https://www.faz.net/-gtl-168qu

Fedcup : Am Ende bleibt nur Leere

  • -Aktualisiert am

Trauer nach dem Doppel: Kristina Barrois (r) nimmt Andrea Petkovic in den Arm Bild: dpa

Die deutschen Tennis-Damen steigen nach nur einem Jahr wieder aus der Weltgruppe ab. Sie unterliegen im Relegationsspiel gegen Frankreich mit 2:3. Andrea Petkovic und Kristina Barrois verlieren das entscheidende Doppel.

          3 Min.

          Es war einmal ein deutsches Frühlingsmärchen. Es ist genau ein Jahr her, da hatte Sabine Lisicki die Topspielerinnen dieser Tenniswelt reihenweise geschlagen und mit ihrem ersten WTA-Turniersieg in Charleston eine deutsche Durststrecke beendet. Als neues „Fräuleinwunder“ und mutmaßliche Steffi-Graf-Nachfolgerin gefeiert, kehrte die Berlinerin flugs in ihre Heimat zurück, trat ein paar Tage nach ihrem Coup beim Fed Cup gegen China an und trug maßgeblich dazu bei, dass die Auswahl des Deutschen Tennis Bundes den Aufstieg unter die acht Mannschaften der Weltgruppe I schaffte. Zwölf Monate später, wieder in Frankfurt und wieder am letzten April-Wochenende, hüpfte Sabine Lisicki nicht mehr als Siegerin umher, sondern humpelte als Spitzenkraft a.D. enttäuscht über die Tennisanlage. Hatte die Zwanzigjährige ihre Teilnahme am letztlich verlorenen Erstrundenspiel in Tschechien noch von sich aus abgesagt, so war sie zweieinhalb Monate danach wegen eines ihres verletzten linken Sprunggelenks zum Zuschauen gezwungen. Sie habe durch ihre Anreise „einen ganz kleinen Beitrag leisten“ wollen, sagte die in der Weltrangliste am höchsten eingestufte Deutsche (Platz 42), die nach dem 2:3 im Relegationsspiel gegen Frankreich und dem damit besiegelten Abstieg des deutschen Teams als Trösterin gefordert war. „Nächstes Jahr kommen wir stärker zurück und zeigen’s allen“, sagte Sabine Lisicki nach ihrem sportlichen Nichtstun, das ihr in Brünn nicht schwergefallen war.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Von ihrem Platz an der Frankfurter Sonne musste die Berlinerin miterleben, wie sich an ihrer Stelle Andrea Petkovic zwar als sportliche Führungskraft profilierte, ein Frühlingsmärchen im Fed Cup mit ihren Kolleginnen jedoch nicht wiederholen konnte. Wegen ihrer Zweifach-Blamage von Brünn ein wenig hibbelig in die Begegnung mit den Französinnen gestartet, wurde die Darmstädterin ihrer Rolle als Nummer eins gerecht und steuerte im Abstiegskampf gegen Frankreich zwei Einzel-Punkte bei; was aber wenig nützte, weil sie nach den Siegen gegen Pauline Parmentier (6:3, 6:2) und Aravane Rezai (6:1,7:6 (7:2)) das entscheidende Abschlussdoppel mit Kristina Barrois verlor. Nach dem überaus deutlichen 3:6 und 1:6 gegen Julie Coin und Alizé Cornet und der Zweitklassigkeit flossen bei der deutschen Spitzenkraft reichlich Tränen. „Einzelne Momente waren schön“, sagte Andrea Petkovic, „aber am Ende fühle ich mich leer.“ Anders als der 49. der Weltrangliste fehlte ihren Kolleginnen das letzte Fünkchen Erfahrung, um gegen die Französinnen ihre Chancen zu nutzen. An Position zwei unterlag zunächst die Bad Saulgauerin Tatjana Malek der französischen Spitzenkraft Aravane Rezai 6:2, 3:6 und 0:6; tags darauf verlor Julia Görges (Bad Oldesloe) ihr erstes Fed-Cup-Einzel gegen Pauline Parmentier 6:7 (3:7) und 4:6. „Trotz der Niederlage haben sich alle Mädels gut verkauft“, sagte Bundestrainerin Barbara Rittner, die das Team nach ihrem Amtsantritt vor fünf Jahren zwar aus der Zweitklassigkeit geführt hatte, das ständige Auf und Ab aber nicht verhindern konnte. „Das Team wird zusammenbleiben, nächstes Jahr aufsteigen und übernächstes Jahr wieder angreifen“, sagte die deutsche Fed-Cup-Chefin.

