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Rittner über Scharapowa : „Wer gedopt hat, darf keine Wildcard erhalten“

  • -Aktualisiert am

Startet in Stuttgart – was nicht jedem gefällt: Die wegen Dopings gesperrte Maria Scharapowa steht kurz vor ihrem Comeback Bild: AFP

Die wegen Dopings gesperrte Maria Scharapowa erhält für das Tennisturnier in Stuttgart ein Freilos. Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner hält das für falsch. Im Interview spricht sie auch über die Probleme der Deutschen.

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          Nach der deutlichen Niederlage Ihrer Mannschaft Anfang Februar auf Hawaii gegen die Vereinigten Staaten sagten Sie, Sie müssten erst mal alles sacken lassen. Sind Sie seither zu neuen Erkenntnissen gekommen?

          Es ist inzwischen klar, dass wir eine Riesenchance vertan und dass wir gegen kein gutes amerikanisches Team verloren haben.

          Die Ergebnisse Ihrer Kandidatinnen für das Play-off-Spiel am 22./23. April in Stuttgart gegen die Ukraine hörten sich zuletzt auch nicht allzu verheißungsvoll an. Angefangen bei Angelique Kerber, die in diesem Jahr bisher nie so spielte wie im vergangenen Jahr, über Andrea Petkovic bis hin zu Laura Siegemund.

          Nein, es läuft gerade nicht rund. Mit Ausnahme von Julia Görges, die konstant gut ihr Level spielt, ist der Wurm drin.

          Kerbers Probleme durch die Belastungen des Nummer-1-Status sind in gewisser Weise nachvollziehbar; aber wie groß sind die Sorgen, die Sie sich um Petkovic machen, die seit Wochen in einer Krise steckt, was sich auch in Miami bei einer Niederlage in der ersten Runde zeigte?

          Ich weiß gar nicht, wie ich es nennen soll, aber sie muss irgendeinen Weg finden, sich wieder zu entspannen. Ich habe seit letztem Jahr in Wimbledon viel versucht und geredet in dem guten Glauben, man kann helfen und es kommt an. Die Trainingsleistungen sind gut, das hört man von allen Seiten. Aber im Match verkrampft sie völlig, das habe ich hautnah in Hawaii erlebt. Das war schlimm, für mich und für sie. Und es wird immer verkrampfter.

          Wäre es aus Ihrer Sicht eine Option, wenn Petkovic von sich aus sagen würde, spielt bitte mal eine Runde im Fed Cup ohne mich?

          Nein. Hilfreich war das Gespräch, was wir hier in Miami hatten. Aber wenn in den nächsten zwei Wochen nichts Außergewöhnliches passiert, wird sie im April in Stuttgart nicht dabei sein. Das habe ich in Hawaii schon gesagt, in dieser Verfassung, ohne Selbstvertrauen, kann sie ihrer Rolle als Sprecherin des Teams und Einzelspielerin, die einen Punkt holen will, nicht gerecht werden. Sie sagt ja immer, sie steht zur Verfügung, aber da muss man sie vielleicht auch vor sich selbst schützen.

          Grundsätzlich kann sie sich nur selbst helfen, oder?

          Ja. Aber irgendwie ist sie in einem Zustand, in dem sie es für sich selbst nie richtig machen kann. Sie verzweifelt gerade an sich selbst, aber alle, die ihr helfen wollen, verzweifeln auch an der Situation. Ich bin da mit meinem Latein im Moment am Ende.

          Wer zeichnet sich dann für das Team im April zum Spiel um den Klassenverbleib ab? Angelique Kerber ist sicher klar und Julia Görges, die Sie schon erwähnten. Auch Carina Witthöft, die schon auf Maui dabei war?

          Klar noch nicht, aber es gibt sicher eine Tendenz. Zum einen deshalb, wie sich Carina in Hawaii präsentiert hat und für die Mannschaft da war, und auch, wie sie danach gespielt hat. Sie ist auf jeden Fall in einem Aufwärtstrend, und es macht unheimlich Spaß, mit ihr zu arbeiten. Aber genauso ist Mona Barthel im Aufwärtstrend. Auch Annika Beck spielt wieder besser.

          Klare Meinung: Barbara Rittner findet deutliche Worte zum Zustand des deutschen Fed-Cup-Teams und der Diskussion um Maria Scharapowa
          Klare Meinung: Barbara Rittner findet deutliche Worte zum Zustand des deutschen Fed-Cup-Teams und der Diskussion um Maria Scharapowa : Bild: dpa

          Und Laura Siegemund?

          Laura hat zuletzt nicht viel gewonnen. Aber da muss man schauen, wenn sie jetzt wieder auf Sand spielen kann, wie wohl fühlt sie sich dann? Vielleicht spielt sie nächste Woche in Charleston wieder gut, und sie hatte ja letztes Jahr in Stuttgart immerhin das Finale erreicht. Es gibt so viel Für und Wider..

          Ein Blick über das Fed-Cup-Wochenende hinaus. Wie stellt sich aus Ihrer Sicht die Situation beim Porsche Grand Prix dar? Die eine Wildcard, die Maria Scharapowa bekommen wird, fehlt ja quasi den Spielerinnen Ihres Teams, von denen nur Kerber für das Hauptfeld qualifiziert sein wird.

          Dass das Turnier Maria Scharapowa eine Wildcard gibt, ist verständlich; damit hast du die Aufmerksamkeit. Für uns ist das natürlich eine bescheidene Situation, denn es werden auf jeden Fall Spielerinnen im Fed-Cup-Team stehen, die dann beim Turnier nicht dabei sein können.

          Das gefällt Ihnen vermutlich nicht…

          Da könnte man jetzt ganz plump und trocken sagen, sollen sie halt besser spielen und in der Weltrangliste höher stehen, dann kommen sie auch rein; das ist von außen betrachtet sicher ein Argument. Aber aus der Sicht einer deutschen Teamchefin ist das natürlich traurig und schade. Das Turnier wird dagegen so viel Aufmerksamkeit haben wie noch nie, und zwar weltweit, nicht nur regional.

          Wie hätte man aus Ihrer Sicht mit dem Fall Scharapowa umgehen sollen?

          Meiner Meinung nach hätte sie bei null, bei den ganz kleinen Turnieren wieder anfangen müssen. Aber dann haben sie bei der WTA (Dachorganisation des Frauentennis, die Redaktion) ja Angst vor zwei Sachen: Die erste Angst ist, dass Maria gar nicht mehr spielt, weil sie sich diese Tortur nicht antun will. Und die zweite Angst ist, dass es zu lange dauert, bis sie wieder hochkommt und sie die Lust verliert. Ich finde, da ist eine Lücke im Regelwerk. Jemand, der gedopt hat, dürfte keine Wildcard mehr bekommen.

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