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Fechter ohne Bundestrainer : Schwerer Hieb statt elegantes Florett

Deutsche Florett-Frauen im Visier: Anne Sauer fühlt sich im Stich gelassen Bild: Picture-Alliance

Der Stil erinnert nicht gerade an feines Florettfechten. Kurz vor der Heim-WM kündigt Tauberbischofsheim dem Bundestrainer. Die Fechterinnen sind verstört. Die Anwälte haben übernommen.

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          An Selbstbewusstsein mangelt es zumindest nicht. Der FC Tauberbischofsheim bezeichnet sich auf seiner Homepage als „erfolgreichster Fechtclub der Welt“, stellt 370 gewonnene internationale Medaillen seiner Sportler heraus und nennt das Tauber-Universum, in dem der Verein auch Träger eines Bundes- und Olympiastützpunkts ist, „Mekka des Fechtsports“. Dass der Großteil des Ruhms verblasst ist, die Gegenwart trübe und die Zukunft ungewiss, wird nicht erwähnt. Mit Ablauf des Monats Februar wurde dem wichtigsten Trainer des Vereins gekündigt. „Betriebsbedingt“, wie es hieß. Also aus finanziellen Gründen.

          Der italienische Starcoach Andrea Magro, der erst vor dreieinhalb Jahren mit der Prämisse engagiert wurde, die deutschen Florett-Damen fit für die Olympischen Spiele 2020 zu machen, soll vier Jahre vor Vertragsende das Taubertal verlassen. Damit steht auch der Deutsche Fechter-Bund (DFeB) ohne Bundestrainer da. Denn in einer Mischkalkulation hatte der Verband bislang den größeren Teil des Honorars für Magro getragen. Das komplette Salär des Spitzentrainers, der mit Italiens Fechtern 16 Olympia-Medaillen gewann, kann sich der DFeB aber nicht leisten.

          Bundestrainer Magro (r.) mit Fechterin Carolin Golubytskyi: Entlassen vier Monate vor der WM

          Leidtragend sind die Athletinnen. „Wir als Sportlerinnen sind wirklich zufrieden mit dem Trainer“, sagte Florett-Fechterin Anne Sauer dieser Zeitung: „Wir wollen mit Andrea weiterarbeiten. Unser gemeinsames Ziel ist Olympia 2020.“ Die 25-Jährige hat praktisch ihr komplettes Leben als Leistungssportlerin in Tauberbischofsheim verbracht und ist nicht gewillt aufzugeben. „Wir machen weiter“, sagte sie und sprach dabei auch im Namen ihrer Teamkolleginnen Carolin Golubytskyi, Eva Hampel, Leonie Ebert und Sandra Bingenheimer. Aber „hundert Prozent Energie aufs Training zu verwenden“ sei schwierig, wenn die Zukunft so unsicher sei. Weder vom Verein noch vom Verband, so Anne Sauer, habe sie Informationen, wie die Trainingssituation vom 1. März an aussehen soll.

          Blamage in eigener Halle wäre ein weiterer Tiefschlag

          Der Zeitpunkt für die Trennung vom Cheftrainer könnte unpassender nicht sein, denn im Juli 2017 richtet der einst ruhmreiche, mittlerweile aber erfolglose Verband in Leipzig die WM aus. Nach dem enttäuschenden Abschneiden in Rio 2016, wohin es nur ein deutsches Minimal-Aufgebot von vier Solisten geschafft hatte, die dort medaillenlos blieben, wäre eine Blamage in eigener Halle ein weiterer Tiefschlag. Der Teamwettbewerb der Florett-Damen stand in Rio nicht auf dem Turnierplan, deshalb sollte sich Magro an den langfristigen Aufbau einer Florett-Truppe machen. Im Einzel war nur die frühere WM-Zweite Carolin Golubytskyi qualifiziert, aber frühzeitig ausgeschieden. Danach, Ende August 2016, wäre eine saubere Trennung vom Trainer laut Ausstiegsklausel möglich gewesen, wie ein Kenner der Szene berichtet. Sie ist aber nicht erfolgt.

          Bild aus erfolgreichen italienischen Zeiten: Magro schultert 2008 Olympiasiegerin Valentina Vezzali

          Sven Ressel, Sportdirektor des Fechter-Bundes, sagte nun: „Wir werden in keinem Fall das Damen-Florett-Team im Regen stehenlassen.“ Noch müsse aber kurzfristig und abschließend geklärt werden, ob die Arbeit Magros tatsächlich Ende Februar beendet sei. „Wir haben einen Plan B“, sagte Ressel. Den Weg nach Leipzig sieht er als nicht gefährdet an. „Selbstverständlich müssten die Fechterinnen dann auch mitspielen.“ Er hoffe da auf Vernunft.

          Noch zugeknöpfter gibt sich Harald Stempfer, Geschäftsführer des FC Tauberbischofsheim. Zu Personalangelegenheiten, insbesondere bei einer laufenden Kündigungsschutzklage, gebe er keine Statements in der Öffentlichkeit, antwortete er per Mail. Und der Betroffene selbst spricht auf Anraten seines Anwalts mit niemandem über die Situation. Nur so viel ließ Magro durchblicken: „Mein Traum ist es, die Arbeit mit dem Nationalteam bis 2020 fortzusetzen.“

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