mit dem Interview-Podium als Bühne und glockenrein. Die Gitarre, zu der sie normalerweise ihre Songs komponiert, hatte sie gerade nicht zur Hand.

          Showtime: Baba Shrimps feat. Sandi Morris & Noah Lyles (auf dem Sofa)
          Showtime: Baba Shrimps feat. Sandi Morris & Noah Lyles (auf dem Sofa) : Bild: Moritz Hager

          Die Wahrscheinlichkeit, dass die 1,73 Meter große Amerikanerin in dieser Woche einen größeren Kreis an Zuhörern becircen wird, ist groß, und das sogar doppelt. Denn in Zürich tritt sie zweimal auf. Vor der Schlussfeier des Meetings im legendären Letzigrund am Donnerstagabend gilt ihre Konzentration dem ausgelagerten Stabhochspringen im Hauptbahnhof, bei dem es an diesem Mittwochabend (18.30 Uhr) zwar nicht um den Jackpot der Diamond League geht (um den springen die Frauen kommende Woche in Brüssel), bei dem der Publikumsliebling aber zu den Favoritinnen zählt und natürlich gewinnen will.

          Sprinter Noah Lyles: Nummer vier der „ewigen“ Bestenliste über 200 Meter
          Sprinter Noah Lyles: Nummer vier der „ewigen“ Bestenliste über 200 Meter : Bild: EPA

          Als multitalentierter Siegertyp kann auch Noah Lyles aus Florida bezeichnet werden, der beim Showact den gesanglichen Konterpart für Sandi Morris geben wird. Der 21-Jährige hat sich als Rapper schon einen Namen gemacht und liebt die etwas härteren Töne. In erster Linie gilt er aber als Shootingstar der amerikanischen Sprinter-Szene. Lyles wird als zukünftiger „schnellster Mann der Welt“ gehandelt, und zumindest auf der 200-Meter-Strecke ist er es aktuell auch schon: 19,50 Sekunden lief der eher schmächtige, nur 70 Kilogramm schwere und 1,80 Meter große Junior jüngst beim Meeting in Lausanne. Mit dieser Glanzzeit schob sich Lyles auf Rang vier der „ewigen“ Bestenliste hinter den Jamaikanern Usain Bolt und Yohan Blake sowie seinem großen Landsmann Michael Johnson. Und auch über 100 Meter (Bestzeit: 9,86 Sekunden) wäre er ein Goldkandidat für die WM in Doha, hätte er sich nicht entschieden, dort nur die längere Sprintstrecke anzugehen.

          Bei „Weltklasse Zürich“ am Donnerstag startet er freilich über 100 Meter, und das Programm für ihn ist an diesem Abend als durchaus sportlich zu bezeichnen: Zwischen Zielsprint und musikalischem Auftritt bei der Schlussfeier liegt laut Zeitplan genau eine Stunde. Doch der Doppelstart bringt eben auch doppelte Freude. „Es ist cool, Teil dieses Projekts zu sein“, schwärmte Sandi Morris schon vor der Show. Ebenso wie Noah Lyles hatte sie einen Tag im Tonstudio mit den Profi-Musikern verbracht, um den Song aufzunehmen. „Es hat großen Spaß gemacht“, sagt Lyles, der überzeugt ist, dass der Song „in den Köpfen vieler Leute hängen bleiben wird.“ Das „Souvenir“ als Ohrwurm – es würde zur Story passen, denn der Song handelt davon, sich wertvolle Erinnerungen an seine Leidenschaften zu bewahren, auch wenn man mal nicht auf der Siegerseite steht.

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