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Enes Kanters China-Kritik : Da gibt es nichts zu lachen

Lässt sich nicht den Mund verbieten: NBA-Profi Enes Kanter Bild: AP

In Deutschland wird zu wenig über Enes Kanter gesprochen. Dabei trifft seine China-Kritik den Punkt. Zu viel wird über José Mourinho geredet. Doch eines sollte man bei allem Spott nicht vergessen.

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          In Deutschland wird zu wenig über Enes Kanter gesprochen. Der Basketballspieler der Boston Celtics hat auf seinem Twitter-Kanal gerade ein Video veröffentlicht, in dem er Xi Jinping, den Staatspräsidenten der Volksrepublik China, wegen dessen Tibet-Politik einen „brutalen Diktator “ nennt.

          Als Kanter für das erste Saisonspiel der Celtics in der NBA dann noch in Schuhen mit der Aufschrift „Free Tibet“ auflief, reagierte der Propagandastaat, wie er meistens reagiert: mit Unterdrückung. Die chinesische Online-Plattform Tencent brach die Übertragung des Spiels sofort ab. Das dürfte Kanter, der in der Türkei geboren ist, nicht einschüchtern.

          Einmal, als er in Indonesien ein Basketballcamp für Kinder veranstaltete, klopfte nachts ein Mann an seine Hotelzimmertür und warnte ihn vor der Polizei. Die suchte ihn angeblich auf Intervention der türkischen Regierung um Präsident Erdoğan, den Kanter immer wieder kritisiert hatte. Kanter floh. Als er ein paar Stunden später in Bukarest landete, war sein Reisepass gesperrt. Im ersten Spiel hat er mit den Celtics übrigens verloren. Er spielte keine Minute – und traf doch den Punkt.

          In Deutschland wird zu viel über José Mourinho gesprochen. Der Fußballtrainer des AS Rom hat mit seiner Mannschaft gerade in der Europa Conference League gegen den norwegischen No-Name FK Bodø/Glimt 1:6 verloren. „Das gab’s in 1000 Spielen nicht! Historische Blamage für Mourinho“, steht etwa in einer Überschrift auf Bild.de.

          Das haben sich vielleicht ein paar „Propaganda-Assistenten“ ausgedacht – so hat zumindest Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner in einer SMS „fast alle anderen“ Journalisten in Deutschland bezeichnet, nur den nun ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt nicht. Egal, hier geht’s um Sport, nicht um die Corona-Politik der Bundesregierung – oder wie Döpfner sagt: den „neuen DDR-Obrigkeitsstaat“.

          So, genug geirrlichtert. Wo es so einen Obrigkeitsstaat wirklich gibt, kann man oben nachlesen. Zurück zu Mourinho, dem großen Zampano, den viele, vor allem hierzulande, kritisch sehen. Man kann sich gut über ihn lustig machen. Niemand muss Mitleid mit ihm haben. Eines sollte man aber nicht vergessen: In die gute alte Bundesliga hat sich der zweimalige Champions-League-Sieger Mourinho wie die allermeisten seiner Klasse noch nicht verirrt.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

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