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„E-Sport"-Chef teilt aus : „Wer Boxen für akzeptabel hält, soll die Klappe halten“

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Die ESL One in Köln war im Juli eines der größten „E-Sport“-Events in Europa. Bild: EPA

Der Chef der „E-Sport“-Firma ESL macht Kritikern eine deutliche Ansage und will professionelles Gaming „zur größten Sportart der Welt“ machen. Auch der DFB reagiert auf die Entwicklung – und kündigt einen neuen virtuellen Wettbewerb an.

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          Ralf Reichert, der Chef der Electronic Sports League (ESL), hat sich kämpferisch zur Zukunft des sogenannten „E-Sport“ geäußert. „Wir wollen den E-Sport zur größten Sportart der Welt machen“, sagte Reichert bei der Spobis Gaming und Media in Köln. Außerdem sei die These „Gaming wird zum größten Medium der Welt“ so intakt wie noch nie, sagte Reichert. Laut dem Geschäftsführer der ESL, dem führenden Veranstalter verschiedener „E-Sport“-Turniere und Ligen, wachsen etablierte Spiele wie Dota 2, Counter Strike oder League of Legends linear und nachhaltig. Bei der Fußball-Simulation Fifa müssten alle „an einem Strang ziehen“, um mehr Relevanz zu erreichen.

          Die ESL gebe laut Reichert pro Jahr „20 Prozent mehr Preisgeld“ aus. Beim „The International“, der WM im Fantasy-Strategiespiel Dota 2, wird derzeit aufgrund eines Crowdfunding-Systems von Hersteller Valve um ein Rekordpreisgeld von mehr als 33 Millionen Dollar gespielt. Zuletzt wurde der 16 Jahre alte Fortnite-Weltmeister Kyle Giersdorf von Hersteller Epic Games mit einer Siegprämie von drei Millionen Dollar belohnt. Mit Blick auf die Killerspiel-Debatte zog Reichert einen Vergleich: „Jeder, der Boxen gesellschaftlich für akzeptabel hält, soll bitte die Klappe halten, wenn man über Counter Strike spricht.“ Beim Ego-Shooter würden „Pixel auf Pixel“ schießen, „das kann nie so brutal wie Boxen sein“, sagte Reichert.

          Unterdessen verstärkt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sein Gaming-Engagement und ruft den sogenannten „E-Pokal“ ins Leben. Wie DFB-Interimspräsident Rainer Koch in Köln mitteilte, soll der Wettbewerb in der Fußball-Simulation „Fifa 20“ analog zum DFB-Pokal ablaufen. „Das große Ziel ist es, ein Angebot für die 25.000 Vereine zu schaffen, um sich im Wettbewerb messen zu können“, sagte Koch dem Sport Informations Dienst. Fußballvereine seien stetig in der Pflicht, sich „mit den gesellschaftlichen Veränderungen zu beschäftigen“, sagte Koch mit Blick auf die voranschreitende Digitalisierung.

          Das „Leuchtturmprojekt“ des DFB soll deutschlandweit für alle Mitglieder offenstehen und zum Jahreswechsel starten. In mehreren Vorrunden sollen beim „E-Pokal“ wie im realen Fußball die 64 besten Teams ermittelt werden, das Endspiel ist für das Pokal-Wochenende im Mai 2020 in Berlin geplant. Gespielt werden soll nicht im Einzel- bzw. Duo-Modus, sondern in größeren Teams. Allerdings werde nicht im bewährten Modus „Pro Clubs“ gespielt, in dem elf verschiedene Gamer in einem Team zusammenspielen. Die Voraussetzungen sollen für alle Teilnehmer gleich sein, die Anmeldung werde über die regionalen Vereine erfolgen.

          Koch bestärkte auch die Position des DFB, ausschließlich Fußball-Simulationen zu fördern: „Ich plädiere sehr dafür, dass sich der DFB um alles kümmert, was mit Fußball zu tun hat.“ Der Begriff „E-Football“ wurde gewählt, um auch „manchen Problemen aus dem Weg zu gehen“. Über Spiele wie League of Legends könne jeder seine eigene Meinung haben, „aber wir sind ein Fußballverband“, sagte Koch. Zuletzt hatte der DFB seine erste „E-Nationalmannschaft“ mit 21 Spielern in Fifa 19 gegründet.

          Derweil haben die Bundesligaklubs Borussia Dortmund und Fortuna Düsseldorf der Gründung eigener „E-Sport-Teams“ abermals Absagen erteilt. Dortmund werde “Fifa“ nicht „in die aktive Abteilung des BVB eingliedern“, sagte Geschäftsführer Carsten Cramer bei der Spobis.  Die Dortmunder sind offizieller Videospielpartner des Konsolenklassikers „Fifa 19“, man habe dadurch auch viele gemeinsame virtuelle Fußball-Aktivitäten. „Was mit dem Transfer von realem zu virtuellem Fußball zu tun hat, ist in Ordnung", sagte Cramer dem Sport Informations Dienst, „aber es geht nicht darum, dass wir in Trikots von Borussia Dortmund möglichst viele E-Sport-Aktivitäten entwickeln.“

          Auch Fortuna Düsseldorf wird in naher Zukunft nicht in den „E-Sport investieren. „Wir haben gar keine Pläne, weil wir uns mit dem Thema noch nicht strategisch beschäftigt haben und im Moment auch nicht wollen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Röttgermann. „Wir wollen unsere Kräfte auf den realen Fußball konzentrieren.“ Die Düsseldorfer müssen „in der Bundesliga versuchen, mit einem extrem kleinen Etat die Liga zu halten“, sagte Röttgermann, „alles, was uns defokussiert und Ressourcen bindet, können und wollen wir nicht machen. Dass wir die Diskussion trotzdem verfolgen und intern führen, ist natürlich auch klar.“ Außerdem schloss Röttgermann einen Einstieg in andere Games kategorisch aus: „Ich halte es nicht für möglich, dass etwas außerhalb von Sportsimulationen passiert.“

          Der FC Schalke 04 hat beispielsweise neben der Fußball-Simulation „Fifa“ auch ein Team im Fantasy-Strategiespiel League of Legends. Aktuell besitzen in der Bundesliga neben Fortuna und dem BVB der FC Bayern, die TSG Hoffenheim, der SC Freiburg, Union Berlin und der SC Paderborn keine „E-Sport“-Abteilung. Letzterer plant jedoch bereits den Einstieg.

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