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Fed-Cup : Tennis mit Torte

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Ein Herz und eine Seele: Anna-Lena Grönefeld, Sabine Lisicki und Tatjana Malek haben gewonnen Bild: dpa

Bundestrainerin Barbara Rittner konnte dreifach Glückwünsche entgegen nehmen: am Samstag zum Geburtstag, am Sonntag für den 3:2-Erfolg gegen China, und am ganzen Wochenende für ihre Idee, die Play-off-Partie beim TC Palmengarten auszurichten.

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          Ohne Torte geht`s nicht am Tennis-Standort Frankfurt. Als Barbara Rittner zu ihrem 36. Geburtstag am Samstag den Kuchen überreicht bekam und sich auf dem Centre Court des TC Palmengarten ein kurzes Ständchen ihrer Spielerinnen anhören durfte, da wurden Erinnerungen wach an die gute alte Zeit, als sich die Augen der Sportwelt alljährlich auf Frankfurt richteten. Damals, in den neunziger Jahren, kamen die allerbesten acht Tennisherren in die Festhalle, um dort den ATP-Weltmeister unter sich auszuspielen. Und weil das Turnier der Stars immer rund um den 22. November stattfand, durfte sich Boris Becker mehrmals als Geburtstagskind feiern lassen.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die großen Zeiten, als der dreimalige Wimbledonsieger in Frankfurts guter Stube Kerzen auspustete, sind passé, für das deutsche Tennis ebenso wie für den Standort. Doch im kleineren Rahmen konnte Bundestrainerin Barbara Rittner immerhin dreifach Glückwünsche entgegen nehmen: am Samstag zum Geburtstag, am Sonntag für den 3:2-Erfolg im Fed-Cup-Aufstiegsspiel gegen China, und am ganzen Wochenende für ihre Empfehlung, die Play-off-Partie beim TC Palmengarten auszurichten. „Besser konnte es nicht laufen“, sagte die Damen-Bundestrainerin, die als aktive Spielerin oft in dem Klub trainierte und 1992 den Fed-Cup in Frankfurt gewann.

          Zwischen Hoffen, Bangen und Begeisterung

          An beiden Spieltagen war der Centre Court ausverkauft, auch wenn nicht alle der 1500 Sitzplätze letztlich belegt waren. Die Stimmung unter den Tennisfreunden war so, wie es sich für einen Länderkampf gehört: zwischen Hoffen, Bangen und Begeisterung bis zum entscheidenden Matchball um kurz nach 18 Uhr. „Vor dieser Kulisse hat es viel Spaß gemacht. Das hat Kräfte freigesetzt“, sagte Anna-Lena Grönefeld, die am Samstag gegen Shuai Peng gewann, am Sonntag gegen Jie Zheng verlor.

          Und auch Sabine Lisicki, bei ihrem ersten Auftritt nach dem Turniersieg in Charleston besonders herzlich begrüßt, lobte die Frankfurter Zuschauer über den grünen Klee: „Ein besseres Publikum kann man sich nicht wünschen.“ Ihr erstes Fed-Cup-Heimspiel konnte Sabine Lisicki aber nur zur Hälfte genießen. Nach ihrem Auftaktsieg am Samstag konnte die Neunzehnjährige tags darauf wegen Erschöpfung nicht zum vierten Einzel antreten. Viele Zuschauer schienen enttäuscht, die neue deutsche Tennishoffnung nicht aus der Nähe sehen zu können; immerhin an ihrem Doppel-Erfolg an der Seite von Anna-Lena Grönefeld konnten sich die Besucher, darunter Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel, ein wenig erfreuen.

          „Offenbar hat sogar die Stadt den Palmengarten für sich entdeckt“

          Die Zeit war knapp - nicht nur für Sabine Lisickis Regeneration, sondern auch zuvor für den TC Palmengarten. Nach dem Sieg der deutschen Fed-Cup-Damen im Februar in Zürich und dem Zuschlag kurz darauf blieben dem Frankfurter Klub nur wenige Wochen, um sich und die Stadtoberen auf das Ereignis einzustellen. Mit Erfolg: „Offenbar hat sogar die Stadt den Palmengarten für sich entdeckt“, sagte Dirk Hordorff, Präsident des Hessischen Tennisverbandes. Peinlich nur, welcher Fehler Oberbürgermeisterin Petra Roth in ihrem Grußwort unterlief: Bei der Aufzählung der drei Termine, an denen Frankfurt den Fed-Cup ausrichtete (1992, 1993, 1994), vergaß das Büro Roth den vierten: Auch 1997 traten deutsche Tennisdamen am Waldstadion an.

          Gewagt und gewonnen hatte hingegen der Deutsche Tennis Bund (DTB), der zuletzt wenig Glück hatte mit seinen Austragungsstätten im Fed-Cup. Beim vorletzten Heimspiel vor drei Jahren war das Provinzstädtchen Ettenheim gerade gut genug, zwölf Monate später wählte der DTB eine größere Stadt aus, doch in Fürth blieben die Tribünen ziemlich leer. Beim TC Palmengarten stimmte alles - bis auf die Infrastruktur. Weil der DTB allzu wenige Parkplätze angemietet hatte, kam es an beiden Tagen zum kleinen Verkehrschaos am Berkersheimer Weg, bis die Autofahrer letztlich das naheliegende Wohngebiet zuparkten. „Immer noch besser, als wenn die wenigen Parkplätze an der Anlage leer gestanden hätten“, sagte Hordorff, dem als Tennisfunktionär der große Andrang sehr gelegen kam. Dass es auf dem Centre Court des TC Palmengarten auch eher eng ist, fand Anna-Lena Grönefeld gemütlich: „Ich mag es, wenn die Zuschauer nah dran sind am Spiel.“ Weniger erfreulich für hessische Ohren war der Wunsch, den die Nordhornerin nach dem Sieg äußerte: „Jetzt hoffe ich, dass wir demnächst in einem größeren Stadion spielen.“ Bis auf weiteres ist in Frankfurt wieder Schluss mit Tennis und Torte.

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