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EM-Qualifikation : Schwund beim Basketball

Tibor Pleiß ist abgereist – Chris Flemming soll auf hundertachtzig gewesen sein. Bild: Jan Huebner

Die EM-Qualifikation der Nationalmannschaft verläuft für Deutschlands Basketballer unerfreulich. Und dann packt auch noch Center Tibor Pleiß seine Sachen und verlässt die Mannschaft.

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          Angeblich soll es gut sein, dass die Öffentlichkeit nicht allzu viel erfährt von der maßlosen Enttäuschung des Basketball-Bundestrainers Chris Fleming. Er soll auf hundertachtzig gewesen sein, als er von der Abreise seines längsten Centers erfuhr. Das kann man verstehen. Die Qualifikation der Nationalmannschaft für die Europameisterschaft 2017 verläuft unerfreulich. Ein Sieg gegen Dänemark, einer mit Mühe und Not gegen Österreich, eine Niederlage gegen die Niederlande.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Deutschen, so die Außenwirkung, scheinen schon in der zweiten Klasse an ihre Grenzen zu stoßen. Mittendrin in dieser nicht ungefährlichen Phase, vor den Rückspielen mit dem Auswärtsmatch in Dänemark am Samstag (19 Uhr MESZ), packte Tibor Pleiß seine Sachen. Wir wissen nicht, was Chris Fleming dazu gesagt hat. Ob er nach dem ersten Impuls abgewunken hat, weil Pleiß ohnehin (allenfalls) mäßig gespielt hatte. Im Verband aber ist Tacheles geredet worden: Man darf das Team „nicht im Stich“ lassen.

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          Bei diesen Worten schwingt das große Wort vom Verrat mit. So weit gehen auch die Erzürnten im Kreis des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) nicht. Da ist eher von „Egoismus“ die Rede. Und von Agenten, die ihren Spielern im „Ohr“ sitzen. Immerhin geht es bei Pleiß um seine Existenz als Profi. Der 2,18 Meter lange Center aus Bergisch Gladbach war von den Utah Jazz zu den Philadelphia 76ers abgewandert, die hatten ihn kurz vor Beginn der EM-Qualifikation entlassen. Kein Wunder, dass der Center bei aller seelsorgerischen Unterstützung im DBB-Tross die Orientierung auch auf dem Parkett gegen die - bei allem Respekt - Basketballzwerge verlor. Jetzt versucht er, sich unter anderem bei einem Camp der Brooklyn Nets zu empfehlen, während der neue Assistenzcoach dieses NBA-Klubs in Europa retten muss, was zu retten ist: Fleming.

          Der ehemalige Meistercoach von Bamberg könnte wohl auf einen indisponierten Pleiß verzichten, wenn er nicht schon ganz andere Absagen hätte hinnehmen müssen. Als die Atlanta Hawks Denis Schröder zum Chef-Aufbauspieler beförderten, sagte ihm der hochbegabte deutsche Guard ab. Der charismatische, leidenschaftliche und mitunter nicht zu bremsende Heiko Schaffartzik bat nach den vielen Jahren in der Knochenmühle um eine Pause, andere vertrösteten den Coach mit weniger plausiblen Erklärungen, und Maik Zirbes musste wohl die Abmachung seines Agenten mit Maccabi Tel Aviv erfüllen: Im - geschätzten - Jahresgehalt von 1,2 Millionen Euro ist die Teilnahme an der Saison-Vorbereitung inbegriffen.

          Die Abwesenheitsgründe mögen im Einzelfall nachvollziehbar sein. Im Kern bleibt eines hängen: Auftritte in der Nationalmannschaft haben an Attraktivität verloren. Übrig geblieben ist vorerst ein Ensemble, dem es auf dem Spielfeld an Führung fehlt. Das ist bedauerlich, weil Liga und Verband lange nicht mehr so viele gute, junge Spieler für so viele Positionen entwickelt haben. Man glaubte die Deutschen auf dem besten Weg, die Reform des Wettkampfkalenders vom Herbst 2017 an mit einer erstklassigen Auswahl nach der Generation Nowitzki ausfüllen zu können. Weil das Interesse von Fernsehsendern wächst, trüge die Präsentation einer guten Nationalmannschaft auch im November, im Februar, im Juli und im September zu einer greifbaren Aufwertung von Basketball in Deutschland bei. Dänemark wird dem kaum im Wege stehen, aber Österreich oder die Niederlande sind stark genug, eine vermeidbare Schwäche zu nutzen, die den deutschen Basketball zurückwerfen würde.

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