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Alexander Zverev : Eine neue Macht im deutschen Tennis

  • -Aktualisiert am

Bild: AFP

Bisher geht der Karriereplan auf: Alexander Zverev, 1,98 Meter groß und 18 Jahre alt, hat das Zeug dazu, die deutsche Nummer eins im Tennis zu werden. Dabei helfen auch Roger Federer und Andy Murray.

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          Er spielte auf Court 6, einem Platz mit einer kleinen Stahlrohrtribüne an einer der beiden Längsseiten, und auf dieser Tribüne drängelten sich die Zuschauer. Ganz hinten standen sie auf den Sitzen, um besser sehen zu können, und in der allgemeinen Begeisterung nach einem tollen Ballwechsel wackelte die Konstruktion. Alexander Zverev, den alle Sascha nennen, bekam davon nicht viel mit. Er war ausreichend beschäftigt, dieses Spiel der zweiten Runde Ende März des vergangenen Jahres bei den Miami Open gegen den Tschechen Lukas Rosol zu gewinnen, der weitaus größere Erfahrung hatte und in der Weltrangliste fast hundert Plätze besser stand als er.

          Die Aufschläge des jungen Deutschen schlugen krachend auf der anderen Seite des Platzes ein, scheinbar mühelos beschleunigte er das Spiel von der Grundlinie aus, seine Volleys wirkten entschlossen, und wenn sich die Chance zum Punktgewinn gab, dann schlug er zu. Die Leute auf der wackligen Stahlrohrtribüne fühlten sich bestens unterhalten vom tschechischen Routinier und von einem der besten, hoffnungsvollsten Teenager des Tennis.

          Deutschlands Alexander Zverev schlägt den Ball bei einer Trainingseinheit.

          Der Teenager, damals noch 17, verlor und war für den Rest des Nachmittags kaum noch ansprechbar. Was prinzipiell kein schlechtes Zeichen sein muss. Sich über eine Niederlage zu ärgern bringt mehr als nach dem Duschen zur Tagesordnung überzugehen. Sascha Zverev weiß, dass es für ihn noch viel zu lernen gibt in diesem Geschäft. Er weiß es auch deshalb, weil er aus einer Tennisfamilie stammt. Sein Vater, Alexander senior, spielte für die UdSSR im Davis Cup.

          Auch Mutter Irina kennt sich bestens aus, zusammen führten sie den älteren Sohn Mischa unter die Top 50 der Welt. Sascha war immer dabei. Die Brüder stehen sich auch jetzt noch sehr nahe. Sie wohnen zusammen während eines Turniers, sie trainieren miteinander, und wenn sie in unterschiedlichen Ecken der Welt unterwegs sind, dann telefonieren sie wie beste Freunde. Auch Mischa galt einst als Talent, aber diverse Verletzungen kamen der geplanten Karriere in die Quere. Alexander erlebte hautnah, was passieren kann. „Wenn du Pech hast“, sagt er, „dann kannst du sehr schnell wieder unten stehen.“

          Wie einst Nadal, Federer und Djokovic

          Mit dem Sieg beim Juniorenturnier der Australian Open hatte er sich 2014 aus der Nachwuchsabteilung des Tennis verabschiedet. Ein halbes Jahr später gehörte er bereits zu den besten 200 der Weltrangliste, im Mai vergangenen Jahres landete er unter den besten 100, zuletzt stand er auf Platz 56. Er ist einer von nur drei Teenagern, die dieser Tage zu den besten Hundert der Welt gehören, eingerahmt vom Kroaten Borna Coric (Nummer 38) und dem Südkoreaner Hyeon Chung (66), die beide 19 Jahre alt sind. Im Vergleich mit den achtziger und neunziger Jahren ist der Altersschnitt im Profitennis erheblich gestiegen. Mit 17, so wie einst Mats Wilander, Boris Becker oder Michael Chang, gewinnt keiner mehr ein Grand-Slam-Turnier.

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          In der Rangliste ist Zverev auf derselben Ebene zu finden wie Rafael Nadal, Roger Federer oder Novak Djoković im gleichen Alter. Aber alle, die deshalb viel erwarten, sollten auf Rückschläge, Umwege und zweite Versuche vorbereitet sein. Wird es schwierig sein, die Geduld auf dem Weg nach oben zu bewahren? „Da müssen alle jungen Spieler durch“, sagt Zverev. „Ich denke, wir machen es ganz gut für unser Alter, aber es gibt eine Menge Dinge, die wir verbessern müssen, um dann die Besten jeden Tag herausfordern zu können.“

          Offenbar sind auch diese Besten an der Weiterbildung der zweiten Garde interessiert. Zverev gehört zu den jungen Leuten, mit denen Roger Federer immer wieder trainiert, mit beiderseitigem Gewinn. Der eine checkt auf diese Weise die Zukunft, die anderen holen sich Tipps und Tricks und bauen Barrieren ab. Beim ersten gemeinsamen Training mit dem Schweizer war die Arbeit auf dem Platz nach 30 Minuten beendet gewesen, danach hatten sie noch eine Dreiviertelstunde auf der Bank gesessen und über dies und das geratscht.

          „Dann wird er ein richtiger Mann“

          Und auch Andy Murray leistete indirekt wertvolle Aufbauarbeit. Der Schotte hatte nichts dagegen, als die Familie Zverev vor zwei Jahren anfragte, ob Alexander mal mit Jez Green arbeiten dürfe, der damals als Fitnesscoach auf der Gehaltsliste des Schotten stand. Green hatte aus dem zunächst eher schwachbrüstigen Murray einen Athleten geformt, und genauso sieht die Zielsetzung nun auch im Team Zverev aus, zu dem Green seit mehr als einem Jahr offiziell gehört.

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