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Besondere Doku über Box-Ikone : Es gibt nur einen Ali

Der Größte: Hauptdarsteller der „langen Muhammad-Ali-Nacht“ in der ARD Bild: Arte

Dieser Film wurde noch nie von einem deutschen Sender gezeigt: Warum es sich lohnt, den Dokumentarfilm „Facing Ali“ nicht eine Sekunde in hundert Minuten aus den Augen zu lassen.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Da ist er noch einmal, dieser unglaublichste Moment im Weltsport der Siebzigerjahre, ausgebreitet unter dem Brennglas einer Slow-Motion-Sequenz. Wir sehen George Foreman, den haushohen, als annähernd unschlagbar gehandelten Favoriten, im Ring des Fußballstadions von Kinshasa benommen zu Boden sinken, morgens gegen vier Uhr Ortszeit. Und seinen 32-jährigen Dompteur Muhammad Ali, wie er eben nicht noch ein letztes Mal zuschlägt, sondern den Prozess sozusagen begleitet.

          Das sei der Augenblick gewesen, sagt ein entspannter Foreman fast 35 Jahre später vor der TV-Kamera, in dem sein Bezwinger für ihn zum „größten Boxer, gegen den ich je gekämpft habe“, geworden sei – wegen eines Treffers, der bewusst unterlassen wurde.

          Mittelstück einer dreiteiligen ARD-Nacht

          Gerade für solche Passagen lohnt es sich, den Dokumentarfilm „Facing Ali“ von Regisseur Pete McCormack aus dem Jahr 2009 nicht eine Sekunde in hundert Minuten aus den Augen zu lassen. Er bildet das Mittelstück in der dreiteiligen „langen Muhammad-Ali-Nacht“ der ARD zu dessen 80. Geburtstag in der Nacht vom 16. auf den 17. Januar (ab 0.05 Uhr und ab 15. Januar schon in der ARD Mediathek abrufbar).

          Und er ist im Unterschied zu Leon Gasts mit dem Oscar prämierter Doku über den „Rumble in the Jungle“ in Zaire („When We Were Kings – Einst waren wir Könige“) ebenso wie der abschließende Beitrag über das Black-Culture-Festival drum herum („Soul Power“) bisher nie von einem deutschen Sender ge­zeigt worden. Nun dürfte er mit seinem so einfachen wie klaren Konzept auch jene überzeugen, die glauben, dass über die Box-Ikone aus Louisville, Kentucky, schon alles gesagt worden ist.

          Wie das gleichnamige Buch des kanadischen Autors Steven Brunt, das sieben Jahre zuvor mit überschaubarem Erfolg erschien, ruft der Autor, Musiker und Regisseur McCormack jene auf, die Ali am nächsten gekommen sind: seine Gegner. Sie sind über die Jahre fast allesamt von Widersachern zu guten Bekannten, wenn nicht Freunden des dreifachen Weltmeisters geworden – ob sie nun Foreman oder Frazier, Spinks oder Holmes heißen.

          Und jeder von ihnen bringt gerade so viel persönliche Erinnerung ein, dass aus den unterschiedlichen Fa­cetten quasi wie von selbst ein beeindruckendes Gesamtbild entsteht. Beeindruckend, weil die Würdigung dieses Kontrahenten, der sie einst so lautstark verspottet und in aller Regel besiegt hat, weit über den Respekt für den Ausnahmeboxer hinausgeht.

          „Er kann nicht für sich selbst sprechen“, resümiert Ken Norton an einer Stelle, „aber wir können für ihn sprechen.“ So ist es nun mal in diesen Jahren, wo auch die Bilder des sichtbar angeschlagenen Mannes, der zu den Spielen in Atlanta (1996) das olympische Feuer entzündet, längst Vergangenheit sind. Also lobt Henry Cooper mit sprödem, typisch britischem Understatement das „ziemlich gute Kinn“, was für so viel mehr steht, während Larry Holmes, der einstige Sparringspartner und spätere Dominator, ihn „wie einen Bruder“ ins Herz geschlossen hat.

          Earnie Shavers wiederum wundert sich bis heute, wie der so ausgelaugt wirkende Kontrahent seinerzeit zum Ende ihres Gipfels in New York (1977) noch einmal so loslegen konnte, „als wäre es die erste Runde“. Dennoch findet er sogleich eine gute Erklärung: „Er kannte viele Arten, einen reinzulegen.“

          Die spirituelle Quersumme zieht mit Ron Lyle dann aber ausgerechnet ein ehemaliger Delinquent, der erst in der Haft mit dem Boxen begann. „Ali was all about love“, sagt der geläuterte Mann aus Colorado, der dem Champion 1975 in Las Vegas zehneinhalb Runden lang die Hölle bereitete. Das wirkt heute umso kostbarer, weil Lyle wie fünf andere der zehn einvernommenen Gegner inzwischen verstorben ist.

          Wissen war nie wertvoller

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          Der SWR hat mit der deutsch synchronisierten Kinofassung von „Facing Ali“ also ein hierzulande fast unbekanntes Zeitdokument erschlossen. Es ist die heimliche Perle im nächtlichen Faustkampf-Triptychon zu Ehren des im Juni 2016 verstorbenen Kämpfers gegen Krieg, Fremdbestimmung und Rassismus. Alle Beiträge bleiben drei Monate in der ARD-Mediathek abrufbar. Aber sich den Wecker zu stellen (oder aufzubleiben) ist in diesem besonderen Fall schon immer eine lohnende Option gewesen. Wie sagt Leon Spinks, der 1978 gegen ihn gewonnen wie verloren hat: „Es gibt nur einen Ali.“

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