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Felix Neureuther : „Die Krise ist nur mit Leistung zu kontern"

  • Aktualisiert am

Slalomspezialist Neureuther: „man wird reifer und denkt ein bisschen mehr nach” Bild: Rauchensteiner

Der beste deutsche Skifahrer Felix Neureuther spricht im F.A.Z.-Interview über die Finanz-Krise im Skiverband, neue Trainer und seinen persönlichen Reifeprozess. Für die neue Saison hofft er auf seinen ersten Weltcupsieg.

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          Am kommenden Wochenende beginnt die alpine Skisaison mit den beiden Weltcup-Riesenslaloms in Sölden. Doch davor beherrschen die finanziellen Schwierigkeiten, in die der Deutsche Skiverband (DSV) wegen ungeklärter Fernsehrechte geraten ist, die Schlagzeilen. Deutschlands bester Skifahrer Felix Neureuther nimmt im F.A.Z.-Interview Stellung.

          Wie groß ist der Imageschaden vor allem für Ihre Sportart, deren Ruf ohnehin wegen fehlender Medaillen in den vergangenen Jahren gelitten hat?

          Es schadet vor allem der jungen Generation in allen Disziplinen. Ich denke, das ist nur mit Leistung zu kontern. Wenn man gut fährt, interessieren sich die Leute für deinen Sport und damit auch das Fernsehen.

          Die Weltcup-Athleten sind von den Sparmaßnahmen vorerst nicht betroffen und haben dem Verband Hilfe angeboten. Wie sieht die konkret aus?

          Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann etwa mal für einen Tag mit einer Jugendmannschaft zum Training auf den Gletscher fahren. So sehen auch die Jungen, dass man zusammenhält im Verband, dass es eine Familie ist. Oder man verzichtet auf ein paar Prämien vom Skiverband und gibt sie weiter an die Nachwuchsmannschaften.

          Sie haben in der vergangenen Saison im Slalom Ihre ersten Podestplätze erreicht. Was ist das Ziel für diesen Winter?

          Ich war schon Zweiter und Dritter, es fehlt noch ein Stockerl weiter oben. Der erste Platz wäre natürlich ein Traum. Ich habe mich im Slalom ziemlich gut in der Weltspitze etabliert und hoffe, dass ich mich noch mal steigern kann.

          Die Vorbereitung war nicht ganz einfach. Sie sind im August wieder auf die erst fünf Monate zuvor operierte Schulter gefallen und mussten eine Trainingspause einlegen. Wie sehr hat Sie das zurückgeworfen?

          Meine Schulter ist wieder ganz gesund. Ich bin körperlich fitter geworden und fühle mich gut. Mein Ziel ist, auch im Riesenslalom weiter vorn dabei zu sein.

          Da haben Sie in Sölden ja schon die erste Chance des Winters, als wohl einziger deutscher Starter am kommenden Sonntag. Sind Sie im zweiten Durchgang noch dabei?

          Wenn alles normal läuft, müsste ich das Finale erreichen. Ich bin gut drauf im Riesenslalom. Das Gefühl, das ich im Slalom habe, kommt auch in dieser Disziplin schön langsam.

          Und was ist mit Abfahrt und Superriesenslalom?

          Wenn ich mich in zwei Disziplinen vorn etabliert habe, dann kann man überlegen, ob man eine dritte oder auch vierte dazu nimmt. Wenn ich jetzt schon regelmäßig in den schnellen Disziplinen starten würde, würde das auf Kosten des Slaloms gehen.

          Wie kam es zu dieser Erkenntnis? Bisher hatte es Ihnen mit Abfahrt und Superriesenslalom nicht schnell genug gehen können.

          Stimmt, ich war eigentlich schon in Kitzbühel am Starthaus gestanden. Aber man wird eben reifer und denkt ein bisschen mehr nach.

          Auch darüber, wie der perfekte Skifahrer aussehen muss, was ihn ausmacht?

          Das sind verdammt viele Dinge. Früher war es vielleicht mal Alberto Tomba im Slalom und Riesenslalom. Jetzt vielleicht der Gesamtweltcupsieger Aksel-Lund Svindal oder Benjamin Raich. Die Konstanz von Raich ist schon beeindruckend.

          Vor ein paar Jahren galt Bode Miller als perfekter Skifahrer, als er innerhalb von gut zwei Wochen Rennen in allen vier Disziplinen gewonnen hatte.

          Er hat seinen eigenen Stil. Ich weiß nicht, ob er der perfekte Skifahrer ist. Er ist zuletzt schon verdammt oft ausgefallen.

          Dennoch war oder ist Bode Miller Ihr Vorbild. Sie haben mit ihm in diesem Sommer in Neuseeland trainiert. Was können Sie von ihm lernen, was er von Ihnen?

          Er kann sehr, sehr schnell sein. Wenn man mit ihm trainiert, ist das schon ein Anreiz. Im Slalom, denke ich, könnte er was von mir lernen. Nein, eigentlich ist es anmaßend zu sagen, Bode könnte etwas von mir lernen. Er hat schon so viel gewonnen in seiner Karriere.

          Können Sie auch beim Après-Ski noch was lernen von ihm? Bode Miller soll ja abends beim Biertrinken eine gute Kondition haben.

          Bode hat doch gesagt, dass er schon lange keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken hat. Ich weiß es nicht, wir waren abends nicht unterwegs in Neuseeland. Ehrlich.

          Vor dieser Saison hat sich im Trainerstab der Männer-Mannschaft einiges getan: Christian Scholz löste Werner Margreiter als Chefcoach ab, und Mario Weinhandl folgte Wolfgang Erharter als Slalomtrainer. Was hat sich für Sie geändert?

          Mario Weinhandl ist wirklich ein sehr, sehr guter Trainer und super professionell. Ich komme sehr gut mit ihm aus. Das ist eine richtig gute Zusammenarbeit. Mit dieser Konstellation bin ich sehr zufrieden.

          Wurde also in den vergangenen Jahren nicht so professionell gearbeitet?

          Da sind ein paar Sachen abgelaufen, die es so nicht hätte geben dürfen. Das war nicht so professionell. Aber das kann jetzt gar nicht mehr passieren.

          Sie gehören mit 23 Jahren zu den Ältesten im deutschen Männerteam. Fühlen Sie sich auch als Führungsfigur?

          Zu mir können alle kommen und mich fragen, und das machen sie auch. Ich hoffe, dass wir in Zukunft wieder ein großes Team sind, dass wir die anderen Nationen ärgern können und wieder respektiert werden. Das wäre schön, wenn wir das schaffen würden.

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