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Fecht-WM : Joppich erkämpft erste Medaille für Deutschland

  • -Aktualisiert am

Enttäuscht: Ralf Bißdorf Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Am dritten WM-Tag hatten die deutschen Fechter ihr erstes Erfolgserlebnis: Peter Joppich steht im Florett-Halbfinale und hat damit Bronze sicher. Ralf Bißdorf ist dagegen schon wieder auf dem Heimweg.

          "Ich habe es im Griff." Peter Joppich nickte nur kurz seinem Trainer Ulrich Schreck zu, dem Bundestrainer, als der in der ersten Drittelpause von Joppichs erstem Kampf bei den Weltmeisterschaften in Turin mit der Wasserflasche an die Bahn kam. Der Koblenzer Florettfechter hatte morgens um acht seinen Gegner, den Ukrainer Maxim Petrow, er hatte aber vor allem sich im Griff.

          Ruhig, überlegt und überlegen absolvierte er auch die nächsten Aufgaben. Erst als er im Viertelfinale Benjamin Kleibrink (Bonn) gegenüberstand, wurde es eng für Joppich. Doch mit 15:14 Treffern besiegte der deutsche Meister, der in dieser Saison wegen einer Hirnhautentzündung und einer Rückenverletzung wochenlang hatte pausieren müssen, seinen Trainingspartner und sicherte dem Deutschen Fechterbund die erste Medaille dieser Titelkämpfe: Bronze war ihm nicht mehr zu nehmen. Damit durfte Joppich wieder die Rolle des Glücksbringers für sich reklamieren: Bei den Weltmeisterschaften vor drei Jahren in Kuba war er nach zwei erfolglosen deutschen Tagen Weltmeister geworden - drei Mannschaftsmedaillen folgten.

          Niederlagen für die Damen

          "Jetzt bekommt das Fahrt." Was Manfred Kaspar, der Bundestrainer der Degendamen, auf das erste WM-Gefecht von Imke Duplitzer (Bonn) am Dienstag mittag bezog, hätte die deutsche Mannschaftsleitung nur zu gern als Omen auch für die Degendamen und für die zweite Hälfte dieser Titelkämpfe genommen. Doch bereits nach der zweiten Runde war nur noch Imke Duplitzer im Wettbewerb. Im Achtelfinale beendete auch sie die Hoffnungen: 14:15 unterlag sie der Ungarin Timea Nagy. Marjana Markovic war in der ersten Runde gescheitert, die höher gewetteten Britta Heidemann (beide Leverkusen) und Claudia Bokel (Tauberbischofsheim) schafften es nur einen Gang weiter.

          Trotzdem war Wilfried Wolfgarten, dem Leiter der deutschen Delegation in Turin, die Erleichterung anzusehen, als die Medaille für Peter Joppich feststand. "So gut haben alle schon lange nicht mehr gefochten", sagte er - und bezog sich dabei auf die Herren mit dem Florett. Dominik Behr (Tauberbischofsheim) scheiterte in der zweiten Runde an dem Japaner Yuki Ota trotz guter Leistung, Ralf Bißdorf unterlag dessen Landsmann Yusuke Fukuda eine Runde später. Zeitweilig, so sagte der 35 Jahre alte Heidenheimer, habe er nicht aggressiv genug gefochten, die Übersicht fehlte. Dabei, so sagte er, hätte er an diesem Tag die große Chance auf den Titel gehabt - nach hervorragendem Training in den vergangenen Wochen.

          Angriff bei der Senioren-WM

          Zudem war Salvatore Sanzo, der italienische Titelverteidiger von Leipzig und einer der größten Konkurrenten, der "am Morgen schon ganz schön ängstlich ausgesehen" hatte (so Bißdorf), gegen Fukuda schon ausgeschieden. "Die Vorbereitung war so viel besser als das Ergebnis hier", sagte Bißdorf, der in diesem Sommer seinen fünften Europameistertitel gewonnen hatte. "Ein Teil meiner Enttäuschung besteht sicher darin, daß ich das nicht rübergebracht habe."

          Als Joppich am Abend im Finale stand, war Bißdorf bereits auf der Heimfahrt, an diesem Mittwoch wird er wieder an seinem Schreibtisch in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit einer Heidenheimer Firma sitzen. "Es ist für die Mannschaft das Beste, wenn ich nach Hause fahre", sagte er, "wenn jemand nicht Mannschaft fechten soll, wäre es schlecht, wenn er dabliebe." Nach den Titelkämpfen des vergangenen Jahres hatte ihn Schreck wissen lassen, daß er in der Team-Planung keine Rolle mehr spiele.

          Ein Scheidungsjahr vom Fechten

          Und so stellte sich nach dem Ausscheiden in Turin wie von selbst wieder die Frage nach seiner Zukunft. Die scherzhafte Antwort, er werde auf jeden Fall bei der Senioren-WM angreifen, sollte eine Unsicherheit überspielen. "Ich denke viel über mein Leben nach", sagte er, "und der Prozeß ist noch nicht abgeschlossen." Sein Trainer Thomas Zimmermann, seine Vorgesetzten und enge Freunde werden in die Entscheidungsfindung einbezogen. Körperlich fühlt sich Bißdorf der Herausforderung allemal gewachsen.

          Immerhin stellt er fest: "Ich bin mit meiner Fechtkarriere zufrieden." Als sichtbaren Beweis kann er immer wieder Medaillen hervorholen. Unübertroffen ist für ihn die silberne Olympiamedaille von Sydney. "In meinem mittleren Bücherregal, im dritten Fach von oben", liegt sie, eingehüllt in ein Paar Socken, das sie seit den Spielen 2000 vor Kratzern schützt. Auf jeden Fall wird ihm die Entscheidung über ein Karriereende nicht leichtfallen. Als er auf die Frage nach einer möglichen Hochzeit - Bißdorf ist der Freund von Säbelfechterin Stefanie Kubissa - antwortete, enthielt der spaßig dahingesagte Satz wohl den tiefen Kern der Wahrheit: "Dafür brauche ich ja erst einmal ein Scheidungsjahr vom Fechten."

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