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Bayern gegen Berlin : Etappensieg für den Basketballmeister

  • -Aktualisiert am

Rot besiegt Gelb: Die Münchner setzten sich im Duell mit Berlin durch. Bild: dpa

Die Münchner gewinnen das Prestigeduell gegen Alba. Neben der Führung in der Bundesliga versuchen die Bayern, sich in Europas Spitzenklasse durchzusetzen. Uli Hoeneß verspricht die Fortsetzung der Unterstützung.

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          Ein Spitzenspiel im Fußball zwei Tage nach einer schweren Champions-League-Partie im Ausland? Unvorstellbar. Im Basketball war es am Sonntag wieder so weit. Der deutsche Meister Bayern München traf auf Alba Berlin. Beide mit weißer Weste in der Bundesliga. Beide mit Auswärtsniederlagen aus der Euroleague vom Freitag (München in Istanbul) und Donnerstag (Berlin in Tel Aviv) im Hinterkopf. Doch die Beine wirkten nicht müde, allenfalls deuteten viele kleinere Fehler, unnötig wirkende Ballverluste (16/16) auf Konzentrationsschwächen hin. Sie drückten das Niveau des Basketball-Schlagers, aber der Spannung schadete das nicht. Bis in die letzte Minute hinein blieb Berlin trotz einer Zwölf-Punkte-Führung der Bayern zwei Minuten vor dem Ende in Tuchfühlung, verlor das Prestigeduell in München aber 80:84.

          Wer in der Euroleague antritt, benötigt einen tiefen und qualitativ hochwertigen Kader. Das war auch den Verantwortlichen der Bayern bewusst, als sie im Sommer eine Mannschaft zusammenstellten, die der Doppelbelastung der europäischen Eliteklasse und der Bundesliga gerecht werden sollte. Zwölf Spieler dürfen pro Begegnung eingesetzt werden. 14 Profis stehen in München unter Vertrag, die man auf diesem Niveau einsetzen kann. Ein Kader, wie es ihn bei einer deutschen Mannschaft noch nie gab. Dennoch spüren die Bayern beim Match gegen Berlin, wie anstrengend diese Saison mit mindestens 67 Pflichtspielen sein wird. Mit dem neuen Spielmacher T.J. Bray und dem NBA-erfahrenen Forward Josh Huestis haben zwei Schlüsselfiguren wegen ihrer Verletzungen noch kein einziges Spiel bestritten.

          Huestis soll genauso wie die französische Centerhoffnung Mathias Lessort vor einer baldigen Rückkehr stehen. Zuletzt musste auch noch der zuverlässige Nihad Djedovic passen. Unter diesen Umständen war die Leistung bei der Niederlage am Freitag in Istanbul (82:90) passabel, der Erfolg über Berlin ein Beleg für die Klasse. „Das war ein wichtiger Sieg für uns“, sagte der Topscorer der Münchener, der treffsichere Alex King (19 Punkte), gegenüber Magenta TV. Bezeichnend für die Qualität, dass der Erfolgreichste von der Bank kam. „Es ging darum, den ersten Platz zu halten“, sagte King, „das war uns wichtig.“ Alba musste ohne den exzellenten Aufbauspieler Peyton Siva auskommen. „Wir konnten die Intensität nicht über das ganze Spiel aufrechterhalten“, erklärte der junge Berliner Jonas Mattisseck (5).

          Neben der Führung in der Bundesliga versuchen die Bayern, sich in Europas Spitzenklasse durchzusetzen. Drei Auswärtssiege, unter anderem über Real Madrid, sind gelungen. „Wir sind viel näher dran an den besten Teams“, sagte Uli Hoeneß am Sonntag. Der am kommenden Freitag scheidende Präsident des FC Bayern versprach nicht nur, ständiger Gast in der Basketballhalle zu bleiben, sondern auch eine Fortsetzung des Engagements der Bayern: „Herbert Hainer wird wohl mein Nachfolger. Er liebt den Fußball wie den Basketball und wird ihn zu 100 Prozent unterstützen. Marco Pesic (Manager [d. Red.]) wird immer ein offenes Ohr bei ihm finden.“

          Die Qualität in der Euroleague ist so hoch wie noch nie zuvor. Da tut es besonders weh, dass mit Bray der Starter auf der Königsposition des Basketballs länger ausfällt. Auf der anderen Seite hat Maodo Lo die Chance beim Schopf ergriffen. Der Nationalspieler zeigt sich in einer blendenden Verfassung und legt wieder jene Leichtfüßigkeit an den Tag, die ihm zwischenzeitlich einmal abhandengekommen zu sein schien. Gegen Berlin gelangen ihm allerdings nur vier Punkte und zwei Assists. Ein erster Hinweis, dass Lo es schwerfallen wird, bis zum Jahresende die Kraft für eine dominierende Rolle als Aufbauspieler in beiden Wettbewerben aufbringen zu können. Zumal der als Bray-Ersatz verpflichtete DeMarcus Nelson (12) bislang nicht überzeugte.

          „Wir sind viel näher dran an den besten Teams“: Der Blick von Uli Hoeneß geht über die Bundesliga hinaus nach Europa.

          Am Brett hingegen sind die Münchner stark aufgestellt. Greg Monroe (13/9 Rebounds) findet sich immer besser im europäischen Basketball zurecht. Der in neun NBA-Spielzeiten gestählte Center entwickelt sich zu einer dominanten Figur und zeigt zudem als Passgeber ungeahnte Fähigkeiten. Aber der Kader der Bayern ist nicht komplett auf den kurzfristigen Erfolg getrimmt. Mit dem Franzosen Lessort (24 Jahre) und dem Italiener Diego Flaccadori (23 Jahre) haben zwei Ausländer ihren Platz eher über vielversprechende Perspektiven als über aktuelles Euroleague-Niveau gefunden. Langfristig geht es um mehr als um eine deutsche Rivalität: „Wir brauchen mehr starke Gegner in der Liga“, sagt Hoeneß. Und mehr Geld. Der Sprung an die Spitze in Europa wird nicht ohne eine Erweiterung des Etats gelingen. Hoeneß setzt auf eine Erhöhung der Sponsorbeträge, wenn in zwei, drei Jahren die neue Halle in München steht – und Basketball über das Fernsehen ein größeres Publikum gewinnt.

          Der Autor ist zweimaliger Trainer des Jahres.

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