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Fecht-WM im Grand Palais : Endlich standesgemäß zuschlagen

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Luft nach oben: Ein Duell bei der Fecht-WM unter der Kuppel des Grand Palais in Paris Bild: AFP

Noch bis zum Samstag kämpfen die besten Athleten mit Säbel, Degen und Florett um Medaillen und Weltmeistertitel. Die Fechter schwärmen vom Austragungsort, dem Pariser Grand Palais – aber der Preis für die WM in historischem Ambiente ist hoch.

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          Limbach statt Monet, Degenhiebe statt Pinselstriche. Im altehrwürdigen Pariser Grand Palais regiert seit einer Woche das Duell. Wo üblicherweise die Werke bedeutender Künstler ausgestellt werden, kämpfen noch bis diesen Samstag die besten Athleten mit Säbel, Degen und Florett um Medaillen und Weltmeistertitel. „So etwas habe ich noch nicht erlebt. Das ist die Champions League“, sagt Nicolas Limbach. Die Augen des deutschen Silbermedaillengewinners mit dem Säbel glänzen.

          „Das ist gigantisch“, sagt der neue Florett-Weltmeister Peter Joppich. Das monumentale Bauwerk der Belle Epoque zieht sie alle in seinen Bann – Sportler, Funktionäre, Fans. Schwarzmarkthändler, die vor dem Eingang Eintrittskarten verkaufen, fahnenschwenkende und mit der Tricolore geschminkte Franzosen, 5000 begeisterte Zuschauer pro Wettkampftag – das erinnert eher an Fußball, denn an Fechten. Dennoch: die Weltmeisterschaft in historischem Ambiente sei standesgemäß, sagen die Sportler. „Dieses Ambiente wird der Sportart endlich mal gerecht“, sagt Limbach.

          „Das ist für den Fechtsport sicherlich eine tolle Geschichte“, sagt der deutsche Verbandspräsident Gordon Rapp. „Das ist der Wahnsinn“, ist auch Manfred Kaspar, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes begeistert. Mit Grausen denkt Kaspar an die Weltmeisterschaft in Antalya im vergangenen Jahr zurück, wo sich in einer Messehalle zu Spitzenzeiten ein paar Hundert Fans verloren. Im Mutterland des Fechtens dagegen, im Land der drei Musketiere, ist es fast schon gesellschaftliche Pflicht, sich an der Planche sehen zu lassen.

          „Die WM hier ist doppelt so teuer wie 2005“

          Die Sportveranstaltung in dem für die Weltausstellung 1900 errichteten Bauwerk lassen sich die Gastgeber jedoch einiges kosten. Mit einem Etat in Höhe von vier bis fünf Millionen Euro sollen sich die französischen Organisatoren Insidern zufolge übernommen haben. „Die Weltmeisterschaften hier sind doppelt so teuer wie unsere letzte WM 2005 in Leipzig“, sagt Präsident Rapp.

          Mehr als die Hälfte des Etats verschlingen die Miete und der Umbau des Baus. Allein die Heizkosten belaufen sich auf mehr als 400.000 Euro. Ohne massive staatliche Hilfe hätte die Veranstaltung nicht stattfinden können. Die Idee, den Kuppelbau im Herzen von Paris zum Austragungsort der Titelkämpfe zu machen, war eigentlich Teil der Bewerbung der französischen Hauptstadt um die Olympischen Spiele 2012. Doch auch nachdem London den Zuschlag erhalten hatte, entschied der französische Verband FFE, das Vorhaben ohne Rücksicht auf Kosten und Mühen in die Tat umzusetzen, um den Sport aufzuwerten, der selbst im Mutterland des Fechtens normalerweise wenig Aufmerksamkeit findet.

          Die Schwierigkeiten einer WM-Organisation ohne olympischen Hintergrund haben die Verantwortlichen wohl unterschätzt. Große Unternehmen waren als Sponsoren nicht zu gewinnen, deshalb musste der Staat einspringen: Die öffentliche Hand soll etwa die Hälfte der Kosten übernehmen und für einen Kredit in Höhe von einer halben Million Euro bürgen.

          Seerosen und Hiebe, Mohnblumen und Attacken

          Nach öffentlicher Kritik an ihrer Finanzplanung sind die Veranstalter vorsichtig geworden – sie nennen keine genauen Zahlen mehr, sondern hoffen auf einen weiterhin ungewöhnlich milden November. „Wir müssen bestimmte Entwicklungen abwarten, bevor wir beispielsweise die Heizkosten genau beziffern können“, sagt Oliver Lenglet, Vorsitzender des Organisationskomitees. Denn es zieht im alten Gemäuer, mal ist es zu kalt, mal zu warm. „Man muss einfach drüber hinwegschauen“, sagt Sportdirektor Kaspar. Die Center-Court-Atmosphäre bei den Finalkämpfen entschädigt schließlich für so manche Unannehmlichkeit.

          Wer genug hat von Stößen und Finten im Mittelschiff des Grand Palais, muss doch nicht auf Monet verzichten. Denn der Palast beherbergt nicht nur eine Polizeistation, sondern auch die Galeries nationales. In denen gibt es noch bis zum 14. Januar Bilder von Claude Monet zu sehen. Seerosen und Hiebe, Mohnblumen und Attacken – der Grand Palais macht's möglich.

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