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Deutscher wird Weltmeister : „Eigentlich wollte ich nur ein bisschen Geld einsacken“

Der Sieger und sein Pokal: Mohammed Harkous gewinnt die Fifa-WM in London Bild: EPA

Klicks, Tricks und Nachos: Bei der „Fifa“-WM siegt völlig überraschend ein Deutscher. Werder-Spieler „MoAuba“ Harkous freut sich auf seine ganz eigene Weise – und gibt dann ein bemerkenswertes Statement von sich.

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          Den größten Erfolg seiner bisherigen Laufbahn beging Mohammed Harkous zunächst einmal im Stillen. Mit einer großen Packung Nachos in der Hand saß der 22 Jahre alte sogenannte „E-Sportler“ im Trikot von Werder Bremen auf dem Boden der Katakomben der Londoner Arena – dicht neben ihm der nur wenige Minuten zuvor gewonnene WM-Pokal. Am frühen Sonntagabend hatte sich der ursprünglich aus Bochum stammende Harkous zum ersten deutschen Weltmeister in der digitalen Fußball-Simulation „Fifa“ überhaupt gekürt und damit ein Preisgeld in Höhe von 250.000 Dollar sowie ein Auto gewonnen.

          Im konsolenübergreifenden Finale setzte er sich vor 17.000 Zuschauern nach einem 1:1 im Hinspiel auf der Xbox im Rückspiel auf der Playstation 2:1 gegen Mosaad Aldossary aus Saudi-Arabien durch. Zuvor hatte Harkous bereits im Halbfinale ein spannendes Elfmeterschießen für sich entscheiden können. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier gewinnen kann – unglaublich. Eigentlich wollte ich nur weit kommen und ein bisschen Geld einsacken“, sagte Harkous im Anschluss an die Siegerehrung im Konfettiregen – und stellte gemeinsam mit seinem Trainer Matthias Hietsch eine rauschende Partynacht in Aussicht.

          Ein deutscher Fußballprofi, der vom Sessel aus mit raffinierten Klicks und Tricks digitale Kicker zum Sieg führt und sich damit zum Weltmeistertitel zockt – damit haben sie wohl selbst beim Deutschen Fußball-Bund so schnell nicht gerechnet: Nicht einmal ein halbes Jahr ist es her, dass der DFB eine eigene, 22 Mann starke offizielle E-Nationalmannschaft gegründet und damit – entgegen zahlreicher Vorbehalte innerhalb des Verbandes – auf die allgemeine Begeisterung des sportlichen Gamings auch im deutschen Fußball reagiert hat.

          Volle Konzentration: Mohammed Harous (Zweiter von rechts) beim Finale der „Fifa“-WM

          So hatte Harkous bereits im Frühjahr im DFB-Trikot Deutschland gemeinsam mit seinem Bremer Teamkollegen Michael Bittner, der in London am Wochenende im Achtelfinale ausschied, bei der Team-Weltmeisterschaft der Fifa vertreten. Damals waren beide allerdings noch in der Vorrunde gescheitert. Am Sonntagabend twitterte der DFB dagegen freudetrunken auf seinem eigens eingerichteten „E-Football“-Account, Harkous hätte „abgeliefert“ – „wir sind stolz auf dich“. Am Montag legte der Verband mit einem offiziellen Glückwunschschreiben der Vizepräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball nach. Der „historische Erfolg“ werde dem „eFootball in Deutschland einen Schub verleihen.“

          Bei aller Freude der im Netz recht aktiven „Fifa“-Community steht allerdings auch fest, dass der digitale Fußball an der Konsole im professionellen Gaming-Kosmos bei Fans und Sponsoren weiterhin nur eine bedingt große Rolle spielt – was einige Teilnehmer der „Fifa“-WM vor allem mit der zurückhaltenden Vermarktung des Ausrichters sowie der ihrer Meinung nach zu geringen Höhe der Preisgelder in Verbindung bringen. So hatten vor dem Turnier gleich mehrere Spieler in den sozialen Netzwerken auf das angebliche Missverhältnis zwischen den ausgezahlten Prämien bei der WM sowie den Umsätzen, die der Spielehersteller EA Sports mit „Fifa“ erzielt, aufmerksam gemacht.

          Denn während bei Gaming-Turnieren, wie der Ende Juli beendeten Fortnite-WM sowie dem „Dota2“-Wettbewerb „The International“, Preisgelder von insgesamt bis zu 30 Millionen Dollar ausgezahlt werden und die jeweiligen Sieger mehr Geld einheimsen als Tennisstar Novak Djokovic für seinen diesjährigen Wimbledon-Sieg, ging es in London insgesamt um „lediglich“ 500.000 Dollar – wobei die Teilnehmer auf den Plätzen 17 bis 32 mit gerade einmal 750 Dollar abgespeist wurden. Auch Weltmeister Harkous hatte vor dem Turnier in einem Tweet indirekt darauf angespielt – stellte aber nach seinem Sieg klar, dass ein höheres Preisgeld ihm wohl nicht gut bekommen wäre: „Wenn es um drei Millionen gehen würde, dann würde mein ganzer Körper zittern.“

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