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FAZ.NET fährt mit : Regel Nummer eins: „Don´t be a hero!“

Auf dem Weg nach Wangen im Allgäu Bild: dpa/dpaweb

Die Geschichte der zweiten Jedermann-Etappe: Am Anfang bricht Panik aus, jeder will nach vorn, jeder will doch ein Held sein. Jagdfieber auf dem Rad, Stürze, dann, nach dreißig Kilometer mit einem 40er-Schnitt, ist die Hysterie zu Ende.

          Als Freizeitradler einmal leben wie ein Radprofi. Das ist, bei einer Landesrundfahrt, nicht unbedingt Urlaub, jeden Tag drei, vier, fünf Stunden oder mehr auf dem Rad, aber das hat durchaus seinen Reiz. Da ist zum Beispiel Rudy. Der Holländer mit den weißen Haaren ist der Soigneur im Team. Ein Soigneur ist etwas ähnliches wie ein Masseur, aber doch etwas völlig anderes. Ein Soigneur ist Masseur und Pfleger. Er pflegt Körper und Seelen.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Er geht morgens auf den Markt und kauft Bananen und sammelt abends die schmutzige Wäsche ein. Dazwischen massiert er und ist der gute Geist des Teams, ohne den überhaupt nichts funktioniert. Rudy ist seit Jahrzehnten Soigneur, er hat die meisten großen Fahrer unter seinen Händen gehabt; wenn er anfängt, die Namen aufzuzählen, holt man sich bei Rene, dem Busfahrer, am besten einen schwarzen Kaffee, und wenn man zurückkommt, ist die Liste noch lange nicht beendet.

          Anaerobe Schwellen und mentale Barrieren

          Didi Thurau war jedenfalls auch dabei, das spricht für ein langes Leben als Soigneur. Ein kleines Thema am Rande: Doping soll im Radsport ja nicht ganz unbekannt sein, und die Soigneurs stehen im Ruf, ihren Fahrern nicht nur Bananen zu besorgen. Also: Rudy, was ist mit dem, was nicht nur Bananen sind? „Ich bin Masseur“, sagt er dann und lächelt. „Keine Ahnung.“ Dann verteilt er Müsliriegel und eine Tube mit klebrigem Inhalt, den manche tatsächlich schlucken sollen, den man aber gewiß besser dazu nutzt, um Tapeten an die Wand zu kleistern.

          Was braucht ein Profi außer Rudy, dem Soigneur, außer Rene, dem Busfahrer, und William, dem Mechaniker? Einen Physiotherapeuten und Sportpsychologen wie Stefan zum Beispiel, der mit den Fahrern die Ergebnisse von Laktattests bespricht und so ziemlich alles über Kohlenhydrate, anaerobe Schwellen und mentale Barrieren weiß. Und natürlich einen wie den walisischen Haudegen Tom Davies, der zweimal Duathlon-Weltmeister war und alle Kniffe im Radsport kennt.

          Jagdfieber auf dem Rad

          Als Sportlicher Leiter ist er so etwas wie der Chef de mission, er hält die Fäden in der Hand und bittet am Abend zur Besprechung der kommenden Etappe. Weil sein Team diesmal aus einer bunten Europa-Mischung von Journalisten besteht, muß er ziemlich weit ausholen. Regel Nummer eins: „Don´t be a hero!“ Immer schön in der Gruppe fahren, die anderen vorn arbeiten lassen, ganz unsichtbar mitrollen, sich aus allen Scharmützeln heraushalten, seinen Rhythmus finden, regelmäßig essen, trinken. Dann wird das schon, mit den 113 Kilometern am zweiten Tour-Tag zwischen Gammertingen auf der Schwäbischen Alb und Wangen im Allgäu.

          Die Geschichte der zweiten Jedermann-Etappe ist schnell erzählt. Am Anfang bricht Panik aus, jeder will nach vorn, jeder will doch ein Held sein. Jagdfieber auf dem Rad, Stürze, dann, nach dreißig Kilometer mit einem 40er-Schnitt, ist die Hysterie zu Ende. Gruppen haben sich gefunden, mit Radlern ähnlicher Leistungskraft, nun rollen Bündnisse dahin, und es ist eine erstaunliche Erfahrung, wie schnell man in einer Gruppe von vierzig, fünfzig Fahrern unterwegs sein kann.

          Die Kraft des Windes ist gebrochen, die Strecke ist flach, und dann rollt man in Wangen ein, so schnell wie noch nie: 113 Kilometer, 3:07 Stunden, 35,2 Kilometer pro Stunde im Durchschnitt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Die nächste Etappe führt morgen von Oberstaufen über das Faschinajoch und den Arlbergpaß nach St. Anton. 130 Kilometer lang, 2.630 Meter hoch. Und wer länger als eine Stunde hinter dem Führenden liegt, den holt der Besenwagen.

          Giant-Tour für Freizeitfahrer:

          Montag, 1. Etappe: Karlsruhe - Karlsruhe, Einzelzeitfahren über 25 Kilometer
          Dienstag, 2. Etappe: Gammertingen - Wangen im Allgäu 113 km
          Mittwoch, 3. Etappe: Oberstaufen (Allgäu) - St. Anton (Österreich) 130 km, 2600 Höhenmeter
          Donnerstag, 4. Etappe Bad Endorf - Landshut , 115 km
          Freitag, 5. Etappe: Hersbruck - Kulmbach, wellige Strecke über ca. 100 km
          Samstag, 6. Etappe: Schöneck (Vogtland) durch Tschechien nach Oberwiesenthal, Bergankunft Fichtelberg (1214 m)
          Sonntag, 7. Etappe: 93 km Rund um Leipzig

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