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Handballspieler Steinert : „Ich habe eine riesengroße Portion Vorfreude“

  • -Aktualisiert am

Höher hinaus: Christoph Steinert soll die Kollegen führen. Bild: picture alliance / Sportfoto Zink / Daniel Marr

Die Handball-Karriere von Christoph Steinert ist bestimmt nicht kerzengerade verlaufen. Mit 32 Jahren freut er sich auf sein erstes Final Four – und auch in der Nationalmannschaft geht es bergauf.

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          Den Baedeker auswendig gelernt? Christoph Steinert lacht. „Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet, als ich 2017 das erste Mal herkam“, antwortet er, „aber inzwischen muss ich sagen: Es ist eine wahnsinnig schöne Region. Erlangen ist ganz toll. Und läge es an der Ostsee, wäre es der perfekte Ort.“ Ihm gefällt die Größe der Universitätsstadt, „und wenn es etwas mehr sein soll, bist du in 20 Minuten in Nürnberg“. Steinert stammt aus Berlin, wurde in Magdeburg ausgebildet und hat nach Stationen in Minden und Leipzig beim HC Erlangen seit dieser Saison seine sportliche Heimat gefunden.

          Bis Mitte 2024 ist er bei seinem zweiten Engagement in Mittelfranken gebunden, nachdem die zwei Jahre beim SC Magdeburg zuvor dürftig verliefen. Bestimmt keine kerzengerade Laufbahn. Macht nichts, findet der 32 Jahre alte Rückraumspieler: „Es steckt kein klarer Karriereplan dahinter. Ich habe nie gesagt, ich will mit 30 bei Paris sein.“ Aber er bereut nichts – warum auch. „Bisher hat alles gut reingepasst. Ich bin ein Freund von lebenslangem Lernen. Du bist nie fertig, auch nicht mit 80.“ Mehr Übersicht, mehr Konstanz, mehr Dynamik: Er könne noch viel lernen.

          „Kenne das Final Four bisher nur als Fan“

          Der Zeit beim SCM kann der vielseitige Linkshänder trotz bescheidener Spielminuten etliches abgewinnen, und zwar sehr konkret: Am Samstagnachmittag (16.10 Uhr in der ARD und bei Sky) zeigen sich die Erlanger zum ersten Mal auf der großen Bühne des DHB-Pokals – Halbfinale in Hamburg gegen Magdeburg. Die Übermannschaft dieser Saison, seinen alten Klub.

          Steinert sagt: „Es schadet uns bestimmt nicht, dass ich in Magdeburg gespielt habe und ihre Systeme kenne.“ Nun plötzlich gegen Trainer Wiegert, gegen den strahlenden Omar Ingi Magnusson, gegen die Beton-Abwehr Piotr Chrapkowski und Magnus Gullerud, gegen die DHB-Kollegen Philipp Weber und Lukas Mertens. „Ich habe eine riesengroße Portion Vorfreude“, sagt Steinert, „ich kenne das Final Four bisher nur als Fan.“

          Favoriten sind andere beim Handballfest in der Hansestadt; Magdeburg, der THW Kiel, im ersten Halbfinale (13.30 Uhr bei Sky) gegen den TBV Lemgo unterwegs. Die Erlanger stecken wieder mal in einer enttäuschenden Saison fest. Trainer Michael Haaß musste gehen, Sportdirektor Raúl Alonso übernahm. Aufwand und Ertrag stehen beim HCE in keinem Verhältnis. Steinert sagt: „Die Pokalsaison ist das komplette Gegenbeispiel zu dieser These. Leider haben wir in der Liga ein anderes Bild abgegeben.“ Der HCE besiegte Flensburg und Wetzlar, überstand Gummersbach im Viertelfinale.

          Was fehlt? „Wir müssen Kontinuität hinbekommen“, sagt Steinert. Es sei genug Qualität vorhanden. Für eine Gruppe mit Steinert, dem Schweden Simon Jeppsson, Regisseur Nico Büdel und einem ordentlichen Torwartgespann muss mehr möglich sein als unteres Mittelmaß. Jüngst horchte man auf, als Erlangen die Legende Olafur Stefansson als Mitglied des Trainerteams begrüßte.

          Für Steinert ist eine zentrale Rolle vorgesehen. „Ich soll hier viel Verantwortung tragen“, sagt er, auch mithelfen, junge Spieler aus dem Anschlusskader profireif zu machen. Er hat etwas Integratives, Empathisches, einer, den man gern dabeihat, außerdem spielt Steinert neben Rückraum auch Rechtsaußen, kann zudem prima decken.

          „Corona hat mich eingebremst“

          Da kommt einiges zusammen, was auch Bundestrainer Alfred Gislason gefiel – bei der EM im Januar spielte sich Steinert nach vorn, nachdem er schon 2013 debütiert hatte. „Alfred hat mir meine Rolle erklärt, und relativ viel hat gut funktioniert. Das hat er gut hinbekommen.“ Plötzlich DHB-Stammspieler. Steinert lacht. „Ich bin auf keinen Fall wie der Überflieger aus Bratislava zurückgekommen. Erstens hatten wir ja nicht so tolle Ergebnisse dort, zweitens hat mich Corona ganz schön eingebremst.“ Steinert brachte das Virus mit aus der Slowakei.

          Als er wieder spielte, sah er die Rote Karte gegen Flensburg, verletzte sich eine Woche später in Kiel böse und verpasste die nächsten Länderspiele. Abgehakt. Steinert sagt: „An mir sieht man, dass auch mit 32 oder 35 noch Entwicklung möglich ist. Die EM hat mir richtig Schwung gegeben.“ Beim HC Erlangen ist er nun der „Nationalspieler Steinert“ und wird im schönen Mittelfranken öfter auf der Straße erkannt.

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