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Athletensprecher Hartung : „Derzeit unverantwortlich, hohe Medaillenziele zu setzen“

Nach dem frühen Aus in Rio betrübt: Säbelfechter Max Hartung Bild: dpa

Max Hartung, einer der letzten erfolgreichen deutschen Fechter und Athletensprecher, äußert sich im F.A.Z-Interview über Leistungssport und Studium, Geld und Förderung.

          Max Hartung war 2014 Weltmeister mit dem deutschen Säbel-Team und gewann 2015 als Solist WM-Bronze. Parallel zu seiner Leistungssportkarriere studiert der 26-Jährige seit 2013 in Friedrichshafen Soziologie, Politik und Wirtschaft. Zudem engagiert er sich als Athletensprecher im DOSB und im deutschen Fechter-Bund.

          Wo steht das deutsche Fechten nach Rio und vor dem langen Weg in Richtung Tokio 2020?

          Es stand schon vor Rio nicht gut, aber nachdem wir dort keine Medaille gewonnen haben, kann man nur sagen, dass wir an einem Tiefpunkt angekommen sind. Wir müssen uns alle Mühe geben, die Situation wieder zu verbessern.

          Scheitern als Chance. Macht ein solcher Slogan Hoffnung?

          Für mich als Athleten nicht. Ich möchte noch bis Tokio weitermachen und werde mein Bestes geben. Das ist das, was ich beeinflussen kann. Ich beschäftige mich, wenn ich auf der Bahn stehe, nicht mit dem Gesamtergebnis meines Verbandes. Da möchte ich einfach nur jeden Kampf gewinnen.

          Und als Athletensprecher und damit im weiteren Sinne als Verbandsvertreter?

          Als Fecht-Verband können wir hoffentlich noch mal Kraft schöpfen. Wir haben vom DOSB noch keine Pistole auf der Brust, wir werden jetzt nicht zugemacht, weil wir in Rio keine Medaille gewonnen haben, sondern wir können noch mal nach vorne gehen.

          Woran liegt es denn, dass eine Sportart, die immer erfolgreich war, plötzlich absackt und so schlecht abschneidet?

          Das Problem ist, dass es nur den Anschein macht, als wäre es plötzlich abgesackt, aber das stimmt nicht. Wir sind systematisch abgesackt über Jahre.

          Sind die Athleten zu schlecht, die Trainer oder die Strukturen?

          Das Wichtigste im Fechtsport sind neben den Athleten die Trainer. Wir brauchen gar nicht so viel drum herum. Aber die Trainer, die früher noch nach Deutschland gekommen sind, weil es hier bessere Arbeitsbedingungen gab, die gehen heute nach Amerika oder Asien. Und genau da muss der deutsche Sport insgesamt gucken: dass wir Perspektiven für Trainer bieten, dass der Trainerjob attraktiver wird.

          Deutsche Fechter wie Max Hartung (links) sind in der Defensive: „Systematisch abgesackt“.

          In Deutschland sind die Bundestrainer sehr lange im Amt. Fehlt auch der Druck von unten?

          Ja, das glaube ich schon. Genau wie bei den Sportlern muss es auch bei den Trainern eine Konkurrenzsituation geben, damit sie innovativ bleiben. Wir haben zwar einige gute Trainer in den Spitzenjobs, aber die bekommen wenig Unterstützung und haben auch wenig Konkurrenz. Das ist eine schlechte Situation.

          Liegt das Problem auch in der Art der Verbandsführung und der ehrenamtlichen Struktur?

          Ja, ich glaube, dass es ein Problem ist. Nicht nur bei uns Fechtern, sondern insgesamt im Sport. Es ist natürlich auch eine finanzielle Frage, aber das operative Geschäft sollte von Profis geführt werden, von hauptamtlichen Managern.

          Sind Sie persönlich froh, dass Sie als Student ein zweites Standbein haben, Ihr Berufsleben nicht auf das Fechten ausgerichtet ist?

          Ja, das gibt eine unheimliche Sicherheit, und es hat mir vor allem aus dem Loch geholfen nach den Olympischen Spielen. Ich wollte in Rio unbedingt eine Medaille gewinnen. Und war nach dem frühen Aus auch echt betrübt. Aber als ich wieder hier war, ging es weiter mit der Bachelor-Arbeit.

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