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Erik Zabel : Zu spät beim Unternehmen "Tigersprung"

Typisch: Erst kommt Ullrich, dann Zabel Bild: dpa/dpaweb

Die Woche der Sprinter ist vorbei, und noch immer hat Erik Zabel keine Tour-Etappe gewonnen. Kann der 34jährige im Muskelspiel der schnellen Männer noch eine entscheidende Rolle spielen?

          3 Min.

          Er schätzt es als besonderen Genuß, sich in der Natur zu bewegen, am liebsten auf einem surrenden Rennrad. Erik Zabel macht solche Ausflüge gerne alleine. Er sagt, er sei ein "Trainingstier".

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Das ist die Basis einer bemerkenswerten Karriere, auch bei der Tour de France hat Zabel sich damit einen Namen gemacht mit zwölf Etappensiegen und sechs Grünen Trikots. Doch im Glanz großer Triumphe hat er sich seit längerem nicht mehr sonnen können auf Frankreichs Straßen; nach der Woche der Sprinter stand Zabel noch kein einziges Mal auf dem Podium. Auch am Dienstag, als sich der Australier Robbie McEwen seinen zweiten Etappensieg holte und der Franzose Thomas Voeckler das Gelbe Triko verteidigte, reichte es nur zu Platz fünf. Das belebt die Diskussion darüber, ob der 34 Jahre alt gewordene Profi im Muskelspiel der schnellen Männer noch eine entscheidende Rolle spielen kann.

          Zabel sammelte immerhin eifrig Punkte in den vergangenen Tagen, auch wenn er am Dienstag in der Wertung um das Grüne Trikot hinter den Australiern McEwen und Stuart O'Grady und dem Norweger Thor Hushovd auf Rang vier zurückgefallen ist. Zabel ist, in Wasquehal, auch einmal Etappenzweiter geworden. Das sind Belege dafür, daß der Berliner mit Wohnsitz Unna doch noch zu den Besseren seiner Branche zählt. Dennoch entstand der Eindruck, daß Zabel der Punch, der notwendig ist, um sein Rad mit einem "Tigersprung" als Erster über die Ziellinie zu wuchten, abhanden gekommen zu sein scheint.

          Einzelkämpfer Zabel

          Mehrere Sprinter haben bislang bei der Tour ihre Sehnsucht erfüllen können. Bis auf Doppelsieger McEwen war es täglich ein anderer. "Zabel und ich sind die einzigen, die bisher nicht das Glück hatten", sagte Danilo Hondo, der beim Team Gerolsteiner bei den Massenspurts der Trumpf sein sollte. Der Cottbuser, obwohl von seinem Team stärker unterstützt als Zabel bei T-Mobile, mußte sich mit vierten Plätzen begnügen und wurde am Dienstag Achter.

          Als Einzelkämpfer in seinem Rennstall hatte Zabel versucht, sich an anderen Größen des Metiers zu orientieren und sich von ihnen gewissermaßen ziehen lassen. So bemühte sich der Deutsche zunächst, das Hinterrad von Alessandro Petacchi zu suchen - doch der später wegen einer Verletzung ausgeschiedene Italiener trat nicht wie gewünscht in Erscheinung. "Das war nicht die beste Wahl", sagte Olaf Ludwig, Sprecher von T-Mobile, zum Vorgehen von Zabel. Schließlich mußte er auch erkennen, daß keine Equipe mehr wirklich imstande ist, einen sogenannten Zug zu bilden, mit dessen Hilfe Sprinter in Position gebracht werden. Fassa Bortolo hatte dies noch im Vorjahr erfolgreich mit Petacchi praktiziert, und einst hatte sich auch Mario Cipollini auf den Hochgeschwindigkeitsexpress von Saeco verlassen können. "Irgendwann wird das mal zerschlagen", sagt Ludwig - mit der Folge, wie in diesem Sommer zu sehen, daß dadurch in der Welt der Sprinter eine größere Vielfalt entsteht.

          Die anderen sind schneller geworden

          "Es geht immer hin und her", sagte Hondo zu den Sprintankünften mit beinahe ständig wechselnden Siegern. "Die Leistungsdichte ist größer geworden." Bei Zabel stellte der Profi aus der Lausitz dennoch einen Aufwärtstrend fest. "Langsam zeigt seine Kurve nach oben", behauptet Hondo. Und auch bei T-Mobile mag man nicht den Stab über Zabel brechen. "Man kann nicht sagen, daß er langsamer geworden wäre", sagte Ludwig. Allerdings räumt er ein, daß manche Rivalen einen deutlichen Fortschritt gemacht haben und Zabel damit verdrängten: "Die anderen sind schneller geworden." Das ist die Crux von Zabel: Noch immer gehört er zu den auffallenden Figuren der Sprinterszene, doch er ist mittlerweile häufig, manchmal nur um Zentimeter, hintendran.

          Walter Godefroot, Teamchef von T-Mobile, ist trotzdem überzeugt davon, mit Zabels Nominierung für die Tour richtig gelegen zu haben. "Er hat das Recht dabeizusein", sagte der Belgier, und er betonte, daß dies nichts mit Zabels Verdiensten von gestern zu tun habe, "sondern mit seinem Talent". Godefroot hält Zabel für fähig, "mit den anderen in Konkurrenz zu gehen", er sei ein Kämpfer. Es gibt jedoch bei dieser Tour nur noch wenige Gelegenheiten zum großen Wurf. Vielleicht ist der Sonntag ein solcher Tag, wenn die Karawane von Carcassonne nach Nimes zieht. Ansonsten bliebe noch der letzte Tag, der Einzug auf die Champs-Elysees in Paris. Es wäre eine besondere Pointe, würde sich Zabel in schwierigen Zeiten just dort durchsetzen.

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