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Extremsport : Klettern am Limit

Kletterkünstler Chris Sharma: „Wenn du etwas siehst, das dich inspiriert, kommt die Motivation von allein“ Bild: Archiv Sharma

Der Fels und das scheinbar Unmögliche: Chris Sharma lässt den Sport das Leben formen - und verkörpert damit ein Idealbild.

          4 Min.

          Grenzen? Natürlich gebe es Grenzen, sagt Chris Sharma. „Du kannst dir ein Stück Glas anschauen und sagen: Keine Chance, das zu klettern, es gibt keine Griffe, richtig? Aber grundsätzlich gibt es immer noch eine Menge Spielraum für Fortschritte.“ Es gibt kaum einen Kletterer, der diesen Spielraum zuletzt so ausgereizt hat, so sehr die Grenzen des Möglichen ausgelotet hat, wie Chris Sharma. Der 30 Jahre alte Amerikaner hat eine Reihe härtester Erstbegehungen geschafft, Routen in den höchsten Schwierigkeitsgraden, die zum Teil bis heute kein Kletterer wiederholt hat. Er ist zur Leitfigur der Kletterszene geworden, und das nicht nur wegen seiner sportlichen Ausnahmeleistungen am Fels.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Sharma verkörpert für viele auch eine Art Idealbild des Kletterns als Lebensstil, der Möglichkeit, wie das Klettern ein Leben formen und bestimmen kann. Als er vor kurzem beim International Mountain Summit in Brixen auftrat, einer Art Gipfeltreffen von Spitzenalpinisten, war der Saal zum Bersten voll. Kaum betrat Sharma die Bühne, brach ein Jubelsturm los, als wären die Beatles wieder vereint.

          „Neue Dinge entdecken, neue Routen finden, draußen in der Natur sein und an all die wunderschönen Orte in der Welt kommen, das alles zusammen mit der Herausforderung, an meine Grenzen zu gehen, macht das Klettern für mich so besonders“, sagt Sharma. Diesem Weg ist er konsequent gefolgt. Mit 12 brachte ihn seine Mutter erstmals in die Kletterhalle, im kalifornischen Küstenort Santa Cruz. Seine Eltern waren Schüler des Yoga-Meisters Baba Hari Dass, der sie getraut und ihnen den Namen Sharma gegeben hatte. Auf ihn geht auch Chris Sharmas zweiter Vorname Omprakash zurück, übersetzt „heiliges Licht“.

          Klettern am Limit: Zusammenspiel aus Kraft und Technik, Ausdauer und Fokussierung, Kreativität und Phantasie

          Sharmas Talent für das Klettern wurde schnell offenbar. Mit 13 habe er sich an einem Finger hochziehen können, erinnert sich der Besitzer der Kletterhalle, mit 14 gewann Sharma die amerikanischen Klettermeisterschaften, mit 15 bewältigte er in Arizona als erster die Route „Necessary Evil“, „Notwendiges Übel“, eine der schwierigsten Routen in den Vereinigten Staaten. Mit 16 reiste er zum ersten Mal nach Europa. Es war der Beginn einer zehn Jahre dauernden Wanderzeit, in der Sharma vor allem für zweierlei lebte: Reisen und Klettern.

          Neue Welt: Deep Water Soloing

          Er tourte durch Europa, Neuseeland und immer wieder Asien, verbrachte viel Zeit in Thailand und Indien, wanderte 1000 Meilen durch Japan, von einem buddhistischen Tempel zum nächsten, monatelang. 2001 verblüffte Sharma die Kletterwelt mit der Erstbegehung der Route „Realization“ in Frankreich. Im selben Jahr gewann er den Boulder-Weltcup in München, wurde aber wegen einer positiven Doping-Probe auf das Betäubungsmittel THC disqualifiziert. THC ist der Hauptwirkstoff der Cannabis-Pflanze. Der Fall schlug Wellen, es entbrannte eine Diskussion über Freiheit und Selbstbestimmung im Klettern und über die Notwendigkeit der Einschränkungen durch das Wettkampf-Reglement. Sharma entschied die Sache auf seine Art. Und konzentrierte sich aufs Felsklettern.

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