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Fabian Hambüchen : Vom Turnfloh zum Kämpfer

  • -Aktualisiert am

Fabian Hambüchen ist ein Wettkampftyp Bild: dpa

Fabian Hambüchen will stets den Erfolg – erst recht bei der WM in Glasgow. Rechtzeitig zum Höhepunkt der Saison ist der Vorturner der Deutschen wieder topfit. Bei seinen Teamkollegen sieht das teilweise anders aus.

          2 Min.

          Fabian Hambüchen – Turnfloh 2004, Reckweltmeister 2007, der Vorturner der Deutschen. Wenn von diesem Freitag an bei den Weltmeisterschaften in Glasgow die ersten Olympia-Startplätze für die besten acht Teams vergeben werden, darf dieser Mann nicht fehlen. Er ist der beste deutsche Turner. Mal wieder, oder besser: immer noch.

          Bei den deutschen Titelkämpfen im September gewann er mit mehr als drei Punkten Abstand, ähnlich groß war sein Vorsprung bei der internen WM-Qualifikation in Stuttgart und zuletzt beim Länderkampftest gegen die Schweiz und Südkorea. Seine konstanten 88 Punkte im Sechskampf sind das, womit Cheftrainer Andreas Hirsch in Glasgow wohl am ehesten rechnen darf, alle anderen Leistungen sind viel unsicherer.

          Hambüchen fitter als die Kollegen

          Die Trainingsplanung von Vater Wolfgang Hambüchen scheint aufgegangen zu sein. Im Frühjahr hatte der Filius noch wegen Trainingsrückstand auf einige Wettkämpfe verzichten müssen, steigerte sich dann aber im Sommer, als er bei den Europaspielen in Baku den Wettbewerb am Reck gewann. Es war Hambüchens erster internationaler Titel seit 2009. Jetzt ist er zum Saisonhöhepunkt in der besten Verfassung des Jahres, „topfit“ wie er sagte. Zweifelsohne fitter als die meisten seiner Kollegen: Mit Andreas Bretschneider, Sebastian Krimmer und Marcel Nguyen stehen gleich drei Turner im Aufgebot, die nach schweren Verletzungen im Verlauf des vergangenen Jahres nun neue, kleinere Blessuren an Fingern oder Füßen haben.

          Wie fit Hambüchens Körper tatsächlich ist, dies ist eine andere Frage. So trat er in Stuttgart teilweise mit getapter Wade an, am Barren gab es Probleme wegen eines Cuts am Oberarm. Am Sprung hatte er bereits im Sommer Schwierigkeiten mit dem Anlauf beklagt und zeigte zuletzt einen einfacheren Sprung als gewöhnlich. Die Ringeübung hatte er wegen andauernder Schulterprobleme bereits im vergangenen Jahr umstellen müssen.

          Hambüchen wird am Sonntag, am Tag des für die Olympia-Qualifikation entscheidenden Wettkampfes, 28 Jahre alt. Für einen Turner, der seinen internationalen Einstand früh gegeben hat – die erste Goldmedaille gewann er bei der Jugend-EM 2002 – durchaus ein hohes Alter. Erst recht, wenn man bedenkt, dass er über Jahre keinen Wettkampf ausgelassen hat und beständig an allen sechs Geräten antritt. Hambüchen ist ein Profi.

          Wenn es darauf ankommt, kann sich der Deutsche Turner-Bund auf ihn verlassen. Den Teamkollegen in Glasgow hat er bei seiner neunten Weltmeisterschaft vielleicht nicht nur die etwas bessere Form und die Erfahrung voraus. Seine Konzentration, sein Ehrgeiz und sein enormer Wille, sich durchzubeißen, die Kämpfernatur, zeichnen ihn aus.

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          Die Qualifikation in Stuttgart zum Beispiel hätte Fabian Hambüchen problemlos mit halber Kraft absolvieren können, schließlich war er als deutscher Meister schon qualifiziert. Doch so etwas kommt ihm offenbar nicht in den Sinn. Wo es, wie am Barren mit schmerzendem Oberarm, schwierig wurde, gab Hambüchen alles.

          Wenn der Sportstudent vor der Abreise sagt, er sei „heiß“ und könne es „kaum erwarten“, dann ist das keine Floskel. Er liebt die Atmosphäre des Wettkampfs. Im Vergleich dazu wirken manche der jüngeren Teammitglieder, für die diese Weltmeisterschaft der Höhepunkt ihrer Karriere werden könnte, als würden sie ständig zu viel beruhigendes Baldrian schlucken.

          Hambüchen ist gerne der Beste

          Hambüchen ist gern der Beste. Fraglich ist, wie lange sein Körper die damit einhergehende hohe Belastung noch erträgt. Der Weg über die zweite Qualifikationsrunde, bei der sich im April weitere vier Teams für Rio qualifizieren, wäre für seine Planung besonders hart. Ohne seinen Mehrkampf hat das Team kaum eine Chance. Aber man darf annehmen, dass Hambüchens Fokus 2016 auf der Reckübung liegen und das Training entsprechend ausgerichtet wird.

          Es wären seine vierten Olympischen Spiele, 2008 hatte er am Reck Bronze gewonnen, 2012 in London Silber. Zuletzt präsentierte er sichere und geschmeidige Übungen an der Stange, mit denen er nach wie vor zur Weltspitze gehört. Schafft Hambüchen es in Glasgow ins Reckfinale, ist der Titel greifbar. Dann könnte man ihn wieder sehen, den ehemaligen Turnfloh, wie er die gestreckten Fäuste hochreißt und einfach nur schreit.

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