          „Im Doppel hat uns die Erfahrung von Anna-Lena gefehlt“

          Am Wochenende hielt nur Andrea Petkovic dem Druck stand, der auf ihren breiten Schultern lastete. Voller Wucht und Konzentration dominierte die überzeugte Nationalspielerin ihre beiden Matches, und kleinere Rückschläge steckte sie nicht nur mit ihrem guten Service weg, sondern auch dank ihres neu gewonnenen Selbstvertrauens. Das tschechische Debakel rückte Schlag auf Schlag in weite Ferne. „Die Gefahr bestand, dass ich mich nach dem ersten Spiel entspanne, weil ich nicht mehr der Fed-Cup-Buhmann war“, sagte die aktuelle Frontfrau der deutschen Girl-Group. „Aber ich habe mich wieder aufgeputscht und jeden Punkt hundert Prozent gespielt.“ Barbara Rittner hingegen hatte nach dem ersten der beiden Fed-Cup-Einzelsiege ihrer Anführerin „den Stein plumpsen gehört“: „Ich freue mich für sie, weil sie sehr offen damit umgegangen ist und sich den Erfolg erarbeitet und verdient hat.“ Das deutsche Damentennis geht, nicht nur wegen des abermaligen Abstiegs, am Stock. Sabine Lisicki und Anna-Lena Grönefeld, laut Weltrangliste die Nummer eins und die Nummer drei Deutschlands, können sich bis auf weiteres nur mit Krücken bewegen. Die Nordhornerin, lange Jahre die Führungskraft im deutschen Fed-Cup-Team, laboriert an den Folgen eines Ermüdungsbruchs im linken Fuß und wird nach der nächsten Untersuchung am Dienstag erfahren, wann sie wieder ins Training einsteigen kann. Die Berlinerin muss sich länger gedulden, sie wird erst in zwei Wochen wissen, wann ihre Leidenszeit ein Ende hat. Mit ihrer Rückkehr täten sich die Einzelsportler nicht nur sich selbst auf der Profitour einen Gefallen, sondern auch dem deutschen Damenteam.

          „Im Doppel hat uns die Erfahrung von Anna-Lena gefehlt“, sagte Barbara Rittner nach dem Abstieg. Und wenn Sabine Lisicki ihr Talent künftig regelmäßig ins Team einbringt, dürfte der nächste Tennisfrühling wieder etwas freundlicher aussehen. „Wir werden stärker zurückkommen“, sagte Barbara Rittner, „das verspreche ich.“

          Weitere Themen

          HSV kann gegen Kiel nicht gewinnen

          2. Liga : HSV kann gegen Kiel nicht gewinnen

          Im Nordduell gibt es keinen Sieger. Der Hamburger SV ist zwar überlegen, setzt die Serie ohne Siege gegen Angstgegner Holstein Kiel aber fort.

          Mit guter Laune und langer Hose

          Beachvolleyball in Doha : Mit guter Laune und langer Hose

          Unter Druck denken selbst Sportfunktionäre manchmal um. Qatar lässt Beachvolleyballerinnen spielen, wie sie wollen. Prompt treten einige bedeckt an. Auch im deutschen Verband hat sich etwas getan.

          Unglücklich im Wind

          Fernfahrt Paris-Nizza : Unglücklich im Wind

          Die zweite Etappe der Fernfahrt ist zunächst von vielen Stürzen geprägt. In Massensprint positioniert sich die deutsche Hoffnung Pascal Ackermann unglücklich.

          Topmeldungen

          Arbeiten schon lange erfolgreich zusammen: der CDU-Vorsitzende Armin Laschet (links) und Nathanael Liminski (rechts)

          CDU-Vorsitzender : Laschets Vertraute

          Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident ist jetzt Bundesvorsitzender der CDU – und hat noch einiges vor. Auf wessen Rat hört er?
          Wer suchte den Kontakt zum Gesundheitsminister? Jens Spahn vergangene Woche im Bundestag

          Konsequenzen aus Masken-Affäre : Ein Kodex und Spahns heikle Liste

          Mit Verhaltensregeln und einem „Sanktionsregime“ will die Unionsfraktion auf die Vorwürfe gegen Nikolas Löbel und Georg Nüßlein reagieren. Für Unruhe könnte eine Ankündigung des Gesundheitsministers sorgen.
          Britische Zeitungen am Tag nach dem Interview.

          Harry und Meghan : Rassismus bei den Royals?

          Eine familiäre Seifenoper hat sich in eine kleine Staatsaffäre verwandelt. Wenn sich sogar Boris Johnson äußern muss, wurde tatsächlich eine „Atombombe gezündet“.
          Streitbarer Genosse: Wolfgang Thierse

          Streit über Thierse-Beitrag : Wie „verqueer“ ist die SPD?

          Im Streit über einen F.A.Z. Beitrag von Wolfgang Thierse zur Identitätspolitik hat die SPD-Vorsitzende versagt. In normalen Zeiten hätte eine souveräne Parteiführung zu einer Debatte auf neutralem Boden eingeladen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.