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Europameister Behrenbruch : Narziss im Big-Brother-Container

Ein Narziss auf Abwegen: Pascal Behrenbruch geht zu Big Brother Bild: AFP

Pascal Behrenbruch war für den Zehnkampf geschaffen. Deshalb irritiert sein Auftritt bei Promi-Big-Brother auch ehemalige Teamgefährten.

          Der Zeitpunkt hätte unpassender nicht gewählt sein können. Aber der Verfasser der Nachricht in eigener Sache glaubt offenbar, es sei ihm ein echter Coup gelungen: Zwei Tage nach der glanzvoll zu Ende gegangenen Leichtathletik-EM in Berlin verkündet der ehemalige Zehnkampf-Europameister Pascal Behrenbruch via Facebook: „Ready, set, go. Ich ziehe ins Promi Big Brother Haus. Schaltet ein, ab Freitag 20:15 Uhr auf Sat.1!!!“

          Vermutlich sieht der 31-Jährige die C-Promi-Show als Qualifikations-Wettkampf für das Dschungel-Camp auf RTL an, bei dem er deutlich mehr Zuschauer und Bewunderer anlocken kann. Im Vergleich zu diesem Hochamt der Trash-Kultur ist Big Brother doch eher so etwas wie eine Bezirks-Meisterschaft. Nur ohne Doping-Kontrollen. Auf der Suche nach Abenteuern verklärt Behrenbruch das Leben im TV-Container tatsächlich als „super Herausforderung für mich“.

          Klingt nach klassischem Sportler-Sprachmuster – und ist die Bankrotterklärung eines ehemaligen Athleten, der zudem noch nicht mal raus ist aus dem besten Zehnkampfalter. Behrenbruch wurde 2012 in Helsinki Europameister – zwar gegen ausgedünnte Konkurrenz, da sich einige Topsportler auf Olympia im gleichen Jahr konzentrierten, aber mit starken 8558 Punkten. „Was ist mit Zehnkampf?“ ruft ihm auch deshalb der frühere Hammerwurf-Weltmeister Karsten Kobs entrüstet zu: „Du hast doch mal was auf der Schippe gehabt! ... Wo ist das hin?“

          Mangel an Biss

          Nachdem Behrenbruch vor den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro von einem Muskelfaserriss ausgebremst wurde, ließ er seine Karriere austrudeln. Ein Muskelfaserriss ist kein Vergleich zu den Verletzungen, die etwa Arthur Abele wegsteckte, der eben erst im Alter von 32 Jahren zum ersten Mal Europameister wurde – übrigens mit 8431 Punkten, was Behrenbruchs Potential unterstreicht. „Schau mal deine Kollegen an, was die zurzeit reißen“, appelliert Kobs in seiner öffentlichen Antwort an dessen Sportsgeist. „Willst du das nicht mehr? Du bist doch noch jung!“

          Doch dem für Eintracht Frankfurt startenden Offenbacher, der sich selbst als Alphatier versteht, mangelt es offenbar an Biss. Sein zur Schau gestelltes Selbstbewusstsein wurde stets nur von Äußerlichkeiten gespeist. „Pascal war schon immer der mit dem dicksten Auspuff am BMW“, charakterisierte ihn mal ein Leichtathletik-Betreuer. Das Titelbild seiner Facebook-Seite ziert derzeit ein Zeitschriften-Cover mit der Schlagzeile „Die zehn schönsten Sportler“. Klar, wer auf dem zugehörigen Foto, mit nacktem Oberkörper, enthaart und eingecremt, am größten erscheint.

          „Dein Körper wurde für den Zehnkampf gebaut“, ruft ihm Kobs nun zu. Nicht jedem Sieger ist es aber vergönnt, ein Champion zu sein. Wie groß die Fallhöhe für prominente Athleten sein kann, denen nach Abschluss ihrer Karriere der rechte Sinn im Leben fehlt, macht das Schicksal Jan Ullrichs derzeit gerade besonders drastisch deutlich. Behrenbruch ist nicht anfällig für Süchte, außer einer gewissen Selbstsucht. Doch gerade darin könnte die Rettung des Narzissten liegen. Denn einem Ästheten wie Pascal Behrenbruch, der aus seinem Athletenleben ein Umfeld mit begnadeten Körpern gewohnt ist, kann die Freakshow voller Laien-Darsteller im Sat.1-Abendprogramm nicht gefallen.

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