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Alexander Waske im Gespräch : „Zufriedenheit ist der größte Killer im Sport“

Das ist aber letztlich eine Kostenfrage – die Eltern müssen es bezahlen können...

Definitiv ist das ein Kostenfaktor. Deswegen ist es toll, dass es Verbände gibt, in denen man für wenig Geld trainieren kann. Die Ganzheitlichkeit des Trainings ist dann in vielen Bereichen aber nur schwer darzustellen. Und ich brauche Profis beim Training - es ist ja auch viel einfacher, sich zu motivieren, wenn man gegen einen spielt, der besser ist als ich. Wenn der beste Jugendliche eines Verbandes gegen den zweitbesten im Training 6:3, 6:2 gewinnt, wie hart trainiert er wohl beim nächsten Mal?

„Mehr als ein Hoffnungssignal“: Alexander Zverev

Eines der Probleme im deutschen Tennis ist, dass Kinder mit Migrationshintergrund fehlen. Da gehen viele Talente verloren, wie man im Fußball sieht.

Wir haben ja ein paar, Zverev ist genannt worden, wir haben Andrea Petkovic, Angelique Kerber und Sabine Lisicki. Das ist zwar nicht die breite Masse, aber man muss das auch verstehen: Was kostet die Eltern ein Fußballtraining? Man müsste erst einmal an die breite Masse der Jugendlichen rankommen, um die Besten dann durch den Verband fördern zu können. Wir werden uns im Gegensatz zum Fußball aber nie an Brennpunktschulen durchsetzen und da Talente finden.

Wir haben die drei Damen mit deutsch-serbischen und deutsch-polnischen Wurzeln, wir haben Zverev mit deutsch-russischen Wurzeln, und die hat auch Rudolf Molleker, unser vielleicht größtes Jugendtalent. Ist das Zufall oder auch eine Mentalitätsfrage?

Wahrscheinlich ein bisschen von beidem. Natürlich hat der kulturelle Hintergrund der Jugendlichen damit was zu tun. Wir haben in unserer Akademie ein Problem mit Thailändern oder Indern, was Intensität und harte Arbeit angeht. Wir haben aber überhaupt keine Probleme mit Taiwanesen oder Japanern, auch wenn die beiden Länder räumlich nicht aus ganz anderen Regionen kommen. Der Kopf ist halt ganz anders gepolt, und das hat etwas damit zu tun, wie die Kinder erzogen worden sind. Aber entscheidend ist: Willst du das wirklich, Profi werden? Bist du bereit, am Geburtstag deiner Freundin nicht da zu sein? Bist du bereit, dein Essen umzustellen, keine Pizza zu bestellen? Bist du derjenige, der abends nicht weggeht, der keinen Alkohol trinkt?

Muss ein Jugendlicher diesen Willen nicht schon mitbringen?

Es sind alles verschiedene Charaktere. Für mich war es als Spieler völlig normal, immer zu kämpfen. Du trainierst stundenlang, du reist stundenlang irgendwohin, du nimmst viel auf dich und verzichtest auf viel – um dann auf dem Platz zu stehen und sich nicht anzustrengen? Das macht für mich keinen Sinn. Aber es gibt unglaublich viele, die so viel investieren und dann abschenken, weil irgendwas nicht stimmte, die Saite, die Bälle, das Wetter. Es ist so einfach, sich auf dem Platz in eine Negativität zu flüchten. Dann erklären wir es den Betroffenen immer wieder, machen Extraschichten, Straftraining, aber du musst immer sehen, was funktioniert.

Was ist die Erfahrung aus fünf Jahren Akademie?

Ich möchte immer, dass man bei uns eine besondere Energie spürt, wenn man über die Plätze läuft, dass immer überall Dampf ist. Unser größter Feind ist Bequemlichkeit. Es gibt Spieler, die supertalentiert sind, sich aber selbst im Weg stehen und am Schluss das große Ganze gefährden. Ich hatte bei uns beispielsweise einen jungen Polen, der eine tolle Technik hatte; aber er hat zu viele Matches wegen seiner negativen Einstellung verloren. Ich habe ihm mehrfach gesagt, wenn du das mit dem Kampfgeist nicht schaffst, dann hast du hier nichts zu suchen, dann können wir dir nicht weiterhelfen. In Endeffekt haben wir uns von ihm trennen müssen, und er hat mich beschimpft – ich würde schon sehen. Aber entweder wird er nicht gut, weil er seine Schwäche nicht behebt, dann hatte ich recht. Oder er will es mir zeigen, haut sich rein, wird die Nummer eins der Welt und kann dann sagen: Siehst du, Waske! Dann habe ich aber auch alles richtig gemacht - denn bei mir wäre er nicht gut geworden. Ich habe es ihm zehnmal erklärt, und wir haben es nicht hinbekommen.

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