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Tour de France : Erik Zabel: „Über mich ist der Stab gebrochen“

  • Aktualisiert am

Bei der Feinarbeit: Erik Zabel Bild: AP

Erik Zabel vor dem Start der Tour de France über ausbleibende Siege im Sprint, die ewige Frage nach dem Karriere-Ende, Doping und das Besondere an Jan Ullrich.

          7 Min.

          Bereitet Ihnen die Tour de France Sorge?

          Nee.

          Zuletzt hieß es allerdings, Sie hätten Ihren Punch als Sprinter verloren.

          In der Deutschland-Tour war er natürlich nicht zu erkennen. In anderen Rennen war er da.

          Empfanden Sie, als Sie bei keinem der Spurts während der Deutschland-Rundfahrt siegten, eine gewisse Ohnmacht?

          Vor allem mit der Erfahrung, daß es auch anders geht, ist es nicht unbedingt eine Situation, in der man besonders glücklich ist. In den Vorbereitungsrennen lief es ganz gut. Da wo es laufen sollte, ging es nicht so gut.

          Woran lag das?

          Eine Erklärung ist, daß das Wetter - beginnend mit dem Henninger Turm im Mai - immer sehr schlecht war bei den Rennen, bei denen ich gestartet bin: Temperaturen zwischen sieben und 13 Grad und sehr viel Regen. Die Deutschland-Tour hat sich komplett in diese Reihe eingefügt. Wenn man nur Regenrennen fährt, geht es irgendwann an die Substanz und an die Muskeln. Das hat sich doch schon bei mir ausgewirkt.

          Sie hatten Ihr Programm für diese Saison umgestellt und im Frühjahr weniger Rennen als sonst bestritten. War dies generell richtig?

          Im nachhinein muß man sagen, daß es - eben wegen der Witterungsbedingungen - vielleicht nicht so schlau gewesen ist. Bei der Flandern-Rundfahrt und bei Paris-Roubaix, bei denen ich nicht gefahren bin, herrschten beispielsweise sehr gute Verhältnisse.

          Bei der Tour müssen Sie sich mit geballter Konkurrenz aus Australien, Italien, aus Belgien und nicht zuletzt mit dem deutschen Rivalen Danilo Hondo auseinandersetzen. Sind Sie dafür gewappnet?

          Es war eigentlich immer so, daß viele gute Fahrer da waren. Aber ich möchte mich eigentlich gar nicht zu meinen Aussichten äußern. Da gibt es inzwischen so viele, die über meine Chancen oder meine nicht mehr vorhandenen Chancen reden. Warum soll ich mich da einmischen? Das interessiert mich nicht.

          Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?

          Jeder darf ja seine Meinung sagen, und wir haben, was das betrifft, wirklich sehr viele Experten. Wenn ein Jan Ullrich die Form nicht hat, wird mit Kritik nicht gespart. Dieselben Leute sind dann die ersten, die im anderen Fall sofort wieder Lobeshymnen singen. So ähnlich war es bei mir auch immer. Aber so eine Kritik muß man sich auch hart erarbeiten. Andere Rennfahrer, die weniger Resultate aufzuweisen haben als ich, werden schon etwas pfleglicher behandelt. Ich war immer auch fair genug, zuzugeben, wenn jemand besser war. Da ist es viel einfacher, draufzuhauen, wenn man weiß, da kommt wahrscheinlich nicht so viel zurück.

          Glauben Sie, daß Sie in der Öffentlichkeit bisweilen entschiedener Stellung in eigener Sache hätten nehmen müssen?

          Das ist nie meine Art gewesen. Und ich werde mich trotz der neuen Mediensituation nicht ändern. Ich hatte vor den Rennen immer versucht, die Ziele relativ klein zu halten. Denn wo ich herkomme, ist es so, daß man sich an seinen Worten messen lassen muß. Das ist heute nicht mehr so. Heute geht's nur darum, daß man vorher kräftig klingelt. Wie das Ergebnis dann ausfällt, ist etwas völlig anderes.

          Was erachten Sie nun als realistischer: eine oder mehrere Etappen bei der Tour zu gewinnen oder womöglich noch einmal - zum siebten Mal - das Grüne Trikot?

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