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Erdbeben beim Basketball : „Und dann sah ich einfach alles wackeln“

  • Aktualisiert am

Der Einstand von Zion Williamson wurde vom Erdbeben überschattet. Bild: AP

Kalifornien wird von Erdbeben erschüttert. Das Baseball-Stadion in Los Angeles beginnt zu wackeln. Fans fliehen, doch die Spieler machen einfach weiter. Betroffen ist auch das Debüt vom neuen Basketball-Star Zion Williamson.

          Beim Baseball kommt es auf Präzision an. Doch in Los Angeles war das am Freitag (Ortszeit) nicht so leicht. Beim Spiel der Dodgers gegen die San Diego Padres (Endstand 2:3) begann im vierten Inning plötzlich das TV-Bild zu wackeln. Der Grund war schnell klar: Es setzte ein Erdbeben ein. Doch die Spieler auf dem Feld gaben sich unbeeindruckt. „Wie bitte spielen die einfach weiter Baseball? Ich verstehe nicht, wieso die Spieler das nicht spüren!“, sagte der entsetzte TV-Kommentator. 

          Einige Zuschauer im Dodger Stadion waren nicht so ruhig. Sie sprangen von ihren Sitzen auf, als das Stadion plötzlich zu wackeln begann. In Los Angeles habe es aber keine schweren Verletzungen oder größeren Schäden durch das Beben gegeben, teilte die Feuerwehr später mit. In Las Vegas indes musste eine Partie der Basketballvereine New York Knicks und New Orleans Pelicans abgebrochen werden, als Anzeigetafeln und Lautsprecher acht Minuten vor Spielende zu wackeln begannen.

          Beim Debüt von College-Star Zion Williamson, der beim diesjährigen NBA-Draft im Juli als Erster von den Pelicans gewählt wurde, stoppten die Verantwortlichen aus Sicherheitsgründen in Las Vegas das Duell 7:53 Minuten vor dem Ende beim Stand von 80:74. Wenig später fiel die Entscheidung, die Partie nicht wieder anzupfeifen, damit gewann New Orleans. „Ich wollte werfen und es fühlte sich an, als ob mir jemand gegen meine Hüfte drückt. Ich dachte, 'Oh mein Gott, was ist los?'“, sagte Pelicans-Guard Frank Jackson: „Und dann sah ich einfach alles wackeln.“

          Das zweite Spiel im Thomas and Mack Center zwischen den Phoenix Suns und Denver Nuggets wurde abgesagt. Das Parallelspiel zwischen den Orlando Magic und San Antonio Spurs in Cox Pavilion wurde zum Ende des dritten Viertels beim Stand von 75:59 für Orlando ebenfalls abgebrochen. Orlando wurde daraufhin zum Sieger erklärt. Der 19 Jahre alte Williamson, der in seiner einzigen College-Saison bei der Duke University durchschnittlich 22,6 Punkte erzielte und 8,9 Rebounds holte, überzeugte vor den Augen von Superstar LeBron James bei seinem Debüt in nur neun Minuten mit elf Punkten und drei Rebounds. Danach musste er allerdings verletzt vom Feld.

          Am Freitagabend (Ortszeit) wurde Süden Kaliforniens wieder von einem heftigen Erdbeben erschüttert. So stark habe die Erde in der Region seit rund 20 Jahren nicht mehr gebebt, berichteten amerikanische Medien. Nach Angaben der Erdbebenwarte USGS hatte das Erdbeben eine Stärke von 7,1. Es gab Berichte über Feuer und Stromausfälle. Der Erdstoß ereignete sich 17 Kilometer nordöstlich der Kleinstadt Ridgecrest, einer Wüstenstadt mit rund 30.000 Einwohnern. Es war die gleiche Region, in der bereits am Donnerstag die Erde gebebt hatte. Das Beben war allerdings in weiten Teilen Kaliforniens zu spüren. Auch im 250 Kilometer entfernten Las Vegas im Nachbarstaat Nevada schreckte der Erdstoß die Menschen auf.

          Die Feuerwehr im Bezirk Kern County berichtete von zahlreichen Anrufen verängstigter Anwohner. Es sollen mehrere Feuer ausgebrochen sein. Fernsehbilder zeigten Einsatzteams beim Löschen von Bränden. Die Behörde teilte in der Nacht mit, Helfer gingen in Ridgecrest von Haus zu Haus gehen. Es lägen zunächst keine Berichte über Todesopfer vor, sagte Feuerwehr-Chef David Witt. In einigen Stadtvierteln sei der Strom ausgefallen. Das genaue Ausmaß der Zerstörung sei zunächst aber noch unklar.

          Weitere Erdbeben seien wahrscheinlich, warnte Seismologin Lucy Jones von der Erdbebenwarte USGS. „Es handelt sich um eine Serie von Erdbeben, sie geht weiter“, sagte Jones vor Journalisten. Dass ein noch stärkeres Beben folgen werde, sei nicht ausgeschlossen, aber eher unwahrscheinlich. Eine Anwohnerin der Stadt Ridgecrest beschrieb dem Sender CNN, dass der Boden und ihr Haus stark schwankte. Der Strom sei ausgefallen. Die Besitzerin eines Motels schilderte aufgeregt, dass das Gebäude geschwankt habe. Die Gäste seien in Panik aus ihren Zimmern gerannt.

          Eine Nachrichtensprecherin duckte sich während einer Livesendung unter einen Tisch, als das Beben das TV-Studio erschütterte. „Wir erleben ein sehr starkes Beben. (...) Ich denke, wir müssen unter den Schreibtisch“, sagte Sara Donchey vom Sender CBS Los Angeles zu ihrem Ko-Moderator, während sie sich an ihn klammerte. Dann rutschte sie von ihrem Stuhl und unter den Schreibtisch. Der Gouverneur von Kalifornien hat für die betroffene Region den Notstand ausgerufen. Auf diese Weise können schnell Einsatzkräfte und Gelder mobilisiert werden.

          Das erste starke Beben am Donnerstag in der Wüstenregion über 200 Kilometer nordöstlich von Los Angeles hatte eine Stärke von 6,4. Es folgten Hunderte Nachbeben. Den Erdstoß am Donnerstag konnten Millionen Menschen von Sacramento im Norden Kaliforniens bis San Diego und von Los Angeles bis nach Las Vegas im Wüstenstaat Nevada sowie an der Nordgrenze Mexikos spüren. Die Kleinstadt Ridgecrest nahe dem Death-Valley-Nationalpark war am stärksten betroffen. Todesopfer oder Schwerverletzte gab es nicht.

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