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NBA : Nowitzki und der Zahn der Zeit

  • -Aktualisiert am

Abgang: Dirk Nowitzki verlässt das Spielfeld in Houston Bild: AP

Basketballstar Nowitzki scheitert mit Dallas wieder in der ersten Play-off-Runde. Seine Trefferquote und Konstanz lassen nach, seine Rolle muss sich weiter verändern.

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          Die „Dallas Morning News“ gingen mit dem Basketball-Idol der Stadt hart ins Gericht: „Nowitzki, Held so vieler Play-off-Spiele in seiner historischen Karriere, hätte den Korb in der ersten Halbzeit nicht mal mit einem GPS gefunden.“ Dirk Nowitzki hatte am Dienstag bei der 94:103-Niederlage in Spiel fünf gegen die Houston Rockets gewiss einen schwachen Abend erwischt, den Kapitän und Publikumsliebling allerdings hauptverantwortlich für das Ausscheiden der Dallas Mavericks in der ersten Play-off-Runde der NBA zu machen, ist falsch. Es gibt diverse Gründe für die Niederlage des Meisters von 2011 in diesem texanischen Duell über fünf Spiele: schwerwiegende Verletzungen wichtiger Spieler wie Chandler Parsons, Probleme zwischen Trainer Rick Carlisle und Spielmacher Rajon Rondo, die schlechte Verteidigung der Mavericks. Aber vor allem war Houston Dallas in der best-of-Seven-Serie in allen Belangen überlegen. „Es ist natürlich enttäuschend, aber wir haben alles gegeben. Wir sind einfach auf eine Mannschaft getroffen, die besser war“, sagte Nowitzki.

          Dennoch ist etwas dran an der Kritik des texanischen Blattes: Nowitzki traf in der Spielzeit 2014/15 45,9 Prozent seiner Würfe aus dem Feld. Das ist an sich ein guter Wert, aber um ein Team als Spitzenkraft zu führen und in der regulären Saison in eine gute Ausgangsposition für die Play-offs zu hieven, reicht diese Wurfleistung in der stärksten Basketballliga der Welt nicht mehr aus. Die besten Spieler der NBA, Stephen Curry, LeBron James oder Blake Griffin, liegen bei ihrer Wurfausbeute in unmittelbarer Nähe der 50-Prozent-Marke oder sogar darüber. Nowitzki bewegte sich vor ein paar Jahren auch in diesen Sphären. In der Meistersaison 2011 traf der Würzburger gar mit 51,7 Prozent seiner Versuche – eine überragende Quote. Doch so schlecht wie in der abgelaufenen Spielzeit hatte er zuletzt vor zehn Jahren getroffen (wenn man die durch Verletzungen unterbrochenen Jahre nicht berücksichtigt.).

          Die diesjährige Play-off-Serie gegen die Houston Rockets spiegelte die Entwicklung der vergangenen Jahre. Beim 94:103 am Dienstag gelangen Nowitzki zwar 22 Punkte. Aber nur acht seiner 23 Feldwürfen trafen, alle sechs Dreipunkte-Würfe verfehlten das Ziel. Nowitzki stellte damit seinen Negativrekord in der K.o.-Runde ein. Auch im zweiten Spiel wusste er nicht zu überzeugen, versenkte nur drei seiner 14 Würfe im Korb und kam nur zu zehn Punkten. Dass er es noch kann, zeigte der Würzburger im dritten Match. Bei der knappen Niederlage gegen Houston (128:130) erzielte er 34 Punkte. Und in Spiel vier machte er zehn seiner 16 Punkte im Schlussviertel, als es darauf ankam, sogenannte „big points“, die von Nervenstärke und Entscheidungswillen zeugen. Nowitzki trug entscheidend zum einzigen Sieg der Mavericks in dieser Play-off-Runde bei. Aber es gelingt dem großen Blonden nicht mehr, solche Leistungen über einen konstanten Zeitraum hinweg zu bieten. Seit dem Meisterschafts-Triumph 2011 konnte Dallas keine K.o.-Runden-Serie mehr gewinnen.

          Zu selten erfolgreich: Auch Nowitzki war von Bestform entfernt

          Das Nachlassen der Leistungsfähigkeit im Alter von 36 Jahren hat weder Nowitzki noch Trainer Rick Carlisle überrascht. Der schont den Deutschen bewusst und vertraut in den entscheidenden Szenen immer mehr dem jüngeren Monta Ellis, dem erfolgreichsten Werfer der Mavericks in dieser Saison. Doch der verdrehte sich am Dienstag in den Schlussminuten das Knie und musste von der Bank aus miterleben, wie Houston zum ersten Mal seit 2009 wieder in die zweite Runde einzog. Falls es den Mavericks in der nächsten Saison gelingt, den Kader punktuell zu verstärken, wäre es eine Option, den dann 37 Jahre alten Nowitzki ausgeruht von der Bank ins Spiel eingreifen zu lassen. Das wäre für alle Beteiligten ein Novum und ein gewisses Risiko. Aber eines, das einen Versuch rechtfertigt.

          Bei aller Enttäuschung gibt es in der deutschen Basketballszene zumindest eine Hoffnung. Nowitzki kann nun früher Urlaub machen und sich länger erholen. Vielleicht steigert diese unverhoffte Auszeit den Wunsch, im Spätsommer in Deutschland zu spielen. Denn der Dallas-Star wollte seine Entscheidung über die Teilnahme an der Europameisterschaft im September von seiner Belastung in der Play-off-Phase abhängig machen. Geringer konnte sie kaum sein.

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