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Roger Federer : Ein unglaublich entspannter Typ

  • -Aktualisiert am

Stark wie lange nicht: Roger Federer Bild: Reuters

Es geht ihm gut, er fühlt sich fit, und es sieht so aus, als sei für seine unvergleichliche Karriere noch lange kein Ende in Sicht: Roger Federer spielt bei der Tennis-WM in London groß auf. Ab 21 Uhr kämpft er mit Landsmann Wawrinka um den Finaleinzug.

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          Roger Federer saß auf einem schmalen Stuhl, blinzelte ins Licht eines Scheinwerfers und konzentrierte sich auf den kurzen Text, den er in drei Sprachen vortragen sollte. Englisch, Deutsch und Schwyzerdütsch. „Hallo Stuttgart“, las er vom Teleprompter ab, „ich freue mich darauf, im Juni zum ersten Mal beim MercedesCup zu spielen. Ich hoffe, wir sehen uns im Weißenhof.“

          Aber er wusste sofort, dass da was falsch war. „Es heißt am Weißenhof.“ Stopp, zweiter Versuch. Diesmal klappte es, dafür kam er kurz mit den Weihnachtswünschen ins Stocken. Noch ein Versuch. Zwei Meter daneben stand der Stuttgarter Turnierdirektor Erwin Weindorfer und sah mit großer Freude, wie der Star seines Turniers in den beiden kommenden Jahren versuchte, die Aufgabe so gut und elegant wie möglich zu erledigen.

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          In diesem Jahr hatte Rafael Nadal Stuttgart bei der Rasenpremiere des traditionellen Turniers beehrt, und zum guten Schluss hatte er den Titel gewonnen. Ein perfekter Start. Federer sagt, er habe auch darüber nachgedacht, schon in diesem Jahr in Stuttgart zu spielen, aber dann habe er sich lieber ein wenig Zeit lassen und aus der Entfernung zuschauen wollen, wie sich die Lage im Schwäbischen entwickelt. Doch alle Nachrichten waren positiv, nun ist er sich sicher, und der Sommerplan für die beiden kommenden Jahre steht: Paris und dann drei Wochen auf Rasen in Stuttgart, Halle, Wimbledon.

          Als Federer nach den Olympischen Spielen in London gesagt hatte, er würde gern auch vier Jahre danach in Rio noch mal um Medaillen spielen, da hatte es leichte Zweifel gegeben, ob er wirklich so lange weitermachen würde, nun ist klar, dass er über Rio hinausdenkt. Aber ist das nicht angesichts des olympischen Termins, der den ohnehin schon vollen Kalender erweitert, ein ziemlich strammes Programm?

          Ein Ende seiner Karriere noch lange nicht in Sicht

          „Auf jeden Fall“, sagt er. „Man muss da sicher aufpassen. Muss schauen, dass ich dann nach Wimbledon sofort zur Ruhe komme. Da hab ich dann ja zwei Wochen. Aber anstatt dass man einen Aufbau macht, nimmt man sich dann mehr Zeit zur Erholung, bleibt im Rhythmus drin und geht dann vielleicht früh nach Toronto.“

          Es geht ihm gut, er fühlt sich fit, und es sieht so aus, als sei für seine unvergleichliche Karriere noch lange kein Ende in Sicht. Und es ist immer wieder eindrucksvoll, mit welcher Leichtigkeit und Zuwendung er sich auch auf dem Parkett der Pflichttermine bewegt. Gut eine Stunde dauerte die Tour für Stuttgart, nachdem er kurz zuvor auch sein drittes Spiel der Vorrunde bei den ATP Tour Finals in London gewonnen hatte.

          Roger Federer: Der Meister ist die Freundlichkeit in Person.

          Eine Stunde mit Kameras und weihnachtlichen Begrüßungstexten, geladenen Gästen in der Lounge, die darauf warten, ein Selfie machen zu dürfen – wer kann da schon widerstehen? – oder zumindest mit einem Autogramm abzuziehen. Der Meister ist die Freundlichkeit in Person, lacht, scherzt, lobt den Turnierdirektor für dessen Anzug und vermittelt allen das Gefühl, er mache das gern.

          Boris Becker hatte in diesem Jahr mal gesagt, Federer verstecke die wahren Gefühle wegen seines Images. „Ach, Becker hat wirklich keine Ahnung. Eigentlich müsste er mich gut genug kennen, um zu wissen, dass ich ein entspannter Typ bin“, hatte der Schweizer entgegnet. Viel entspannter jedenfalls kann man einen Pflichttermin wie die Stuttgarter Stunde in der O2 Arena kaum gestalten.

          Für das Turnier ist er, da gibt es keine Frage, ein Riesengewinn. Aber es hört sich auch so an, als habe er nicht lange überlegen müssen, um sich für zwei Jahre zu verpflichten. Er sagt, er spiele extrem gern in Deutschland, die Turniere seien immer wunderbar organisiert. „Halle hat es auf dem Rasen vorgemacht, wie man es machen soll, Stuttgart hat nachgezogen, das ist super für beide Turniere. Mit Halle habe ich eine unglaubliche Beziehung und werde dort bis zu meinem letzten Schweißtropfen spielen.“

          Die guten bilateralen Beziehungen führten oft zum Erfolg. In Halle gewann er acht Titel, in Hamburg vier, einen in München; das war 2003, zwei Monate bevor er dann den ersten goldenen Pokal in Wimbledon gewann. Stuttgart fehlt noch auf der Erfolgsliste, wobei er findet, da sei er entschuldigt, bei den ersten beiden Versuchen beim Hallenturnier anno 2000 und 2001 sei er ja noch ziemlich jung gewesen.

          Pause machen und nach Dubai ziehen

          Damals trug er noch Zopf und hätte sich nicht im Traum vorstellen können, dass er 17 Grand-Slam-Titel gewinnen, mit Frau und vier Kindern durch die Weltgeschichte reisen und auch nach vielen, vielen Jahren nicht die Lust an seinem Job verlieren würde. Der Plan für die Saison 2016 steht, die Saison 2015 dauert nur noch ein paar Tage. Dann wird er ein wenig Pause machen, danach nach Dubai ziehen, wo er sich wie fast in jedem Jahr in einem Trainingsblock auf das kommende Jahr vorbereiten wird.

          Das heißt, Weihnachten wird auch diesmal wieder ein wenig anders aussehen; keine Aussicht auf Schweizer Berge, sondern auf Hochhäuser und Palmen am Golf. Aber ein Familienfest wird es trotzdem sein. „Solange wir zusammen sind, ist alles gut“, sagt Federer. Unterm Plastikbaum? „Nein, die haben echte. Ich weiß aber nicht genau, welche Sorte das ist.“

          Dann muss er weiter. Noch ein paar Autogramme schreiben und mit fremden Menschen reden, die hinterher sagen werden, sie hätten da einen unglaublich netten Typen getroffen.

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