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Abstiegskampf im Fed Cup : Die Sorgen des deutschen Frauen-Tennis

  • -Aktualisiert am

Angelique Kerber fehlt den deutschen Frauen beim Duell mit Lettland. Bild: dpa

Mit einem Durchschnitt von mehr als 30 Jahren gehören die deutschen Frauen im Fed Cup zu den ältesten Teams. Die Statistik verdeutlicht eine Sorge des deutschen Tennis. Und die Aussichten machen kaum Mut.

          Die Bestätigung kam Mittwoch-Mittag, und sie kam nicht überraschend. Wegen einer Grippe wird Angelique Kerber nicht dabei sein, wenn das deutsche Fed-Cup-Team am Freitag (Beginn 15.00 Uhr bei DAZN) und am Samstag in Riga gegen Lettland um den Verbleib in der Weltgruppe spielt. Als Kapitän Jens Gerlach vor ein paar Tagen Mona Barthel nachnominierte, hatte sich die Entwicklung schon angedeutet; Barthel war nach einem Anruf schnell in den Flieger gestiegen, und sie gehört nun ebenso zur Mannschaft wie Julia Görges, Andrea Petkovic und Anna-Lena Grönefeld. Damit müssen beide Tennis-Teams ohne ihre Nummer eins auskommen, denn schon zu Beginn der Woche hatte der lettische Kapitän Adrians Zguns im Rahmen eines PR-Termins bekanntgegeben, Anastasija Sevastova werde wegen einer Rückenverletzung nicht dabei sein.

          Ein harter Schlag für ihn und die junge Truppe, denn ohne die aktuell Beste des Landes, Nummer 13 der Welt und Halbfinalistin der US Open im vergangenen Jahr, sieht die Sache für die Letten nicht verheißungsvoll aus. Nun wird aus ihrer Sicht vieles davon abhängen, wie Jelena Ostapenko in Form ist. Ostapenkos Bilanz der ersten Monate dieses Jahres ist eher mittelprächtig. Der letzte bessere Auftritt – Halbfinale in Wimbledon 2018 – liegt eine Weile zurück, jener große Coup mit dem Titelgewinn bei den French Open 2017 noch viel länger. Aber vielleicht zählt das in dieser Woche in der modernen, 11.000 Zuschauer fassenden Arena weniger als die Tatsache, dass Jelena Ostapenko den Leuten ihrer Heimatstadt beweisen möchte, was sie draufhat.

          Sie ist nach Sevastovas Ausfall die Einzige ihres Teams mit nennenswerter Erfahrung. Die Nummer zwei, Diana Marcinkevica, steht in der Weltrangliste auf Platz 267, Daniela Vismane steht auf 645. Die Jüngste der Mannschaft, Patricija Spaka, ist 16 Jahre alt, auch das ein Gegensatz zu den Deutschen, die mit einem Schnitt von mehr als 30 Jahren zu den ältesten Mannschaften im Fed Cup gehören.

          Die langjährige Fed-Cup-Teamchefin und aktuelle Chefin des deutschen Frauentennis, Barbara Rittner, sieht diese Entwicklung mit einiger Sorge. Aus dem sogenannten „Talent-Team“ der Generation nach Kerber, Görges und Petkovic setzte sich bisher keine Spielerin dauerhaft durch, und bis die Talente der Jahrgänge 2002 bis 2004 nachrücken können, wird einige Zeit vergehen. „Ich kann nur hoffen, dass die jetzige Generation noch zwei bis vier Jahre spielt und nicht nächstes Jahr nach den Olympischen Spielen in Tokio sagt: Danke, das war’s“, sagte Rittner zu Beginn des Jahres bei den Australian Open.

          Und man kann die Sache drehen und wenden, wie man will: Die Aussichten der großen Generation auf einen Triumph im Fed Cup wirkten schon mal vielversprechender. Der letzte der beiden deutschen Titel im wichtigsten Mannschaftswettbewerb des Frauentennis stammt aus dem Jahr 1992; vor fünf Jahren erreichte die Mannschaft das einzige Finale nach dem Titelgewinn, verlor aber in Prag deutlich gegen Seriensieger Tschechien. In der ersten Runde 2019 nahmen sich Angelique Kerber und Julia Görges wie im vergangenen Jahr eine Auszeit, und ohne die beiden Besten wurde die Partie beim 0:4 gegen Weißrussland in Braunschweig eine eindeutige Angelegenheit.

          In einem Interview mit dem „Tennis-Magazin“ beantwortet der Präsident des Deutschen Tennis Bundes, Ulrich Klaus, ob Spiele der ersten Runde nicht auch für die Besten Pflichttermine sein sollten, so: „Das müsste schon ein Pflichttermin sein, aber wir können keinen zwingen. Ich fürchte, wir müssen uns damit abfinden, dass es bei ihnen auch andere Interessen gibt.“ Also spielt die deutsche Mannschaft zum dritten Mal in vier Jahren anstatt im Halbfinale und später vielleicht im Finale in der Play-off-Runde, in der Partie um den Klassenverbleib in der Weltgruppe. Mit der Hoffnung auf den nächsten Versuch in Sachen Fed Cup im kommenden Jahr.

          Die Spiele am Freitag

          Die Auslosung sorgte für das Eröffnungseinzel zwischen Andrea Petkovic und Jelena Ostapenko. Die Gastgeber hoffen auf zwei Einzelerfolge der einstigen French-Open-Siegerin Ostapenko, um dann im Doppel am Samstag noch alle Chancen auf den erstmaligen Aufstieg zu haben. Sollte Petkovic gewinnen, könnte Julia Görges danach gegen die Weltranglisten-267. Diana Marcinkevica schon für einen beruhigenden 2:0-Vorsprung sorgen. Möglicherweise muss Görges aber auch zunächst einen Rückstand aufholen, denn Petkovic konnte Ostapenko bislang noch nicht schlagen. 2016 in Doha gab die Darmstädterin auf, im Vorjahr unterlag sie der 21-Jährigen in der ersten Runde der US Open – allerdings nur knapp mit 5:7 im dritten Satz. Ostapenko ist nach schwächeren Leistungen und einer Verletzung derzeit die Nummer 29 der Welt, Petkovic die Nummer 71. (dpa)

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