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Wasserbotschafter Ernst Bromeis : Nichts wie Rhein

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„Das ist kein Wellness-Trip“: Ernst Bromeis krault durch den Bodensee. Doch die Unwägbarkeiten warten noch auf ihn. Bild: Foto gartmann.biz

Ernst Bromeis fordert den Fluss heraus. Er will den ganzen Rhein bis zur Nordsee durchschwimmen. Tagein, tagaus. Eine Grenzerfahrung mit Botschaft: „Ohne Wasser funktioniert auf dieser Welt nichts.“

          Der Rheinfall bei Schaffhausen. Es ist kurz nach acht, die Sonne steht noch tief über den reißenden Wassermassen. Das Thermometer zeigt bereits 29 Grad an. Die ersten Touristen richten ihre Kameras auf das schäumende Ungetüm, als ein hoch aufgeschossener Mann Kurs auf das Ufer nimmt. Ernst Bromeis trägt Shorts, T-Shirt und Sonnenbrille. Er hat graue, kurze Haare, die Haut ist unregelmäßig sonnengebräunt. Die Stirn teils weiß, teils braun, die Nase pellt sich, die Hände dunkel, die Arme hell, die Haut unter dem goldenen Ehering weiß: Jeder, der im Sommer schon mal mit einem Neoprenanzug geschwommen ist, kennt dieses Muster.

          Ernst Bromeis ist seit zwei Stunden auf den Beinen und gut gelaunt. Zwei harte, weil kalte erste Wochen im Rhein stecken dem 46 Jahre alten Schweizer bereits in den Knochen. Und er hat noch viel vor sich. Vor zwei Jahren hatte sich Bromeis erstmals auf die 1238 Kilometer lange Strecke gewagt, nach knapp 400 Kilometern aber den Belastungen Tribut zollen und abbrechen müssen.

          Seit dem 7. Juli ist er wieder unterwegs. Ob es diesmal klappt? Die Unwägbarkeiten, die zwischen dem Lago di Dentro im Tessin und Rotterdam lauern, sind groß. Doch der heutige Tag verspricht gut und warm zu werden. Er freut sich auf die bevorstehende Etappe. Am Steg erwartet ihn sein Team. Pablo, ein bärtiger Seemann, steht am Steuer eines Motorbootes, das Bromeis eigens für die Reise gekauft hat. Auf dem Wasser wird die „Blue Connects“ stets an der Seite des Schwimmers bleiben. Ein Kamerateam verlädt Equipment und bereitet sich auf einen langen Tag vor. Betreuer Martin Hänggi, der über Land zum nächsten Treffpunkt fahren wird, versorgt den Sportler mit den letzten Details zur heutigen Route.

          „Der Rhein ist eben kein Spielzeug“

          „Route“ klingt eigentlich seltsam. Schließlich ist es nicht so, dass Bromeis zwischen mehreren Wegen wählen könnte. Der Rhein kennt nur eine Strecke. Doch die birgt auch Gefahren, zum Beispiel an den Stauwehren. „Das ist kein Wellness-Trip“, entgegnet Bromeis seinen Kritikern, die sagen, da habe sich nur einer eine Badehose gekauft und lasse sich nun den Rhein hinuntertreiben. „Ich habe auch Angst. Der Rhein hat liebliche Passagen, aber auch ganz gefährliche Ecken, die du besser nicht schwimmen solltest. Sonst kommst du ums Leben.“

          Vorsichtig gleitet Ernst Bromeis ins Wasser. Doch die Wellen sind zu stark. Nach wenigen Sekunden greift er nach einem Felsen am Uferrand und zieht sich wieder heraus. Gerade noch rechtzeitig. „Das Wasser hat mich runtergezogen. Das war wie ein Lift“, erklärt er später. Nicht zum ersten Mal machen die tückischen Strömungen des Rheins dem Schwimmer zu schaffen. „Wenn du da einmal drin bist, kommst du kaum mehr raus. Das war kein gutes Gefühl. Aber der Rhein ist eben kein Spielzeug.“

          Los geht’s im Lago di Dentro im Tessin. Bilderstrecke

          Warum also nimmt sich jemand vor, den Strom zu durchschwimmen? Warum sollte jemand auf dem Weg aus den Alpen bis in den Bodensee bei Wassertemperaturen knapp über null Grad eine Lungenentzündung riskieren? Warum sollte jemand mehrere Wochen in einem Fluss schwimmen, der, je industrieller seine Umgebung wird, desto weniger für seine Wasserqualität berühmt ist? Ist das nur der Ego-Trip eines Verrückten, der beweisen will, dass man alles schaffen kann, wenn man es nur will?

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