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Duell mit Russland : Wer soll im Fed Cup spielen?

  • -Aktualisiert am

Das Fed-Cup-Team (von links): Angelique Kerber, Andrea Petkovic, Julia Görges, Sabine Lisicki und Teamchefin Barbara Rittner Bild: dpa

Eigentlich galten die deutschen Tennis-Damen gegen Russland als krasser Außenseiter. Doch vor dem Duell an diesem Wochenende sind Kerber, Lisicki und Petkovic in Top-Form. Teamchefin Rittner hat die Qual der Wahl.

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          Bringt er nicht immer wieder alles durcheinander, der Frühling mit seinen blühenden Ideen? An diesem Wochenende wird die deutsche Mannschaft mit Andrea Petkovic, Angelique Kerber, Sabine Lisicki und Julia Görges in Sotschi gegen Russland im Fed Cup um den Einzug ins Finale spielen. Noch vor ein paar Wochen hatte es so ausgesehen, als sei die Aufgabe gegen ein starkes russisches Team mit Maria Scharapowa angesichts der Krise der deutschen Kandidatinnen vielleicht eine Nummer zu groß, aber inzwischen sieht die Sache deutlich freundlicher aus.

          Andrea Petkovic stand in Miami und Charleston im Halbfinale, Sabine Lisicki hatte in Indian Wells und Miami phasenweise so gut gespielt wie sonst nur in Wimbledon, und nun bringt Angelique Kerber den vierten Titel ihrer Karriere als Empfehlung aus Charleston mit. Überglücklich nach dem Ende einer Talfahrt, bei der sie fast das Gefühl verloren hatte, wie gut sie wirklich spielen kann.

          Schwer zu sagen, wann bei ihr genau aus kleinen Zweifeln große geworden waren; ob nach den vier verlorenen Endspielen im vergangenen Jahr, nach dem wenig überzeugenden Auftritt beim Fed-Cup-Finale in Prag oder erst nach einer Reihe von Niederlagen in den ersten Wochen 2015. Mitte Februar war Kerber aus den Top Ten gefallen, zu denen sie bis dahin fast drei Jahre lang gehört hatte. Weil sie das Gefühl hatte, irgendwas ändern zu müssen, ohne genau erklären zu können, wo das Problem lag, trennte sie sich von ihrem Coach Benjamin Ebrahimzadeh und bat dessen Vorgänger Torben Beltz, sie auf der anstehenden Amerikatournee zu begleiten.

          Stark in Miami: Sabine Lisicki (links) verlor nur knapp gegen Serena Williams.
          Stark in Miami: Sabine Lisicki (links) verlor nur knapp gegen Serena Williams. : Bild: AFP

          Nach einer weiteren Niederlage in der ersten Runde in Indian Wells Mitte März wirkte sie ratlos, planlos und sichtlich angeschlagen. Doch die frühe Niederlage gab ihr Zeit. Sie fuhr noch mal mit Beltz und ihrem Physiotherapeuten nach Las Vegas, wo Stefanie Graf lebt, die für ihren langjährigen Vertragspartner Adidas regelmäßig deutschen Spielerinnen mit Rat und Tat weiterhilft. „Steffi hat mir sehr geholfen, sie war total entspannt, und ich bin endlich wieder zur Ruhe gekommen“, berichtete Angelique Kerber danach. „Ich habe gut trainiert, und ich weiß wieder, dass ich gegen die Besten spielen und auch gewinnen kann – egal, ob es sich diese Woche zeigt, nächste oder irgendwann.“

          Autogramme von Angelique Kerber sind nach ihrem Turniersieg in Charleston wieder heiß begehrt.
          Autogramme von Angelique Kerber sind nach ihrem Turniersieg in Charleston wieder heiß begehrt. : Bild: AP

          Am folgenden Tag verlor sie in drei Sätzen gegen Swetlana Kusnezowa, aber trotz der Niederlage war zu erkennen, dass sich etwas geändert hatte. Sie traute sich wieder mehr zu, sie lamentierte nicht mehr nach jedem Fehler, und sie zog Schlüsse, die sich als wertvoll erweisen sollten. „Beim nächsten Mal werde ich, auch wenn es eng wird, weiter alles riskieren“, sagte Angelique Kerber: „Entweder ich gewinne dann, oder ich verliere, aber ich will es selbst entscheiden.“

          Und genau so spielte sie schließlich in Charleston. Beim Halbfinal-Sieg gegen Andrea Petkovic wich sie in schwierigen Situationen nicht zurück, ebenso wenig im Finale gegen Madison Keys (6:4, 4:6, 7:5). Selbst beim Rückstand von 1:4 im dritten Satz spielte sie volle Kraft voraus, am Ende lag sie platt und glücklich im grünen Sand, und als sie wieder auf den Beinen war, galt der erste Dank dem bärtigen langen Kerl mit Baseballkappe auf der Tribüne, Torben Beltz.

          Verbissen: Andrea Petkovic stand zuletzt zweimal im Halbfinale.
          Verbissen: Andrea Petkovic stand zuletzt zweimal im Halbfinale. : Bild: AP

          Und deshalb wird die Sache jetzt in Sotschi richtig spannend. Andrea Petkovic ist weiter die Nummer eins des Teams, aber wer wird die Nummer zwei sein? Noch vor einer Woche hätte Sabine Lisicki die besseren Karten gehabt, aber das lässt sich nun nicht mehr sagen – das Rennen ist offen.

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