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Fernsehkritik : Unsere Experten

Fröhliche TV-Mumien voller Spannkraft Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Erst bleiben sie viel länger Sportler, als man früher Sportler war. Dann werden sie Fernsehexperten, grüßen wie das Murmeltier, werben für Käse oder Heizkessel - und wir werden sie bei den Olympischen Winterspielen in Turin nicht mehr los.

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          Die wirklich wichtigen Titel gibt es nur einmal. Also nicht Olympiasieger, die gibt es wie Sand am Meer. Sondern Papst. Oder König von Tonga. Oder: "ARD-Nordische-Kombination-Experte". Diesen Titel trägt Hans-Peter Pohl. Das heißt: Er trug ihn, bis Dienstag abend. Seitdem sind die Kombinierer fertig mit Olympia. Mit den Athleten in manchen Sportarten verschwinden nun auch die dazugehörenden Experten wieder vom Bildschirm.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          So dünnt das TV-Angebot von ursprünglich 16 offiziellen Experten nun bedrohlich aus. Dabei hat man sich so an sie gewöhnt. Jeder Mensch braucht Experten. Das Leben ist schon kompliziert genug. Und erst diese Winterspiele, mit all diesen Sportarten, die kaum einer von allein versteht.

          Schlaumeiertonfall

          Hans-Peter Pohl ist der perfekte Experte, deshalb hat ihn die ARD bei Eurosport abgeworben. Er sieht sympathisch aus, hat eine angenehme Stimme, vermag sich auch noch bei anfrierenden Gesichtsmuskeln verständlich zu artikulieren - wichtige Voraussetzung für den Job in der unbeheizten "Presenter-Position". Und vor allem: Er kennt sich aus, ohne dabei in diesen Schlaumeiertonfall zu geraten, den die Experten aus den üblichen Morgenmagazinen oder Polit-Talkshows so gern draufhaben. Dazu hat er auch noch eine Frisur, die mit den hell gefärbten Streifen im dunklen Schopf selbst bei grauer Witterung immer nach strahlendem Winter aussieht; so, als habe er gerade frischen Pulverschnee im Haar.

          Der unendliche Markus Wasmeier in Aktion
          Der unendliche Markus Wasmeier in Aktion : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Nicht alle sind sie solch perfekt aufmunternde Begleiter durch den grauen Wintertag. Der Schlickenrieder Peter (Langlauf) zum Beispiel sieht immer ein wenig zu gut gebräunt aus, was Neid erweckt. Nebenbei ist Schlickenrieder Vizepräsident des Deutschen Skiverbandes, also bestimmt nicht unparteiisch. Der Langen Christoph (Bob) klingt immer ein bißchen so, als mache hier der Stabsfeldwebel Meldung. Und doch, man muß sie einfach gern haben, die Experten, unsere Experten, denn wir bezahlen sie ja mit unseren Gebühren. Allerdings sind es ziemlich viele geworden.

          Man wird sie nicht mehr los

          Früher wurde bei Winterspielen vom Moderator im Studio gesagt, wo man nun hinschaltet, dann wurde dort hingeschaltet, dann sah man Sport. Später wurde vom Studio-Moderator gesagt, wo man nun hinschaltet, dann wurde dort hingeschaltet, dann stand dort jemand, der sagte, wo man nun hingeschaltet hat (der Außen-Moderator), dann sah man Sport. Heute sagt der Studio-Moderator, wo man nun hinschaltet, dann wird hingeschaltet, dann sagt der Außen-Moderator, wo man hingeschaltet hat, dann stellt er seinen Nebenmann vor, damit der sagt, wo man nun hingeschaltet hat und was nun zu erwarten ist, dann sieht man Sport.

          Früher dachten wir, jeder im Fernsehen wäre Experte. Heute wissen wir: Nur er, der dritte Mann, er ist der Experte. Ohne ihn könnte man unmöglich 19 Stunden Winterspiele am Tag senden. Man erkennt die Experten daran, daß sie anders als die Nicht-Experten am Mikrofon Werbeaufkleber für Milch, Käse oder Heizkessel auf der Thermojacke tragen. Und daran, daß man sie irgendwie von früher kennt, als sie noch keine Experten waren.

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