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Fechterin Carolin Golubytskyi : Expertin von außerhalb

Zurück in der Weltklasse: Carolin Golubytskyi Bild: Picture-Alliance

Florettfechterin Carolin Golubytskyi sticht beim Weltcup in Tauberbischofsheim als Solistin und im Team. Die Skandale lässt sie nicht an sich heran.

          2 Min.

          Manchmal ist es ja durchaus von Vorteil, nicht allzu nah dran zu sein. So hat Carolin Golubytskyi die Turbulenzen in Tauberbischofsheim mit Trainer-Entlassung und Missbrauchsvorwürfen vornehmlich aus der Ferne betrachtet – wenn sie überhaupt hingeschaut hat. Auf Anfrage teilte sie mit: „Ich bin die meiste Zeit in Amerika und bekomme daher fast nichts mit.“ Deutschlands beste Florett-Fechterin ist zwar in Bad Mergentheim geboren und im Main-Tauber-Raum groß geworden, trainiert aber in Kalifornien bei ihrem Ehemann Sergej, der dort eine Fechtschule betreibt.

          Achim Dreis
          (ad), Sport

          An diesem Wochenende war die 31-Jährige nun mal wieder in der Heimat aktiv, allerdings weniger, um sich auf den neuesten Stand der Skandal-Chronik bringen zu lassen, sondern um sich beim Weltcup-Turnier mit ihrer Waffe als hieb- und stichfest zu erweisen. Und die Reise zurück zu ihrem Heimverein hat sich absolut gelohnt für die Sportsoldatin, die sich nach einer längeren Durststrecke in der Weltspitze zurück meldete. Im Einzel-Weltcup belegte sie am Samstag den dritten Rang. Im Teamwettbewerb kletterte sie am Sonntag gemeinsam mit dem Tauberbischofsheimer Trio Leonie Ebert, Anne Sauer und Eva Hampel sogar noch eine Stufe höher auf dem Siegertreppchen.

          Zweite im Team, Dritte als Solistin

          „Ich habe wieder so gefochten, wie ich es kann. Der dritte Platz war für das Selbstvertrauen wichtig“, sagte die WM-Zweite von 2013 über ihre Einzel-Leistung. Erst im Halbfinale unterlag sie Doppel-Weltmeisterin Arianna Errigo aus Italien, gegen die sie schon 2013 im WM-Finale unterlegen war. Den Tagessieg sicherte sich die Amerikanerin Lee Kiefer, die Errigo hauchdünn 15:14 besiegte.

          Auch am Sonntag war für Golubytskyi und Co erst gegen die Italienerinnen Endstation, im Finale unterlagen sie mit 33:45. Zuvor hatte das deutsche Quartett im Viertelfinale mit 45:33 gegen die starken Amerikanerinnen gewonnen und im Halbfinale sogar Weltmeister Russland mit 41:39 bezwungen. Auf Facebook wurde Carolin Golubytskyi danach mit Glückwünschen überhäuft, häufig auch mit dem Zusatz „unter diesen Umständen“ versehen.

          Trainerentlassung und Missbrauchsvorwürfe

          Die vergangenen Monate waren durchaus schwierig zu bewältigen. Bei den für die deutschen Fechter medaillenlos gebliebenen Olympischen Spiele von Rio war Carolin Golubytsky die einzige Deutsche, die sich mit dem Florett überhaupt qualifiziert hatte, aber verletzungsbedingt früh ausgeschieden. Anfang des Jahres hatte dann die Entlassung von Bundestrainer Andrea Magro, der beim FC Tauberbischofsheim angestellt war, aber vom Deutschen Fechter-Bund (DFeB) zu drei Vierteln bezahlt wurde, für stark-negative Emotionen gesorgt.

          Die Florett-Fechterinnen um Teamsprecherin Anne Sauer hatten sich für den Verbleib des Italieners ausgesprochen, aber kein Gehör gefunden. Sie wurden sogar mit anwaltlichen Schreiben vom Verband zum Schweigen angehalten. Magro klagte gegen seine Kündigung, ein erster Gütetermin vor Gericht endete freilich ergebnislos. Sein Landsmann Giovanni Bortolaso wurde zwischenzeitlich als Interimslösung engagiert. Bis zur Heim-WM im Juli in Leipzig soll er vor allem Ruhe ins Team bringen – schnelle Erfolge werden angeblich nicht erwartet.

          Noch schwerer wiegt freilich der zweite Stresstest für das einstige Idyll in Tauberbischofsheim. Mehrere Fechterinnen beklagten sexuelle Belästigung durch einen Trainer und gingen Anfang April damit an die Öffentlichkeit. Dem namentlich nicht genannten Trainer wurde gekündigt, der nationale Verband fordert rasche Aufklärung und setzte eine Taskforce ein. Näheres ist bislang nicht kommuniziert worden. „Bin weit weg vom Schuss“, lautet der lakonische Kommentar von Carolin Golubytskyi, die sich in ihrer Rolle als Außenstehende durchaus wohl zu fühlen scheint.

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