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Handballtitel für Magdeburg : Ganz groß im kleinen Europapokal

  • -Aktualisiert am

Trainer und „Hygienebeauftragter“ des SC Magdeburg: Bennet Wiegert (Mitte) Bild: dpa

Mit Magdeburg holt schon wieder ein deutsches Handballteam den Sieg in der neugeschaffenen European League, dem Nachfolger des EHF-Pokals. Die Bundesliga-Dominanz in diesem Wettbewerb hat Gründe.

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          Schon vor Monaten hatte Bennet Wiegert einmal zugegeben, dass er sich „wie der Hygienebeauftragte“ seines Vereins fühle. Der Trainer des SC Magdeburg führte offen aus, wie viele neue Aufgaben auf ihn zugekommen seien, die nichts mit seinem eigentlichen Job zu tun haben. Gerade rund um die Reisen im Europapokal müssen die teilnehmenden Klubs eine Flut von Testungen und Dokumentationen bewältigen, um den Forderungen des Europäischen Handballverbandes (EHF) nachzukommen.

          Im Handball gibt es aber viel weniger Vereinsmitarbeiter als beispielsweise im Fußball. Vieles bleibt folglich an den Trainern hängen. Wiegert wollte nicht klagen. Er wollte nur erläutern, was es bedeutet, den Profihandball in Zeiten der Pandemie aufrecht zu halten. Und was es auch ihm abverlangt.

          „Das überdauert, das bleibt“

          Am Sonntagabend fühlte es sich für den 39 Jahre alten Magdeburger zum ersten Mal so an, als habe sich die Arbeit der vergangenen 15 Monate gelohnt: „Der Pokal und die Medaille – das überdauert die Pandemie, das bleibt. Trotz Corona.“ 28:25 hatte der SCM das Finale der neugeschaffenen European League gegen die Füchse Berlin gewonnen. Die EHF garniert den Triumph im kleinen Europapokal mit der Prämie in Höhe von 100.000 Euro. Die Füchse bekommen die Hälfte.

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          Wiegert wirkte nach dem verdienten Sieg so glücklich wie geschafft. „Ich habe die ganze Saison gelenkt“, sagte er beim Streamingdienst DAZN: „Es ging nur um Corona, es waren lauter englische Wochen. Ich habe mir gewünscht, dass die Mannschaft sich für die schwierige Saison belohnen kann. Jetzt möchte ich einfach mal nur genießen.“ Dem SCM gelang es bei diesem Final Four in Mannheim, sich zu steigern – war der 30:29-Sieg im Halbfinale nach Halbzeitrückstand gegen Wisla Plock mühsam erkämpft, profitierte Wiegerts Team gegen den Rivalen aus der Hauptstadt vom perfekten Start: 12:3. Das konnten die Füchse nicht aufholen. Im Halbfinale hatten sie den Gastgeber besiegt, die Rhein-Neckar Löwen. Die Mannschaft von Trainer Martin Schwalb musste sich nach dem Sieg gegen Plock mit dem dritten Rang begnügen.

          Magdeburg hat eine mäßige Bundesliga-Saison mit überraschenden Heimniederlagen hinter sich. Die erhoffte Qualifikation für die Champions League verpasst der SCM abermals. Die Rallye durch die European League hingegen verlief weitgehend überzeugend – die EHF hat dem früheren EHF-Pokal einen professionelleren Anstrich mit höheren Prämien gegeben: Die Debüt-Saison mit einer würdigen Endrunde in Mannheim konnte sich sehen lassen.

          Nach den letzten Titeln 2016 (national) und 2007 (international) hat der SCM nun wieder etwas für den Trophäenschrank. Diesmal ist es ein neugeschaffener Pokal, doch aus deutscher Sicht ist es nichts Neues, den kleinen Europapokal zu holen: In den vergangenen 20 Jahren waren es 18-Mal deutsche Klubs, die am Ende gewannen.

          Die Bundesliga-Dominanz hat Gründe. Während die konkurrierenden Ligen meist ein Spitzenteam stellen, das dann in der Meisterliga aufläuft, und es ab Position drei, vier deutlich schwächer wird, ist die Bundesliga so ausgeglichen, dass allen Vereinen von Rang drei bis zehn ein Erfolg in der European League zuzutrauen wäre. Man kann aus dieser Überlegenheit allerdings auch die Unterlegenheit in der Champions League ableiten: Allzu oft waren die Dauervertreter Kiel und Flensburg so zermürbt vom Gerangel in der Liga, dass meist vor dem Halbfinale der Champions League Endstation war – so auch in dieser Saison.

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