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Eschborn–Frankfurt am 1. Mai : Die Rad-Lobbyistin Nadine Groß

  • -Aktualisiert am

Touren mit Aussicht: Nadine Groß steht vor der Burg Kronberg. Bild: Lucas Bäuml

Ihr Vater Michael schwamm zu Olympia-Gold, Nadine Groß fährt für ihr Leben gern Fahrrad und will auch andere dafür motivieren. Das Rennen am 1. Mai ist für sie mit vielen Erinnerungen verbunden.

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          Stimmt eigentlich“, sagt sie und nickt schmunzelnd, „ich bin sieben Tage je Woche 24 Stunden lang von Rädern umgeben oder mit dem Thema Fahrrad beschäftigt.“ Ihre zwei Rennräder haben in ihrer Wohnung genauso ihren Platz wie Tisch und Bett. Ihr Crossrad auch – jedenfalls wenn es geputzt ist. Werktäglich ist es nämlich im Dauereinsatz. Nadine Groß bewältigt ihren Arbeitsweg von Königstein nach Frankfurt-Rödelheim mit dem Rad, zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter, 20 Kilometer und 420 Höhenmeter je Strecke.

          Angekommen im Büro von iQ athletik lehnen einige Velos an Wänden und Regalen. Fast alle Mitarbeiter des jungen Teams praktizieren „bike to work“, pendeln mitunter aus knackigen Entfernungen aus dem Umland im Sattel nach Frankfurt. Und im Arbeitsalltag? Drehen sich die Räder weiter. iQ athletik ist ein Anbieter für Leistungsdiagnostik, Trainingssteuerung, Bikefitting und Ähnliches. Kunden, Breitensportler mit guten Vorsätzen wie Triathlon-Profis auf Tausende Euro teuren Rennmaschinen, werden in den Räumen vermessen, getestet und nicht selten fit gemacht.

          Groß hat Fitness- und Gesundheitsmanagement studiert, ist zudem ausgebildete Gruppenfitness- und Personaltrainerin. Sie betreut unter anderem Projekte mit Firmen, bei denen die (Elek­tro-)Fahrräder der Mitarbeiter richtig auf die jeweiligen Maße der Fahrer eingestellt werden, damit Knie, Rücken und Hüften nicht durch Fehlbelastung geschädigt werden. Kaum eine Facette des Radfahrens, mit der Nadine Groß nicht zu tun hat. Kein Wunder, dass sie mit der Anschaffung eines Mountainbikes zur Verstärkung ihres Zweirad-Fuhrparks liebäugelt.

          Dazu kommt ihr eigenes intensives Radtraining – 14 Stunden je Woche nach festem Trainingsplan. Neuland für die 26-Jährige, die sich zuvor nur aus drei Gründen in den Sattel für ihre rund 10.000 Kilometer im Jahr schwang: „Leidenschaft, Spaß, Bock drauf“, wie sie sagt. Aus Freude an der Bewegung, aus Freude am Naturerlebnis gerade morgens um 6.00 Uhr, wenn sie mitunter schon durch den Taunus fährt. Als Schülerin war sie früher oft mit dem Rad unterwegs, um von A nach B zu kommen. In der Vorbereitung auf das Abitur 2014 ist sie häufig den Altkönig hinaufgefahren und hat sich zum Lernen auf immer den gleichen Baumstamm gesetzt. „Der liegt immer noch dort“, erzählt Groß.

          „Ich sitze beruflich an der Quelle“

          Mit Fettstoffwechsel, anaerober Schwelle und so weiter hat die Athletin sich bislang nur beruflich bei anderen beschäftigt. Nun findet sie sich schon seit Monaten damit ab, dass für ihre Grundlagenausdauer auch über dreistündige Einheiten im lockeren Tempo gefahren werden müssen. Obwohl sie von ihrem Rad-Naturell eigentlich anders tickt. „Ich bin immer lieber 90 Minuten oder zwei Stunden geballert. Ob auf der Straße oder im Gelände oder durch Matsch und Schnee im Taunus“, sagt sie.

          Zudem war es nicht leicht, von den Freunden, mit denen sie regelmäßig fährt, jemanden für dreistündige Ausfahrten in Nieselregen und Novemberkälte zu begeistern – weil der Trainingsplan es so vorschreibt. Regelmäßig ein gepflegter Ritt mit Freunden gehört für sie weiter dazu. Aber das Vorhaben, sich einmal bestmöglich und auf den Punkt, ja nahezu professionell auf ein Rennen, ihr Heimrennen an diesem Sonntag, vorzubereiten, motiviert sie.

          „Ich sitze ja beruflich an der Quelle“, sagt sie. Und mit dem Radklassiker Eschborn–Frankfurt verbindet sie von klein auf vieles. Sie ist in Frankfurt geboren und in Königstein unweit der Strecke aufgewachsen. Am 1. Mai war sie schon als Kind fasziniert von den Rennfahrern, die einmal im Jahr plötzlich die Straßen bevölkerten.

          Daheim ist es Tradition am Renntag, dass ihre Mutter die Augen verdreht, erzählt Groß lachend, weil das Auto aufgrund der Straßensperrungen nicht bewegt werden kann. Ihr Vater war dabei im vergangenen September, als Eschborn–Frankfurt coronabedingt in den Herbst verschoben werden musste. Sie standen gemeinsam am Ruppertshainer Berg und erwarteten die Ankunft des Profifeldes. Da wuchs bei Groß die Idee, mit Zielrichtung 1. Mai 2022 ihre Radleidenschaft von der Ebene „Lust und Laune“ auf „Radsport, aber jetzt mal richtig“ zu heben, erzählt sie.

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