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Erik Zabel im Interview : „Niemand kann alleine gewinnen“

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Das würde auf das persönliche Verhältnis zu Walter Godefroot oder Olaf Ludwig keinen Einfluß haben.

Haben Sie Ihren Fahrstil umgestellt? Bei der Flandern-Rundfahrt hat Ihr offensiver Auftritt viele Beobachter überrascht.

Ich hatte bei der Flandern-Rundfahrt einen guten Tag erwischt. Er und Mailand- San Remo waren wahrscheinlich meine beiden besten Tage in der bisherigen Saison. Zusätzlich kam die etwas neue Situation für mich, daß ich im Rennen eine freiere Rolle hatte und unsere Kapitäne Wesemann und Klier so gut wie möglich unterstützen sollte. Ich war froh, daß es mir gelungen ist, durch die offensive Fahrweise das Feld ein bißchen aufzubrechen und den Weg für Klier freizumachen. Insofern war ich mit dem Ergebnis und der Fahrweise zufrieden.

Werden Sie Ihren Stil dauerhaft umstellen?

Nein, das kann man so nicht sagen. Es kommt immer darauf an, in welcher Situation ich bei welchem Rennen fungieren muß. Wenn zum Beispiel beim Henninger-Turm die Möglichkeit besteht, daß eine Gruppe von zwanzig, dreißig Fahrern zusammen zum Ziel kommt und ich da drin sein sollte, dann muß ich natürlich sehen, daß ich so frisch wie möglich aus dem Taunus auf die Zielrunden komme, um dann noch einen guten Spurt zu fahren. Das heißt dann natürlich auch, daß ich vorher keine verrückten Sachen machen kann, dann sind andere aus der Mannschaft gefordert, entweder ihre Chance zu suchen oder mich so zu unterstützen, daß es im Sprint funktionieren kann. Es hängt also immer von der Kondition ab und von der taktischen Konstellation, die die Mannschaftsleitung für die einzelnen Fahrer vorgibt.

Wann wird die Renntaktik festgelegt, zum Beispiel für "Rund um den Henninger-Turm"?

Entweder am Abend vor dem Rennen oder erst am Morgen. Die acht Fahrer kommen zusammen, die Mannschaftsleitung hat zuvor mit den einzelnen Fahrern gesprochen und gefragt, wie sich jeder einschätzt. Dann sitzt die Mannschaftsleitung zusammen, bespricht die mögliche Taktik. Oft ist es auch so, daß man am Morgen in der Mannschaftsbesprechung noch auf neue Sachen eingehen muß. Einer hat schlecht geschlafen, fühlt sich nicht gut. Ein anderer hat über Nacht irgendein Zipperlein bekommen, darauf muß aktuell reagiert werden. Wenn alles klar ist, werden die Aufgaben verteilt.

Wie ehrlich ist man als Fahrer bei der Selbsteinschätzung vor dem Rennen, wenn es um schlaflose Nächte und andere Zipperlein geht?

Man muß ehrlich sagen, okay, ich kann diese Aufgabe erfüllen oder ich kann sie nicht erfüllen. Man würde sich selbst nur schaden, wenn man sich besser machen würde, als man ist. Aber es ist auch mir schon passiert, daß ich vor dem Rennen gesagt habe, ich fühle mich gut - und war dann im Sprint schwach. Ähnliches hat jeder andere Kapitän auch schon erlebt.

Der groß angekündigte Zweikampf in Frankfurt fällt aus: Zabel gegen Hondo, und er fällt dauerhaft aus. Jetzt bleibt der alte Zabel die deutsche Nummer 1 der Sprinter. Was sagen Sie zum Dopingfall Hondo?

Gar nichts. Ich muß nicht zu allem meinen Senf dazugeben.

Ein Gegner weniger für Sie, aber auch eine Attraktion weniger für die Zuschauer.

Man hat bei "Rund um Köln" gesehen, daß dieses Duell aufgebauscht wurde und dazu führte, daß wir, Hondo und ich, uns so sehr in Manndeckung genommen haben, daß die Entscheidung ohne uns stattfand. Das alles war sehr schwierig, gerade bei der Konkurrenz der beiden großen deutschen Teams. Wenn man ehrlich ist, dann gibt es immer die Gefahr, daß eine Denke entsteht, die sagt: Wir können jetzt nicht gewinnen, aber ihr dann auch nicht. Aus dieser Situation heraus haben bei deutschen Rennen die kleineren Mannschaften oft ihren Vorteil gezogen.

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