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Tennis in Halle : Die reife Leistung des Roger Federer

  • -Aktualisiert am

Gruß zum Schluss: Federer genießt die Ovationen in Halle. Bild: dpa

Alt-Meister Roger Federer gewinnt das Rasentennis-Turnier in Halle zum zehnten Mal. Der Schweizer wird in Ostwestfalen verehrt und kündigt an: „Vielleicht spielen wir alle noch bis 50.“

          Im Jahr 2000 kam Roger Federer das erste Mal ins beschauliche Halle in Ostwestfalen. Damals war er ein nur Insidern bekannter Schweizer Jung-Profi von 18 Jahren, der die Tennis-Welt erst noch aus den Angeln heben wollte. Er freute sich, mitspielen zu dürfen. 2019 könnte das Rasenplatz-Turnier auch Roger-Federer-Open heißen. Alles dreht sich um den Tennisspieler, der zu einer Sport-Ikone geworden ist, und der im Laufe seiner Karriere eine ganz besondere Beziehung zu den ehemaligen Gerry-Weber-Open eingegangen ist. Federer verbindet ein lebenslanger Vertrag mit dem Turnier, wirbt nicht nur mit seinen spielerischen Fähigkeiten für Halle, sondern auch als eine Art Markenbotschafter, der nicht müde wird, die Tennis-Idylle in Ostwestfalen zu loben. Wofür ihm wiederum die Ehre zuteil wurde, dass eine Straße nach ihm benannt worden ist.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Aus den Gerry Weber Open sind in diesem Jahr die Noventi Open geworden, nachdem der vom gleichnamigen ostwestfälischen Unternehmer gegründete Modekonzern in Insolvenz gegangen ist. Die Befürchtungen, dass der Tennis-Standort Halle mit dem wirtschaftlichen Niedergang des Mode-Imperiums des Tennis-Fans verschwinden würde, der über 100 Millionen Euro im Laufe der Jahrzehnte in sein Lieblingsprojekt investierte, haben sich nicht bewahrheitet. Das Turnier hat sich gerade dank Federer einen Stellenwert erarbeitet, dass es auch ohne die Zuschüsse von Gerry Weber finanziert werden kann. „Wir wollen noch 25, 30 Jahre lang hier Tennis veranstalten“, sagt Ralf Weber, Sohn des Firmengründers, Chef der Betreibergesellschaft und Lizenzhalter des ATP-Turniers.

          Die 27. Austragung des Rasenturniers ließ keine Zweifel an der Zukunft aufkommen. Mit fast 116.000 Zuschauern wurde ein neuer Zuschauerrekord aufgestellt, Fernseh-Präsenz und Medieninteresse waren so hoch wie eh und je. Und Roger Federer spielte Tennis, als wäre er nicht 37, sondern 27. In seinem 13. Endspiel in Halle, holte sich der als „Maestro“ verehrte Schweizer zum zehnten Mal den Titel. Nirgendwo anders war er häufiger erfolgreich.

          David Goffin, der im Viertelfinale die deutsche Hoffnung Alexander Zverev eliminiert hatte, erwies sich einen Satz lang als hartnäckiger Gegner, dann knickte er ein. Mit einem Doppelfehler ermöglichte er im zweiten Satz Federer das Break zum 2:0 und fand nicht mehr in die Partie zurück. „Zehn Spiele lang war David besser als ich“, zollte Federer gentleman-like seinem belgischen Widersacher Anerkennung. Beim Stand von 2:2 im ersten Satz hatte er drei Breakbälle nacheinander abwehren müssen. Mit Hilfe des Heimvorteils überstand er die knifflige Situation. In Halle steht das Publikum wie eine Wand hinter seinem Liebling. Ein Phänomen, das dem 20-maligen Grand-Slam-Gewinner sehr bewusst ist. „Ich habe das Gefühl, dass, wenn es wichtig wird, es bei mir so ein bisschen abwärts geht, also im guten Sinne wie beim Fahrrad fahren, und beim Gegner so ein bisschen aufwärts“, sagte der Schweizer zu der Unterstützung, die er in Halle in ganz besonderer Weise genießt.

          Als er den Matchball verwandelt hatte, badete Federer in den Ovationen der Zuschauer. Für das 7:6 (7:2), 6:1, das ihm den 102. Turniersieg seiner Laufbahn einbrachte, hatte er 1:23 Stunden benötigt. „Als ich 2000 das erste Mal hierherkam, habe ich mir nicht träumen lassen, dass ich hier zehn Mal gewinnen könnte. Unfassbar, es ist ein Riesenmoment meiner Karriere.“ Dem noch viele weitere folgen sollen. Den Zeitpunkt seines Rücktritts hält Federer weiter offen. Solange er Spaß hat und sein Körper mitspielt, will er weitermachen.

          Als nächstes großes Ziel steht Wimbledon an. In London möchte der Rasen-Spezialist in drei Wochen zum neunten Mal die Trophäe hochreißen. Die Form, die er bei der Generalprobe offenbarte, hebt ihn wieder in den engsten Favoritenkreis. Der Schweizer agierte in Ostwestfalen nicht so dominant, wie er es früher schon getan hat. Aber seine Fähigkeit, in den entscheidenden Momenten seine besten Schläge hervorzuzaubern, hob ihn über die Konkurrenz. Seine Gegner Tsonga, Bautista-Agut und Goffin hatten ihre Chancen gegen Federer, weil sie auf sehr hohem Niveau spielten. Aber am Ende waren es sie, die unter dem Druck zusammenbrachen und nicht der Alt-Meister.

          Auf körperliche Gebrechen des alten Schweizers dürfen die Jungen erst mal nicht hoffen. „Mein Körper hat wunderbar auf die Umstellung von Sand auf Rasen reagiert. Ich fühle mich sehr gut“, sage Federer Mitte der Woche. Bei der Siegerehrung am Sonntag meinte er launisch. „Vielleicht bin ich ja gar nicht so alt, vielleicht spielen wir alle noch bis 50.“

          Der Schattenmann: David Goffin bleibt chancenlos im Finale gegen Roger Federer.

          Mit „allen“ meinte Federer die anderen Spieler der Generation über 30, Nadal, Djokovic, Murray, Wawrinka und del Potro, mit denen er sich seit weit über einem Jahrzehnt herumschlägt. Dass die alte Garde noch nicht abgelöst ist, spreche nicht gegen die junge Generation, sagt Federer. „Die Jungen machen es auch ganz toll, ich hoffe sie bekommen auch den angemessenen Respekt dafür. Das Tennis ist mit ihnen in sicheren Händen, auch ohne mich und den anderen meiner Generation.“ In Halle wäre es ihnen jedoch lieber, Federer würde ewig weiterspielen.

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