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Schwimm-Kommentar : Letzte Hoffnung Staatsanwalt

Am Rande der Schwimm-WM wird in Budapest auch über Fina-Funktionär Husain al Musallam diskutiert. Bild: dpa

Ein Funktionär hofft im Schwimmverband Fina auf den Präsidentenstuhl – trotz Korruptionsverdachts. Das ist absurd, passt aber zur Strategie internationaler Sportverbände. Doch es gibt Hoffnung.

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          Dienstag: In Spanien wird der Präsident des heimischen Fußballverbands verhaftet, der zugleich Vizepräsident sowohl des europäischen Fußballverbandes Uefa als auch des Weltverbandes Fifa ist. Mittwoch: Die Tonband-Aufnahme von den Geldforderungen des Ersten Vizepräsidenten des Internationalen Schwimmverbandes Fina macht international Schlagzeilen; eines Mannes, den vor kaum einem Vierteljahr gemeinsam mit seinem kuweitischen Landsmann und Patron die amerikanische Justiz in Sachen Fußballkorruption als Mitverschwörer benennt.

          Und am Samstag dann: Dieser Erste Vizepräsident, Husain al Musallam, wird aller Voraussicht nach wiedergewählt werden. Denn Gegenkandidaten gibt es nicht, und die Vorwürfe werden bestritten. Und schon wird al Musallam weiter geduldig darauf warten dürfen, dass ihm der Fina-Präsident, seinerseits längst im neunten Lebensjahrzehnt, die Spitzenposition vermacht. Denn: Mit dem Schwimmen und der Fina habe all dies nichts zu tun, schließlich verhandele al Musallam in der Aufnahme, auf der er zehn Prozent des Sponsorengeldes „für uns“ verlangt, in seiner Funktion beim Olympischen Rat Asiens. Genauso wenig haben in der Betrachtung von Uefa und Fifa die Vorwürfe gegen Ángel María Villar Llona, seit Jahrzehnten Präsident des spanischen Fußballverbandes, etwas mit ihnen zu tun.

          Das ist abenteuerlich, das ist absurd, aber das ist tatsächlich, nach Dutzenden und Aberdutzenden Korruptionsfällen, die Verteidigungsstrategie internationaler Sportverbände: Mit dem eigenen Sprengel hat das alles so lange nichts zu tun, wie der Delinquent nicht vom Staatsanwalt mit den Händen in der Verbandskasse erwischt wird. Die gute Nachricht: Genau dies passiert immer öfter. Längst ist das Schneebrett, das mit den Ermittlungen des FBI gegen den vergangene Woche verstorbenen amerikanischen Fußball-Funktionär Chuck Blazer losgetreten wurde, zu einer Lawine geworden. Die Ermittlungen umspannen den Planeten, die Strafverfolgung in Sachen Sportkorruption ist globalisiert, werden in Paris Verfahren geführt und in Manhattan, in Brasilien und in Bern. Was den Funktionären selbst, unter eifrigem Beschwören der „Selbstheilungskräfte“ des Sports, kaum je gelingen wollte, glückt den Staatsanwälten: Wer sucht, der findet. Und wer sitzt, der plaudert. Das ist die gute Nachricht. Und für viele Verbände die letzte Hoffnung.

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