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Fecht-EM : Moll in Montreux

In die Knie gezwungen: Britta Heidemann (r.) unterliegt Emese Szasz in der zweiten Runde Bild: dpa

Die deutschen Fechter enttäuschen bei der EM in den Einzelwettbewerben. Auch die Olympia-Chancen stehen schlecht. Selbst Britta Heidemann muss um ihre Qualifikation fürchten.

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          Als Gold-Marie des deutschen Sports hatte Britta Heidemann vergangenen Samstag noch geglänzt: beim Pokalfinale der Fußballer in Berlin trug sie den frisch polierten goldenen Pokal ins Olympiastadion. An diesem Wochenende war die vielbeschäftigte Degen-Kämpferin nun wieder ihrer sportlichen Kernkompetenz gefragt – doch bei den Fecht-Europameisterschaften in Montreux blieb für sie eher eine unglückliche Rolle übrig.

          Obwohl Britta Heidemann in der Vorrunde starke Leistungen zeigte und alle sechs Gefechte gewann, war sie in der K.o.-Runde nicht vor einer schweren Gegnerin gefeit. Prompt traf sie in der zweiten Runde auf die Weltranglisten-Erste Ermese Szazs. „Es war die stärkste Gegnerin, die ich in diesem Feld erwischen konnte“, meinte die WM-Zweite von 2014 hinterher. Die Ungarin hatte sich in den Pool-Kämpfen nicht gerade verausgabt und nur drei Duelle gewonnen. Der verhaltene Start und das schwere Los hinderte sie aber nicht daran, sich später bis zur Bronzemedaille durchzufechten. Der von Problemen an der Achillessehne beeinträchtigten Britta Heidemann dagegen blieb nach dem mit 8:15 klar verlorenen Gefecht nur Rang 19.

          Das umgekehrte Problem mit der Setzliste ereilte ihre Teamkollegin Monika Sozanska. Sie traf nach mäßigen eigenen Vorrunden-Resultaten in den K.-o-Kämpfen auf italienische Spitzenkräfte. Nachdem sie Titelverteidigerin Bianca del Carretto noch mit 15:10 aus dem Feld schlagen konnte, musste sie sich Weltmeisterin Rossella Fiamingo knapp 12:15 geschlagen geben. Fiamingo gewann später EM-Silber, Gold ging an die Russin Violetta Kolobowa.

          Kein einziger Deutscher im Viertelfinale

          Da auch alle anderen deutschen Fechter in den vier Einzelentscheidungen des Wochenendes frühzeitig scheiterten, darunter der viermalige Florett-Weltmeister Peter Joppich (23. Platz) und der ehemalige Degen-Europameister Jörg Fiedler (33.), liest sich die Zwischenbilanz in Montreux niederschmetternd. In der Kleinstadt am Genfer See, die vor allem durch ihr Jazz-Festival weltweit bekannt ist, haben die Deutschen nicht nur null Medaillen vorzuweisen: kein einziger Athlet hat überhaupt das Viertelfinale erreicht.

          Nach ihrem Rückschlag bleibt den Degen-Damen nur die Hoffnung auf ein besseres Abschneiden im Teamwettbewerb an diesem Dienstag. Ein gutes Resultat wäre dabei nicht nur der Verbesserung der allgemeinen EM-Bilanz geschuldet, es hätte auch maßgebliche Wirkung auf die eigenen Olympiachancen.

          Komplizierter Modus auf dem Weg nach Rio

          Wegen eines ausgeklügelten, aber nicht unbedingt logischen oder gar fairen Modus wäre nach heutigem Stand keine einzige deutsche Degenfechterin für Rio qualifiziert. Nicht mal Britta Heidemann, obwohl die Olympiasiegerin von 2008 in den Top Ten der Weltrangliste rangiert. Zwar dürfen 35 Degenfechterinnen ins olympische Gefecht, was angesichts eines im K.o.-System ausgetragenen Wettbewerbs schon eine unmögliche Zahl ist. 24 Plätze werden aber über die Team-Wertung vergeben – an je drei Athletinnen der acht besten Nationen. Deutschland belegt nur Platz 12.

          Helm ab nach der Niederlage: Britta Heidemann hat die nächsten Ziele schon im Visier

          Weitere Plätze werden über die Einzelrangliste vergeben, jedoch gestaffelt nach kontinentalen Gesichtspunkten. Europa stehen zwei Plätze zu, einer ginge derzeit an die Ungarin Ermese Szazs, der andere an Olympiasiegerin Jana Schemjakina aus der Ukraine. Letzte Hoffnung: ein weiterer Platz wird schließlich in einem finalen Qualifikationsturnier ausgefochten.

          Ausgerechnet das Säbel-Team darf nicht zu Olympia

          Wie, um das Unbill für den Deutschen Fechterbund komplett zu machen, wird ausgerechnet der Wettbewerb, in dem sein Team führend ist, gemäß Rotationsprinzip bei Olympia 2016 ausgesetzt: die Säbel-Männer, Team-Weltmeister 2014, dürfen in Rio nur einzeln ran. Und bekommen deshalb nur zwei statt drei Startplätzen. So konkurrieren die Spitzenkräfte Nicolas Limbach, Max Hartung und Matyas Szabo – letzte EM-Hoffnungsträger in den Einzel-Wettbewerben an diesem Montag – auch gegeneinander um die beiden Olympia-Startplätze.

          Große Bühne in Montreux: Klingenspiel statt Jazzmusik

          Bevor allerdings im April 2016 endgültig abgerechnet wird, bieten diverse Weltcups rund um den Globus für die Fechter noch Chancen auf eine Verbesserung der Ranglistenplazierung, sowie als Saisonhöhepunkt die Weltmeisterschaften vom 10. bis 19. Juli in Moskau.

          Heidemann startet in Aserbaidschan

          Britta Heidemann lässt sich trotz des vollen Terminkalenders nicht nehmen, vorher noch bei den erstmals ausgetragenen Europaspielen in Baku (12. bis 28. Juni 2015) anzutreten. Heidemann findet die Idee dieses umstrittenen und sportlich fragwürdigen Wettbewerbs grundsätzlich gut. Sie tritt in Aserbaidschan an, obwohl es dort weder Ranglistenpunkte noch Qualifikationsplätze zu gewinnen gibt. „Mich hat niemand gezwungen, teilzunehmen. Ich habe zugesagt, weil ich wirklich Lust habe“, sagte die reisefreudige Rheinländerin, die darauf hofft, „olympische Luft schnuppern zu können“ und sich den letzten Drive für die WM in Moskau zu holen.

          Der allgemeinen Kritik am Austragungsort will sich die als China-Expertin bekannt gewordene Kölnerin nicht anschließen, auch wenn das Land nicht den westlichen demokratischen Wertvorstellungen entspräche. „Hinzufahren und sich selbst ein Bild zu machen, finde ich besser, als daheim zu bleiben.“

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