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Handballerin Emily Bölk : Ein 16 Jahre altes Juwel

  • -Aktualisiert am

Auf dem Sprung Richtung Nationalmannschaft: Emily Bölk Bild: IHF/Petr Stojanovski

Ein Leben für den Handball – als Teenagerin. Emily Bölk macht in der Frauen-Bundesliga von sich reden. Die Spielerin aus Buxtehude fällt auch dem Bundestrainer auf. Und auch die Mitschülerinnen sind beeindruckt.

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          Am vergangenen Wochenende in Amsterdam gab es ein Problem: Wie schleust man eine 16-Jährige durchs Nachtleben? Die Kolleginnen des Buxtehuder SV vertrauten aufs Äußere, denn Emily Bölk erscheint wegen ihrer Größe älter, als sie ist. Niemand verlangte den Personalausweis. Emily Bölk konnte nach dem 32:24-Sieg bei VOC Amsterdam am Samstagabend also mit ausgehen.

          Es war nicht irgendein Spiel für die junge Norddeutsche. Wieder trug sie fünf Tore bei; im EHF-Pokal-Hinspiel (32:25) hatte sie zehn Mal getroffen. Schon zwei Jahre vor dem Erwachsenwerden gehört die 184 Zentimeter lange Rückraumspielerin zum Kern des Bundesliga-Vierten.

          Der Trainer gewährt „Welpenschutz“

          Wohin der Weg von Emily Bölk geht, war schon länger klar. Trainer Dirk Leun hatte signalisiert, dass er sie von dieser Saison an zum Erstliga-Kader zählen würde. Man merkt, wie viel Freude es ihr bereitet: „Ich lerne richtig viel. Ich brauche Rückmeldung, und die bekomme ich von den erfahrenen Spielerinnen. Sie reden viel mit mir, sie können mir so viel zeigen.“

          Die Doppelrolle gefällt Emily Bölk: „In der A-Jugend bin ich Führungsspielerin, da habe ich ganz andere Aufgaben als bei den Frauen.“ Leun gewährt ihr „Welpenschutz“. Sie wird behutsam aufgebaut. Im Kreis der Spielerinnen sieht man in Emily Bölk jedoch schon eine kommende Größe im Handball. „Sie ist körperlich unheimlich weit und bringt ganz viel mit. Das ist wirklich krass“, sagte Kapitänin Isabell Klein dem „Hamburger Abendblatt“, „wir wollen sie auf keinen Fall verheizen.“

          Das Spiel ist ihr in die Wiege gelegt

          Emily Bölk gilt als Juwel. Dass sie gut ist, wissen in Buxtehude und beim Deutschen Handball-Bund alle - seit Jahren. Wer schon als Baby mehr Zeit in der Halle verbrachte als zu Hause, dem ist dieses Spiel buchstäblich in die Wiege gelegt. Emilys Mutter Andrea Bölk, Jahrgang 1965, wurde vor 21 Jahren in Norwegen Handball-Weltmeisterin. Andrea Bölks Mutter, Emilys Oma, war DDR-Nationalspielerin, Vater Matthias Bundesligaspieler beim VfL Fredenbeck. Das war die sportliche Sozialisation.

          Bei der U-18-Weltmeisterschaft im Sommer in Mazedonien paarten sich Talent und Training vortrefflich: Emily Bölk wurde (mit gerade 16 Jahren) als Teil der deutschen Mannschaft, die Silber gewann, zur wertvollsten Spielerin gewählt. Vor allem ihre 22 Tore im Achtelfinale gegen Portugal stachen hervor. Seitdem ist sie in der Szene mehr als ein begabter Teenie.

          Schule, Handball, Schule

          Beeindruckend finden auch Emily Bölks Mitschülerinnen ihr Pensum. 36 Wochenstunden wie alle anderen hat sie in der Schule zu bewältigen, da gibt es keine bevorzugte Behandlung. Schule, Handball, Schule, das ist der Tagesablauf. Und deswegen ist ihr Grundzustand: müde. Der Mittagsschlaf ist notwendiger Luxus.

          Danach ist sie wieder frisch für das nächste Training. Und abends, oder besser: nachts, wenn sie bis 23.30 Uhr vor den Büchern sitzt, fallen schon mal die Augen zu. Dann ist endlich Ruhe bei den Bölks, zu denen auch noch Emilys drei Jahre jüngere Schwester Joelle gehört. Bis zur Reifeprüfung wird sich an dieser Agenda wenig ändern.

          Clever, freundlich, zielorientiert

          Deshalb muss Emily Bölk leider absagen, wenn die Freundinnen ins Kino gehen oder mal nach Hamburg fahren. „Mensch, Emmi, es ist echt krass, wie du das mit deinem Handball durchziehst“, sagen sie dann. Sie sind aber weder neidisch, noch äußern sie sich vorwurfsvoll. Sie sind eher verstohlen stolz, wenn sie die Mitschülerin am Samstagabend bei Heimspielen des BSV sehen. Zum Glück gibt es in der langjährigen Jugendfreundin und Mitspielerin Natalie Axmann eine Gleichgesinnte, die großes Verständnis für Emily Bölk aufbringt.

          Die Eltern sind froh, dass ihre Tochter gut durch die Schule kommt. Vor allem jetzt, wo gut anderthalb Jahre vor dem Abitur die Problemfächer Physik und Chemie abgewählt sind. Wäre es anders, könnte Emily Bölk kaum derart durchstarten. Es stürzt gerade einiges auf die junge Frau mit den grünen Augen und den langen braunen Haaren ein - wobei sie im Gespräch am Wohnzimmertisch des elterlichen Hauses am Rande Buxtehudes keinesfalls aufgeregt oder stressgeplagt wirkt. Eher clever, freundlich, zielorientiert. Und reif.

          Ihr Ziel: In kleinen Schritten weit kommen

          Mit Natalie Axmann, der Tochter von Andrea Bölks 93er-Teamkollegin Heike Axmann, begab sich Emily Bölk im Sommer 2012 auf eine aufregende Reise. Ein Jahr Handballinternat Viborg lag vor den beiden. Eine prima Zeit war das, findet Emily Bölk: „Andere gehen in die USA oder nach Neuseeland. Das finde ich auch toll. Aber mit dem Handball wäre es dort schwer geworden.“

          Im Leistungszentrum des dänischen Topklubs wurde nicht nur Handball gelehrt, sondern auch nordische Lebensart. Weniger Hektik, mehr Zeit füreinander. Ein Leben in niedrigerer Geschwindigkeit mit dem Blick aufs Wesentliche. Selbstbewusster kehrte sie im Sommer vor einem Jahr zurück. Nun geht die Lehre bei den Großen weiter. Emily Bölk will jetzt kleine Schritte machen.

          In der Bundesliga Fuß fassen, in der A-Jugend ihre Hauptrolle spielen. Bundestrainer Heine Jensen hat sie schon kennengelernt. Für die am 7. Dezember in Kroatien und Ungarn beginnende Frauen-EM ist sie noch zu jung. Das Nationalteam? Sie lacht. „Da muss ich ordentlich ran. Langfristig ist das mein Ziel. Aber es ist noch weit weg.“ Emily Bölk kann ganz gut einschätzen, wo sie sich als Handballspielerin gerade befindet.

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