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Radrennen Eschborn-Frankfurt : Ackermann vollendet den Angriffspakt

  • -Aktualisiert am

Pascal Ackermann beendet die Siegesserie von Alexander Kristoff. Bild: EPA

Die Frühlingsfahrt für die Pedaleure beim Rennen Eschborn-Frankfurt wird eine Fahrt zur Sonne für die heimischen Radprofis – in erster Linie für Pascal Ackermann. Der deutsche Radmeister gewinnt und belegt den Generationenwechsel.

          Ein Tag wie geschaffen für ein deutsches Radsportfest, und das war es tatsächlich auch am Mittwoch auf hessischem Terrain. Eine wahre Frühlingsfahrt für die Pedaleure, und es wurde sogar eine Fahrt zur Sonne für die heimischen Radprofis. In erster Linie für Pascal Ackermann, der sich im Spurt als der Stärkste entpuppte: Sieg an der Alten Oper in Frankfurt, knapp vor John Degenkolb und dem Norweger Alexander Kristoff, der das traditionsreiche Rennen Eschborn-Frankfurt viermal in Folge gewonnen hatte.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Diesmal fand der Mann, der in der Vergangenheit ein Spielverderber aus Sicht seiner deutschen Konkurrenten war, seine Meister. Der deutsche Meister Ackermann, einer der aufstrebenden deutschen Profis, profitierte bei seinem Coup maßgeblich von der exzellenten Unterstützung durch sein Team Bora-hansgrohe. „Es ist ein geiles Gefühl, es so zu vollenden“, sagte Ackermann salopp. Degenkolb, der als letzter Deutscher im Jahr 2011 in Frankfurt ganz oben auf dem Podium gestanden hatte, musste akzeptieren, dass sein Landsmann Ackermann am Ende ein bisschen mehr Power hatte. Doch der Lokalmatador nahm für sich in Anspruch, eine „ziemlich gute Show“ gezeigt zu haben.

          Showdown in der City nach 187,5 Kilometern. Die Strecke war gegenüber den Vorjahren verkürzt worden, beinhaltete aber immer noch – mit insgesamt 3222 Höhenmetern – etliche schwere Anstiege, den Feldberg oder den Mammolshainer „Stich“. Eine Rampe, die gleich viermal überquert werden musste. Letztlich investierte das Team Bora-hansgrohe eine Menge, um Ackermann in eine günstige Situation für die zu erwartende Sprintankunft zu bringen.

          Bei bestem Wetter fuhren die Teilnehmer am Feiertag durch Frankfurt und Umgebung.

          Auf den letzten Kilometern führte die Equipe aus Raubling in Oberbayern in bemerkenswerter Manier das Feld an, als Verfolger einer kleinen Fluchtgruppe, die keine Chance gegen die Jäger hatte. So wie Degenkolb und Kristoff dem Speed von Ackermann nicht gewachsen waren. „Der Plan ging voll auf“, sagte zufrieden Ralph Denk, der Eigner des Raublinger Teams. Es war ganz auf Angriff eingestellt. Auch weil, wie Denk sagte, das Rennen in Frankfurt, das im deutschen Radsport-Kalender eine große Strahlkraft besitzt, „einen besonderen Stellenwert für uns hat“.

          Die deutsche Radsport-Garde war bereits mit großem Selbstbewusstsein nach Hessen gekommen, in jedem Fall ein Teil von ihr. Nicht zuletzt Nils Politt, der katapultartig in die Spitze der Branche vorgestoßen ist. Und mutig behauptet, dass er in seinem Beruf jetzt da angekommen sei, wo er immer hin wollte. Heißt: Der Rennfahrer vom Team Katusha-Alpecin sieht sich inzwischen in der Lage, ganz vorn im Peloton mitzumischen. Einer, den auch harte Bedingungen nicht schrecken können und der nun nach Platz zwei bei der „Königin der Klassiker“, bei Paris–Roubaix, nach höchsten Weihen bei diesem Radsport-Monument strebt. „Der kleine Pflasterstein ist schon zu Hause“, sagte Politt über seine Ausbeute im April im Norden Frankreichs, „der große Bruder muss noch kommen.“ Am Mittwoch allerdings konnte Politt nicht in die Entscheidung eingreifen.

          Politt steht wie Maximilian Schachmann, der nicht in Hessen startete, oder Ackermann für eine Verschiebung der Kräfte im deutschen Radsport. Männer allesamt, die mit Macht nach oben streben, die sich als „Nachfolger“ von Profis wie Degenkolb, Tony Martin, Marcel Kittel, der momentan ohnehin nicht wirklich wettbewerbsfähig zu sein scheint, oder André Greipel in Position bringen. Sie waren jahrelang das Maß der Dinge im Radsport hierzulande, sie machten sich als Siegfahrer einen Namen, nicht zuletzt bei der Tour de France, sie gerierten sich zudem vehement als Anti-Doping-Kämpfer. Jetzt erleben sie, wie andere gehörig Tempo machen und dabei sind, sozusagen ein neues Koordinatensystem in Radsport-Deutschland zu errichten.

          „Ich denke, wir arbeiten uns gerade ran“, sagte Politt über den sich abzeichnenden Generationswechsel. Degenkolb, einer der Älteren, findet, dass dies eine gute Sache sei. Er preist vor allem das Aufbauwerk des Teams Bora-hansgrohe, wo Schachmann, Ackermann und auch Emanuel Buchmann, der bei der Tour diesmal in den Fokus rücken soll, unter Vertrag stehen. Das sei doch genau das, was der deutsche Radsport gebraucht habe, sagte Degenkolb – eine Mannschaft nämlich, in der sich nationale Talente entwickeln könnten. „Das tut dem gesamten deutschen Radsport gut.“ Das Geschehen am Mittwoch war ein weiterer eindrucksvoller Beleg dafür.

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