https://www.faz.net/-gtl-t5dp

FAZ.NET-Spezial : Es darf keine Immunität für Sportler geben

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

In der Debatte um eine Anti-Doping-Gesetzgebung in Deutschland widerspricht der Rechtsanwalt und Anti-Doping-Experte Markus Hauptmann in einem Beitrag für die F.A.Z den Thesen des DOSB-Präsidenten Thomas Bach.

          7 Min.

          Staatliche Ermittlungserfolge in Frankreich, den Vereinigten Staaten, Italien und zuletzt Spanien sowie immer neue Berichte über international tätige Dopingnetzwerke haben in bisher nicht bekanntem Umfang die Forderung nach einer Anti-Doping-Gesetzgebung in Deutschland befördert.

          Bereits im März 2004 hatte der damalige Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, eine mit Experten besetzte Rechtskommission des Sports gegen Doping (ReSpoDo) beauftragt, konkrete Vorschläge an den Gesetzgeber mit dem Ziel der besseren Verhinderung, Aufdeckung und Ahndung von Dopingdelikten im Sport zu entwickeln. Der von der Kommission im Juni 2005 vorgestellte Abschlußbericht empfahl ein Bündel gesetzlicher Maßnahmen, darunter auch schärfere Strafgesetze.

          Danach soll auch der Besitz von anabolen Steroiden und ähnlichen Dopingsubstanzen im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unter Strafe gestellt werden, wenn diese - was nach ersten Untersuchungen naheliegt - in Gesundheitsschädlichkeit und Abhängigkeitspotential Cannabis oder ähnlichen verbotenen Drogen vergleichbar sind. Eine etwaige Strafbarkeit soll sowohl den Sportler als auch das "Umfeld" (Trainer, Ärzte, Berater, Betreuer, Sponsoren et cetera) erfassen. Die Vorschläge der ReSpoDo hatte der DSB weitgehend als Handlungsaufforderungen übernommen und an den Gesetzgeber weitergeleitet.

          Fan-Forderung
          Fan-Forderung : Bild: dpa

          Ein weiteres Jahr später haben die Erfahrungen, besser wohl die staatlichen Ermittlungen, gezeigt, daß Doping offenbar noch verbreiteter ist, als man es bisher gemeinhin wahrhaben wollte. Es setzt sich die Erkenntnis durch, daß der Sport alleine das massive Dopingproblem nicht in den Griff bekommen kann: Dopingkontrolleure, Wissenschaftler und Sportfunktionäre sind trotz erheblich verbesserter internationaler und nationaler Anti-Doping-Regeln und Kontrollmethoden noch nicht einmal in der Lage, die bestehenden, offenbar hochentwickelten Dopingstrukturen offenzulegen, geschweige denn zu zerstören.

          Wegen dieser unausweichlichen Einsicht heißt das Schlagwort in der gegenwärtigen Debatte: Sport und Staat! Mit "Staat" sind dabei der Gesetzgeber und die staatlichen Verfolgungsorgane (Polizei und Staatsanwaltschaft) gemeint, die nur auf gesetzlicher Grundlage tätig werden können. Die Aufforderung, Sportverbände, Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) und staatliche Stellen sollte im Kampf gegen Doping "arbeitsteilig zusammenwirken", hat auch der Gründungspräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, aufgegriffen. Gegen diese abstrakte Aufforderung, Sport und Staat müßten zusammenwirken, kann niemand ernsthaft etwas einwenden; nur, wie so häufig in der zumeist unübersichtlichen Anti-Doping-Diskussion, kommt es entscheidend darauf an, was darunter konkret verstanden und umgesetzt wird.

          Weitere Themen

          Einreise nur mit zwei negativen PCR-Tests Video-Seite öffnen

          Olympische-Spiele in China : Einreise nur mit zwei negativen PCR-Tests

          Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele versucht China die Ausbreitung von Corona-Fällen mit strikten Maßnahmen zu verhindern. 72 Corona-Infektionen im Zusammenhang mit den Spielen wurden bereits bestätigt. Die breite chinesische Öffentlichkeit wurden vom Kauf der Tickets ausgeschlossen.

          Topmeldungen

           Die Biontech-Gründer haben noch viel vor: Uğur Şahin und seine Frau Özlem Türeci wollen die Krebstherapie verbessern und sich für eine gerechtere Medizin einsetzen.

          Biontech-Gründer im Interview : „Dem Krebs die Stirn bieten“

          Ihr mRNA-Impfstoff hat Özlem Türeci und Uğur Şahin berühmt gemacht. Die Biontech-Gründer haben aber noch viel größere Ziele. Im Interview sprechen sie über einem Krebsimpfstoff – und die Vorstellung einer postpandemischen Welt.
          Bei einer Demonstraion in Düsseldorf am 20. September 2020 wird ein Bild von Sucharit Bhakdi gezeigt, der sich zu Corona antisemitisch geäußert hat.

          Antisemitismus : Corona als Brandbeschleuniger?

          Nach einer Umfrage des Jüdischen Weltkongresses denkt jeder fünfte Deutsche antisemitisch. Unter den Jungen liegt der Anteil deutlich höher.
          „Wir müssen alles tun, um zu liefern“: Omid Nouripour will vermitteln zwischen Grünen in der Regierung und an der Basis.

          Omid Nouripour : Wir da oben, wir da unten

          Der Hesse Nouripour will neuer Chef der Grünen werden – und dafür sorgen, dass Minister und Mitglieder sich nicht auseinanderleben.