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Kampf gegen Rassismus : Boris Becker ist kein Boulevardclown mehr

Er erhebt seine Stimme – nicht nur in diesen Tagen: Boris Becker Bild: dpa

Mit 52 Jahren ist Boris Becker wohl in der Form seines Lebens. Er erhebt seine Stimme – nicht nur in diesen Tagen. Aber gerade fällt es eben besonders auf. Denn der jetzige Kampf gegen Rassismus trifft auch ihn persönlich.

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          Er erhebt seine Stimme – nicht nur in diesen Tagen. Aber gerade fällt es eben besonders auf: Boris Becker. Vor gut einer Woche hat er sich in London unter jene gemischt, die aufschreien im Kampf gegen den Rassismus. Nicht weit entfernt vor jenem Ort, an dem er vor beinahe auf den Tag genau 35 Jahren zum ersten Mal Wimbledon-Champion geworden ist – im Alter von gerade einmal 17 Jahren.

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          Der jetzige Kampf ist für ihn mindestens genauso wichtig, denn er trifft ihn persönlich. Als ihn mehr und mehr Menschen nach der Anti-Rassismus-Demonstration via Twitter und Instagram kritisierten und beleidigten, da schaltete Becker in den Angriffsmodus – Serve and Volley – und verwies darauf, dass das Erleben von Rassismus zu seiner persönlichen Familiengeschichte dazugehöre. Als bedürfe es dafür noch eines Beweises, fügte er seinem Tweet die Namen seiner Kinder hinzu: „#Noah #Elias #Anna #Amadeus“.

          Becker ist nicht mehr BummBumm-Boris, er ist nicht mehr unser Bobbele, kein Boulevardclown mehr oder jemand, der immer wieder auf Irrwegen endet. Becker hat zu sich gefunden, auch wenn der Weg dorthin nicht ganz einfach war. Geholfen hat ihm ausgerechnet das, worin er sich beinahe verloren hätte: Tennis. Seine frühen Erfolge schafften ein Gefühl, dass seine Siege auch unsere Siege waren.

          Dass sie das allerdings nie gewesen sind, zeigte sich danach, in der Zeit, als die Niederlagen begannen – nicht auf dem Platz, sondern in Besenkammern, mit vermeintlichen Diplomatenpässen oder einem Insolvenzverfahren. Becker wurde zu einem Namen in den Klatschspalten, und er beschwerte sich darüber, dass ihm hierzulande zu wenig Respekt entgegengebracht werde.

          Dabei endete seine Welt noch nie an Landesgrenzen. Im Ausland, vor allem in Großbritannien, bewundern ihn die Menschen. Wer ihm jemals zugehört hat, wie er bei Eurosport oder bei der BBC über Tennis spricht, der spürt, wie er dieses Spiel sezieren kann, wie er eintaucht in die Köpfe der Spieler. Als Trainer von Novak Djokovic ist er zurückgekehrt ins Rampenlicht, als „Head of Men’s Tennis“ des Deutschen Tennis Bundes beweist er, wie viel Leidenschaft noch in ihm steckt. Im Taunus entsteht gerade eine 20-Millionen-Euro-Tennisakademie, die seinen Namen tragen wird. Becker, so scheint es, ist mit 52 Jahren in der Form seines Lebens.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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