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Erik Zabel im Interview : „Lassen Sie mich so naiv sein und an den Radsport glauben“

  • Aktualisiert am

Die späte Reue: Am 24. Mai 2007 gestand Zabel, dass er im Jahr 1996 Epo gespritzt hatte Bild:

Zum 14. Mal bei der Tour de France: Erik Zabel führt das Team Milram als Kapitän an. Der 37 Jahre alte Sprinter hat trotz seiner Doping-Vergangenheit noch immer eine große Fangemeinde - allerdings schlagen ihm auch Misstrauen und Zweifel entgegen.

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          Zum 14. und wohl zum letzten Mal bei der Tour de France: „Altmeister“ Erik Zabel führt das Team Milram bei der am Samstag in Brest beginnenden Frankreich-Rundfahrt als Kapitän an - mit dem Auftrag, nicht zuletzt seinen Kollegen Christian Knees zu unterstützen. Der 37 Jahre alte Sprinter aus Unna hat trotz seiner Doping-Vergangenheit noch immer eine große Fangemeinde - allerdings schlagen ihm nach seinem Doping-Geständnis am 24. Mai 2007 auch Misstrauen und Zweifel entgegen.

          Haben Sie überhaupt noch genügend Kraft für die Tour? Immerhin haben Sie schon den Giro und die Tour de Suisse bestritten – nicht gerade wenig für einen 37 Jahre alten Profi.

          Ich hatte auch nicht geplant, den Giro zu fahren. Das hatte sich durch die Sperre für Alessandro Petacchi kurzfristig ergeben. Ich hatte vorher durch einen Sturz und eine Verletzung auch ein paar Tage Auszeit, so dass sich das kompensieren ließ. Ich fühle mich zur Zeit ziemlich fit, ich bin da optimistisch.

          Der Schatten seiner Selbst: Haben die Radsportler dazugelent?
          Der Schatten seiner Selbst: Haben die Radsportler dazugelent? : Bild: REUTERS

          Das Feld der Sprinter hat sich gelichtet: Petacchi wird fehlen, Tom Boonen darf nach seinem Kokainkonsum nicht teilnehmen, Daniele Bennati sagte wegen einer Verletzung ab. Spekulieren Sie nun noch mal auf das Grüne Trikot?

          Vor zwei Jahren war ich Zweiter, im letzten Jahr Dritter – das „virtuelle Podium“ ist schon einen Gedanken wert. Durch die Abwesenheit der drei Genannten wird es natürlich sehr interessant. Es ist ganz schwer zu sagen: Ich fahre nur zur Tour, um mitzufahren. Es ist nachvollziehbar, dass man dann sagt: Es ist einen Versuch wert. Wie realistisch das ist, wird sich schon am ersten Tag zeigen. Es ist aber wichtig für das Team und den Sponsor, dass man ein solches Ziel offensiv verfolgt.

          Sie haben insgesamt sechs Mal das Grüne Trikot gewonnen – jenes von 1996 wurde Ihnen nach Ihrem Doping-Geständnis aberkannt. Haben Sie es der Tour zurückgegeben?

          Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt noch eines zu Hause habe. Das Team war immer sehr groß, die Freunde waren auch sehr zahlreich zu der Zeit, da musste man sehen, dass man überhaupt noch ein Trikot von Paris mit nach Hause nehmen konnte.

          Ist die Zahl der Freunde inzwischen zurückgegangen?

          Die der echten Freunde nicht.

          Können Sie denn auf die Schnelle eine Handvoll Tour-Favoriten nennen?

          Ja, Cadel Evans, Alejandro Valverde, Damiano Cunego, das ist schon ein guter Kreis. Dann wird es sicher noch zwei Überraschungen geben. Vielleicht knüpfen Oscar Pereiro und Denis Mentschow an die Leistungen der vergangenen Jahre an. Die Tour wird sehr offen sein. Darin liegt der Reiz in diesem Jahr.

          Aber der Spanier Valverde zum Beispiel ist auch eine große Reizfigur: Ihm wurden Verbindungen zum spanischen Doping-Ring nachgesagt. Das könnte der Tour wieder erbittert geführte Diskussionen bescheren.

          Da helfen Spekulationen nicht weiter, nur Fakten zählen. Da sollte man Valverde auch erst mal Vertrauen entgegenbringen. Er ist für mich übrigens nicht nur einer der Favoriten auf Gelb. Ich würde an seiner Stelle auch auf Grün fahren, im Stile eines Jalabert zum Beispiel. Der kann ja auch alles.

          Sie stehen Valverde also unvoreingenommen gegenüber?

          Ja. Die Debatte um ihn ist sicherlich eine deutsche Diskussion in erster Linie. In seinem Heimatland wird sie so nicht stattfinden. Da muss man kein Prophet sein. Die Aso und die UCI, die ja Einblick in die Unterlagen hatten, würden ihn auch nicht starten lassen, wenn es konkrete Anhaltspunkte für einen Verdacht geben würde.

          Wie finden Sie, dass im Ausland offensichtlich weniger über Doping geredet wird als in Deutschland?

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