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FC Bayern in der Euroleague : Das größte Basketballspiel der Vereinsgeschichte

Immer die Finger im Spiel: Vladimir Lučić, Basketballspieler des FC Bayern. Bild: Tobias Hase/dpa

An diesem Dienstag kommt es zum entscheidenden Duell zwischen Mailand und München. Wer gewinnt, zieht ins Final Four ein. Aus bayerischer Sicht wäre es die verrückte Pointe einer verrückten Saison.

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          Am Tag vor dem vielleicht größten Spiel der Vereinsgeschichte sitzt Vladimir Lučić in einem Hotelsessel in Mailand und zieht die Schultern nach oben. „Eigentlich nichts“, sagt er und schaut auf den Bildschirm seines Smartphones, wo die Reporter mit einer Video-App zugeschaltet sind. Einer von ihnen hat gerade gefragt, was Lučić, dem stellvertretenden Basketball-Kapitän des FC Bayern, durch den Kopf gegangen sei, als er zusammen mit Paul Zipser über die Mittellinie gesprintet ist. „Eigentlich nichts“, sagt er, „ich habe einfach mit dem Finger nach oben gezeigt und gebetet, dass Pauli im richtigen Moment passt. Dann habe ich versucht, den Ball zu erwischen und zu dunken.“ So kann man das nüchtern sagen.

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          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Ein Rückblick. Es ist Freitagabend in München, Euroleague-Viertelfinale, Spiel vier. In der Serie führt Armani Mailand mit 2:1 Siegen. Wenn die Bayern an diesem Abend verlieren, scheiden sie aus. Es sind nur noch 25 Sekunden zu spielen. Der Spielstand: München 80, Mailand 82. Dann sprinten Paul Zipser und Vladimir Lučić über die Mittellinie. Sie machen große Schritte. Zipser mit dem Ball in der Hand, Lučić ohne. Auf ihrem Weg zum Korb wartet nur noch ein Verteidiger von Mailand: Shavon Shields, 2,01 Meter groß. Kein kleines Hindernis. Doch Lučić hat einen Plan.

          Er zeigt mit dem Finger nach oben. Als Zipser sechs oder sieben Meter vom Korb entfernt ist, wirft er den Ball nach oben – über den Kopf von Shields, in die Hände von Lučić, der schon davor abgesprungen ist. Als er durch die Luft fliegt, starren ihn wohl alle in der Halle an. Ein Moment wie in Zeitlupe. Dann geht’s wieder schnell. Lučić dunkt, Shields foult, der Schiedsrichter pfeift. Der Korb zählt, aber es gibt wegen des Fouls noch einen Extra-Freiwurf. Lučić verwandelt diesen. Der Spielstand: München 83, Mailand 82. Und weil Mailand danach nicht mehr trifft, kann man etwas weniger nüchtern sagen: Es war die spektakulärste Szene der Saison.

          Lučić macht mal wieder den Unterschied

          Zurück im Hotel in Mailand. Vladimir Lučić war vor ein paar Minuten noch spazieren. Gleich gibt’s Mittagessen. Danach wird er sich mit seiner Mannschaft auf das fünfte und letzte Spiel der Serie vorbereiten, das an diesem Dienstag (20.45 Uhr, live bei MagentaSport) ausgetragen wird. Wer gewinnt, kommt ins Final Four der Euroleague. Das ist die größte Bühne im europäischen Vereinsbasketball. „Es wäre eine der größten Leistungen meiner Karriere“, sagt Lučić. Er hat mit Valencia den Eurocup und mit der serbischen Nationalmannschaft EM-Silber gewonnen. Aber das Final Four der Euroleague? Das wäre besonders. Für Lučić, vor allem aber auch für seinen Verein.

          Es wäre die verrückte Pointe einer verrückten Saison, wenn die Bayern gegen Mailand, einen der großen Titelfavoriten, einen 0:2-Serienrückstand drehen könnten. Es würde aber perfekt zu ihrer Saison passen. In der Euroleague, wo sie den meisten Konkurrenten finanziell unterlegen sind, haben sie sich in diesem Modus als erste deutsche Mannschaft überhaupt für die Play-offs qualifiziert, weil sie viele Spiele in den finalen Minuten gedreht haben.

          Es gab immer wieder einen anderen Spieler, der den Unterschied gemacht hat. Mal war es der Spielmacher Wade Baldwin IV. Mal der Center James Gist. Und oft war es eben der Alleskönner Lučić. So spektakulär wie im vierten Spiel gegen Mailand war es aber noch nie. „Wenn du so gewinnst“, sagte ihr Trainer Andrea Trinchieri danach, „dann bist du entweder total verrückt oder wirklich besonders.“ Er sollte es als Kompliment verstehen, wenn man anmerkt: Seine Bayern sind beides.

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