https://www.faz.net/-gtl-6ubig

Fecht-WM in Catania : Die Rumäninnen machen Deutschen Leben schwer

  • -Aktualisiert am

Der Einen Freud, der anderen Niederlage: Monika Sozanska (r.) scheidet bei der WM aus Bild: REUTERS

Auch die Vierte muss die Waffen strecken: Monika Sozanska scheitert im Viertelfinale. Die Fechterinnen sind ein gutes Beispiel für das Strukturproblem des deutschen Sports.

          Britta Heidemann saß auf der Tribüne, zwei Reihen dahinter Imke Duplitzer, und auch Ricarda Multerer schaute zu: Drei deutsche Degenfechterinnen erlebten bei den Weltmeisterschaften in Catania, wie die Vierte in ihrem Bunde, Monika Sozanska, im Viertelfinale am Donnerstag als Letzte die Waffen strecken musste. Olympiasiegerin Britta Heidemann war schon in der Qualifikation gescheitert, Ricarda Multerer, Team-Silbermedaillengewinnerin von 2010, in der Runde der letzten 64 ausgeschieden.

          Imke Duplitzer, Europameisterin von 2010, verlor in der Runde der letzten 32 gegen die Rumänin Simona Alexandru, und Monika Sozanska nun gegen Alexandrus Landsfrau Ana Branza. "Ich wollte heute eine Medaille", sagte die Tochter des Bundestrainers Pjotr Sozanski, "und dieser Traum ist geplatzt." Durch den Erfolg, unter die letzten acht gekommen zu sein, steige aber zumindest das Selbstvertrauen.

          Noch besteht die Chance, in der Mannschaft zu punkten

          Eine, die mit fehlendem Selbstvertrauen kein Problem hat, ist Imke Duplitzer. Und so war sie auch nach ihrer Niederlage schnell wieder die analysierende, angriffslustige Athletin. Ihre Niederlage sei "keine Riesenkatastrophe", sagte sie. "Wenn ich gegen Lieschen Bindegrün ausgeschieden wäre, hätte ich sagen müssen, ich habe im Vorfeld alles falsch gemacht. Aber die Rumäninnen machen uns ohnehin im Moment Probleme." Sie sind in der Mannschafts-Weltrangliste Zweite hinter China - die Deutschen stehen auf Platz neun; auch in der Einzelwertung liegt die beste Rumänin (Ana Branza als Achte) vor der besten Deutschen (Monika Sozanska als Zehnte).

          "Die Rumänen bauen ein Team ganz konsequent auf", sagt Imke Duplitzer. "Sie fechten gerissen, sind technisch perfekt ausgebildet, fit auf den Punkt und nervenstark." Es ist enger geworden an der Spitze. Im vorolympischen Jahr, in dem es um die Qualifikation für London geht, waren die Anstrengungen überall noch größer. Kleine, junge Fechtnationen sind zu ernsthaften Konkurrenten herangereift, oft mit Hilfe europäischer Spitzentrainer.

          Noch haben die deutschen Degenfechterinnen eine Chance, am Sonntag in der Mannschaft zu punkten - und so drei Einzelplätze zusätzlich für Olympia 2012 zu sichern. Doch dafür müsste schon eine Medaille her. Monika Sozanska und Imke Duplitzer haben aufgrund ihrer Weltranglistenposition in den noch folgenden Weltcupturnieren gute Aussichten auf die direkte Qualifikation; Britta Heidemann allerdings, die ohne einen einzigen Punkt bei dieser Einzel-WM blieb, muss auf das Team hoffen. "Und dass wir da Probleme haben, hat sich mittlerweile wohl rumgesprochen", sagt Imke Duplitzer, "man muss nur auf die Weltrangliste gucken."

          Imke Duplitzer glaubt nicht an Besserung

          Die Athletin, mittlerweile auch Präsidentin des OFC Bonn, will die Schwierigkeiten aber nicht nur auf ihren Sport bezogen wissen. "Das Strukturproblem hat der gesamte deutsche Sport", sagt sie. Die Fechter seien nur ein gutes Beispiel. Seit zwei Jahren habe der Verband ein Vollprofisystem, "aber wir sind keine wirklichen Profis". Immerhin gibt es die Sportfördergruppen der Bundeswehr, "ohne die könnte ich das Fechten gar nicht mehr machen". Und seit Einführung von G8, dem Abitur nach zwölf Jahren, haben auch Nachwuchssportler höhere Hürden zu überwinden. "Die kommen nachmittags um fünf aus der Schule, dann sollen sie abends noch trainieren", sagt Imke Duplitzer - da leidet die Motivation in einer Sportart wie Fechten, die kaum einmal im Fokus steht.

          Imke Duplitzer, mit 36 Jahren schon lange im Geschäft, glaubt nicht so recht an Besserung. "1992 gab es die Traineroffensive, 1996 gab es die Traineroffensive, 2000, 2004, 2008 gab es jeweils die Traineroffensive", sagt sie. "Ich habe mir das schon fünfmal angehört, und es passiert nicht wirklich etwas im deutschen Leistungssport." Mit Spannung schaut sie deshalb, "wie das in London wird - mit oder ohne uns".

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Miet- und Kaufpreise in Europa : Schlimmer geht immer

          Deutschland ächzt unter hohen Mieten und teuren Immobilien. Doch anderswo in Europa ist die Lage weitaus dramatischer – kein gutes Zeichen.

          Ich und das Klima : Du sollst verzichten

          Die Deutschen müssen ihr Leben ändern, sagen die einen. Was die Deutschen machen, ist der Welt egal, behaupten die anderen. Was kann der Einzelne wirklich bewirken?

          Umstrittener Backstop : Was will Boris Johnson?

          In einem Brief an EU-Ratspräsident Donald Tusk kritisiert der britische Premierminister die „Backstop“-Regelung zur irischen Grenze und schlägt „alternative Vereinbarungen“ vor. Er stößt jedoch auf wenig Gegenliebe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.