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Erfolgreiche Olympioniken : Gold am Hals - aber nichts in der Tasche

  • -Aktualisiert am

Bei Sponsoren beliebt: die beiden Beachvolleyball-Olympiaisieger Brink (im Foto links) und Reckermann Bild: dpa

Olympiasieger von London machen sich keine Illusionen. Wer nicht aus großen Sportarten kommt, wer keine Fernsehpräsenz und wenig blendendes Aussehen zu bieten hat, geht bei der Vermarktung seines Erfolges leer aus.

          5 Min.

          Robert Harting hat ein Talent für kurze Prozesse. Nach Siegen zieht er sein Trikot nicht etwa aus und legt es beiseite, er zerreißt es, legt seinen gewaltigen Brustkorb frei, bietet ein Muskelspiel und Seelenstriptease in einem. Und so redet er manchmal auch. Kein anderer deutscher Athlet hat bei den Sommerspielen in London so offen über die Schattenseiten eines Lebens als Hochleistungssportler gesprochen wie der Olympiasieger im Diskuswerfen. Der ständig schmerzende Körper, die fehlende Anerkennung, die unsichere Zukunft, der finanzielle Verzicht - Harting gab der Gemütslage seiner Branche ein Gesicht. Mit seinem Erfolg, seinem Auftreten und seiner Konfliktbereitschaft bildet er eine Ausnahme, aber seine Kritik dürfte mehrheitsfähig sein. Sie ist teilweise sogar empirisch belegt.

          Uwe Marx
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Stiftung Deutsche Sporthilfe, der große Geldbeschaffer für Deutschlands Spitzenkräfte im Sport, der Karrieren oft erst möglich macht, hat herausgefunden, dass über die Hälfte der Athleten in ihrer aktiven Zeit ans Aufhören denkt. Sie nennt durchschnittliche Zahlen für Wochenarbeitszeit (60 Stunden), Brutto-Stundenlohn (7,38 Euro), Monatseinkommen (1919 Euro). Hinter alle den Ziffern steckt die Harting-Botschaft: Es reicht nicht. Das ist seit Jahren so, und dann kommen wieder Olympische Spiele, und viele hoffen, dass es besser wird, dass Erfolg am Ende einen Ertrag bringt, vielleicht mal einen eigenen Werbevertrag. Auch London war in diesem Sinne ein Marktplatz der Hoffnungen. Aber es wird wohl wie immer sein: Die meisten werden enttäuscht.

          Nicht gleich von Millionen träumen

          Viele sagen das auch offen, zum Beispiel die Kanutin Franziska Weber aus Potsdam, die nach Gold und Silber in fröhlichem Realismus erklärte, was sie jetzt erwarte. Nicht das Geringste. „Wir sind froh, wenn wir über die Runden kommen.“ Der Cottbuser Radbahnfahrer Maximilian Levy fasste das Grundgesetz der namenlosen Olympiateilnehmer in ihrem Vier-Jahres-Rhythmus in einem Satz zusammen: „Heute wirst du bejubelt, übermorgen kennt dich keiner mehr.“ Dazwischen liegt das Morgen, da gibt es meistens nur flüchtige Aufmerksamkeit, aber keine Belohnung über den Tag hinaus. Die Sporthilfe tut, was sie kann, sie zahlt für eine Goldmedaille 15.000 Euro aus, für Silber 10.000 Euro, für Bronze 7500 Euro und für Platz acht, den Schlusspunkt in der Staffelung, immer noch 1500 Euro. Zusätzlich kann es eine Förderung von 150 bis zu -- je nach Erfolg - rund 2200 Euro pro Monat geben, was keine langfristige Perspektive bietet, keine Absicherung garantiert, während andere, weniger Sportliche, beruflich Karriere machen. Aber es ist eine solide Förderung. Man will ja nicht gleich von Millionen träumen.

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